Der Elefant im Raum liegt diesmal schon vor der Eingangstür auf einem Stand des städtischen Planungsreferats aus – in Form einer Broschüre, die für Olympische Spiele in München wirbt. Dabei sollte dieses Thema an diesem Montag im Kulturhaus Milbertshofen eigentlich ausgespart werden, darauf hat das Rathaus in der Einladung ausdrücklich hingewiesen. Schließlich gehe es bei dieser Informationsveranstaltung vielmehr um den Olympiapark und dessen „Weg zum Welterbe“.
Doch wenige Tage vor dem Bürgerentscheid um eine mögliche Olympiabewerbung kann oder will auch Stadtbaurätin Elisabeth Merk nicht an dem Thema vorbei. Und so betont sie zu Beginn: „Der Welterbe-Antrag behindert nicht eine Bewerbung um Olympische Spiele. Und umgekehrt gilt: Eine Bewerbung und die Durchführung von Olympischen Spielen behindert nicht unser Welterbe-Verfahren.“ Wobei die zwei Dinge durchaus etwas gemeinsam hätten, ergänzt Merk. „Es sind beides Ereignisse, die ganz schön weit in der Zukunft liegen.“
Denn beim Bürgerentscheid geht es um eine Bewerbung für die Spiele ab 2036. Und etwa zu jener Zeit könnte auch der Olympiapark das begehrte Welterbe-Siegel der Unesco erhalten – „wenn alles wie vorgesehen läuft“, sagt Stadtplaner Nils Scheffler, dessen Büro Urban Expert die Stadt bei dem Prozess unterstützt. Jedoch könne es sein, „dass sich schon vorher ein Zeitfenster öffnet, sodass man seine Unterlagen früher einreichen kann“, sagt Scheffler. Und genau darauf bereite sich das Rathaus vor, unter anderem durch die Erstellung eines Welterbe-Managementplans – also eines Leitbilds für den sorgsamen und nachhaltigen Umgang mit der Stätte.
Vornehmlich um diesen Plan soll es in Milbertshofen bei der zweiten Bürgerveranstaltung gehen. Doch bevor die knapp 100 Anwesenden an drei Plakatwänden ihre Ideen und Anregungen äußern können, wie der Olympiapark künftig gehegt und gepflegt werden soll, steigt ein 92-jähriger Mann beneidenswert locker auf die Bühne. Fritz Auer heißt der Mann, der dort mit Elisabeth Merk über „Die Zukunft des zu nominierenden Welterbes Olympiapark“ plaudert. Jener Fritz Auer kennt das 290 Hektar große Areal im Münchner Nordwesten wie kaum ein anderer, schließlich war der Architekt als Partner im Büro Behnisch maßgeblich für die Bauten der Olympischen Spiele 1972 mit ihren prägnanten Zeltdächern verantwortlich.
„Man muss der Stadt ein Kompliment machen“, sagt Auer mit Blick darauf, wie das Gelände seither nicht nur für viel Geld instandgehalten, sondern auch weiterentwickelt wurde. „Der Park soll kein Museum werden, wo niemand etwas daran ändern darf“, betont der Architekt. Wobei man in all den Jahrzehnten auch Irrwege beschritten habe. „Ich denke da an die Aufgabe der Laufbahn im Olympiastadion zugunsten von Autorennen und solchen Quatsch“, sagt Auer. Unverständlich für ihn sei dereinst auch die Vorgabe gewesen, wonach die Olympiapark GmbH schwarze Zahlen schreiben solle. „Der Park kann kein Bringer im finanziellen Sinne sein, aber er ist ein Bringer im ideellen Sinne“, betont Auer. „Man muss Geld investieren in ein Gut, das gut bleiben soll – nicht nur für die Münchner Bürgerschaft, sondern auch für die Weltbürgerschaft.“

Genau das ist laut Elisabeth Merk in den vergangenen Jahrzehnten geschehen. „Man lässt den Olympiapark und seine Erfindungen nicht allein, sondern gibt immer etwas Neues hinzu, damit er genutzt werden kann und lebendig bleibt – über Generationen“, sagt die Stadtbaurätin. Ihr zufolge muss ein Fokus bei der Weiterentwicklung des Geländes auf dessen Rändern liegen. So wolle die Stadt nach wie vor das Bundeswehr-Verwaltungszentrum an der Dachauer Straße erwerben, um den Park zu erweitern. Und beim früheren Eisstadion im Osten des Areals warnt Merk vor einem Schnellschuss: „Wir brauchen da eine gute Nutzung, die den Park ergänzt – und nicht irgendetwas, nur weil die Fläche frei ist.“
Das wiederum ist ganz im Sinne einer „behutsamen Weiterentwicklung“ des Olympiaparks – ein Schlagwort, das sich auch im Welterbe-Managementplan wiederfinden soll. Als mögliche Maßnahmen werden hier etwa eine Neunutzung des früheren Busbahnhofs sowie der Ausbau „nicht kommerzieller Aktivitäten“ genannt. Und: die „Prüfung der Öffnung von Sportanlagen“, die zuvor auch Fritz Auer fürs Olympiastadion angeregt hat. „Aktuell haben wir da eine große Arena, in die ich reingucken kann. Aber im Alltag könnte es dort lebendiger sein“, findet der Architekt.
Tatsächlich gebe es in ihrem Referat bereits Diskussionen, „inwiefern wir Sportstätten, die nicht rund um die Uhr ausgenutzt sind, als dritte Orte entwickeln können“, sagt Elisabeth Merk – sie also für andere Nutzungen zu öffnen. Was es dafür jedoch brauche, seien andere Betreiberkonzepte, so die Stadtbaurätin. „Und auch mehr personelle Ressourcen, um das zu betreuen.“

