bedeckt München 30°

Olympiadorf:Von Verkehrsadern fest umschlossen

Straßbergerstraße in München, 2019

Ohnehin schon ein knappes Gut im Umfeld des Olympiadorfs: Parkplätze. Vor allem, wenn große Events im Olympiapark anstehen.

(Foto: Florian Peljak)

Die Bewohner des Olympiadorfs leiden unter dem ungeheuren Parkdruck, auf schnelle Abhilfe dürfen sie dennoch nicht hoffen. Etwas Linderung versprechen ein erneuertes Parkleitsystem und ein MVV-Kombiticket

Von Johannes Korsche, Olympiapark

Konzerte, Tollwood und Sportereignisse: Ist nicht gerade Corona-Pandemie, strömen in zuverlässiger Regelmäßigkeit Tausende in den Olympiapark. Für die Besucher ein besonderer Abend, für die Anwohner ein nahezu alltägliches Ärgernis. Denn bei Großveranstaltungen im Olympiapark "versuchen zahlreiche Veranstaltungsbesucher im Olympiadorf zu parken", schrieb die Fraktion der Freien Wähler und der ÖDP im Bürgergremium in einem Antrag aus dem Juli 2019. Dabei werde "regelmäßig illegal auf Grünflächen, in zweiter Reihe, vor Einfahrten und so weiter geparkt". Der Bezirksausschuss (BA) Milbertshofen-Am Hart hat deshalb Kontrollen für die Zufahrtsstraßen zum Olympiadorf gefordert. Vorbild könne das Konzept sein, das um die Allianz-Arena bei Spielen des FC Bayern angewandt werde, schlugen die Lokalpolitiker damals vor. Beidem erteilt die Stadtverwaltung nun eine Absage; auch mehr Parkplätze auf dem Gelände werde es wegen des Denkmalschutzes nicht geben.

Ganz untätig wollen das Kreisverwaltungsreferat und die Olympiapark GmbH aber nicht bleiben, wenn der Betrieb wieder anläuft. Denn in dem ausführlichen Antwortschreiben kommt auch das Referat zu dem Schluss: "Die Parkplatzsituation im Umfeld des Olympiaparks kann als prekär bezeichnet werden." Nach Zählung des Kreisverwaltungsreferats kommen auf jene 1960 privaten Autos, die im Olympiadorf gemeldet sind, etwa 2850 private und 670 öffentliche Parkplätze. Klingt zunächst nicht schlecht, aber die öffentlichen Stellplätze seien selbst ohne Veranstaltung im Umkreis durchschnittlich zu 90 Prozent ausgelastet. Zudem komme ein "großer Teil der meist ortsunkundigen Besucher" mit dem Auto. An Rekordabenden sind das schon mal mehr als 100 000 Besucher, wenn das Olympiastadion und die -halle während des Tollwood bespielt werden. Es gebe schlicht "zu wenige Parkflächen", so das Kreisverwaltungsreferat.

Und es könnte künftig noch prekärer werden. Eine Auswahl künftiger Events: Zur verschobenen Fußball-Europameisterschaft ist eine Fan-Zone im Park geplant. Bei der European Championship 2022 erwartet man etwa 100 000 Besucher, während die Parkharfe am Olympiastadion wegen geplanter Aufbauten teils für das Event wegfällt. Und auch der SAP Garden, der seit Januar auf dem Gelände des ehemaligen Olympia-Radsportstadions gebaut wird, zieht zu seinen Veranstaltungen bis zu 11 500 Besucher an.

Kontrollen an den Zufahrten zum Olympiadorf, die lediglich Anwohner und Sportler der ZHS durchlassen, seien wegen des personellen Aufwands nicht möglich, beruft sich die Stadtverwaltung auf die Polizei. Auch temporäre Einfahrtssperrungen einzelner Straßen wie im Umfeld der Allianz-Arena bei Bayern-Spielen unter der Woche seien nicht umsetzbar. Zum einen, weil das Schild "Anlieger frei" auch Konzertbesuchern die Durchfahrt erlauben würde. Zum anderen, weil das einen "nicht zu unterschätzenden Rückstau im Bereich der Lerchenauer Straße verursachen" würde. Ganz allgemein ist der Olympiapark von "innerstädtischen Verkehrsadern" umgeben - wie dem Mittleren Ring, der schon ohne Veranstaltungen und Rückstau an seine Grenzen komme.

Der Lösungsansatz des Kreisverwaltungsreferats setzt deswegen auf mehrere Maßnahmen. So will die Olympiapark GmbH vermehrt Anreize schaffen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Von Herbst an soll es Kombitickets geben, die die An- und Abreise mit dem MVV erlauben. Zudem soll ein erneuertes Parkleitsystem die Suche nach freien Parkplätzen erleichtern. Zusätzlich, so die Hoffnung, könnten erhöhte Bußgelder fürs Falschparken abschreckend wirken. Konkreter wird es beim Wildparken auf öffentlichem Grün. Da werde das Baureferat gebeten, Bügel als Barriere aufzustellen.

Wenn es wieder mit Konzerten und anderen Großveranstaltungen los geht, versichert das Kreisverwaltungsreferat, dass "wir uns vor Ort die Lage genaustens anschauen werden". Verbessert sich die Situation für die Anwohner nicht, "werden wir uns gerne mit dem Bezirksausschuss" und der Olympiadorf-Betrieb Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. Wartung KG (ODBG) treffen, um weitere Lösungen zu erarbeiten. Eine Einladung, die quer durch die Fraktionen im BA auf Zustimmung trifft. Vor allem, weil zwar die ausführliche Beantwortung mehrmals Lob findet, allerdings die Gründe für die Ablehnung nicht.

© SZ vom 10.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite