Die Initiatoren einer Münchner Olympiabewerbung für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 konnten am Sonntag einen großen Erfolg erzielen. Das vom Münchner Stadtrat initiierte Ratsbegehren fand eine Zustimmung von 66,4 Prozent und brachte so viele Menschen zur Abstimmung wie zuvor kein anderer Bürgerentscheid in der Stadt.
Um 19.17 Uhr trat Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) im Kreisverwaltungsreferat (KVR) im blauen Hoodie vor die Mikrofone. „München hat gewählt. München hat abgestimmt. München hat klar mit Ja gestimmt“, verkündete er. In allen bis dahin ausgezählten Wahlbezirken lagen die Befürworter so klar vorn, dass Reiter siegesgewiss sein konnte.

Dem 67-Jährigen war die Genugtuung über das Votum anzumerken. Die „ganzen Unkenrufe und an den Haaren herbeigezogenen Argumente“ der Olympia-Gegner hätten nicht verfangen. Auch manche Medien hätten mit einer sehr kritischen Berichterstattung versucht, „aus dem einen Haar in der Suppe ein ganzes Haarbüschel zu machen“. Die Bürgerinnen und Bürger hätten sich aber eine eigene Meinung gebildet.
1,1 Millionen Menschen waren zur Abstimmung aufgerufen. Die Briefwahlunterlagen waren den Wahlberechtigten unaufgefordert zugesandt worden. Dies dürfte der Hauptgrund für die auffallend gute Beteiligung gewesen sein. 33,7 Prozent derjenigen, die ihre Stimme abgaben, taten dies per Post. Insgesamt lag die Wahlbeteiligung bei 42 Prozent.
Dass die Olympia-Frage mehr als 400 000 Menschen bewegt hat, gibt Reiter „ein gutes Gefühl“: „Dass wir Politik für die Mehrheit machen.“ Mit einem „sicheren Gefühl“ gehe München nun in den weiteren Bewerbungsprozess. Nach Hamburg, Berlin und Düsseldorf gewandt entbot er – wenig verklausuliert – den Rat, die eigenen Olympia-Ambitionen zu überdenken. Das Ergebnis sei ein „sehr großer Denkanstoß für die Mitbewerberinnen und -bewerber“, findet Reiter: „Es wird sehr interessant zu sehen, was dort in den nächsten Tagen passiert.“
Hamburg, Berlin und die Region Rhein-Ruhr haben beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ebenfalls Sommerspiel-Konzepte eingereicht. Bürgerentscheide hat es dort noch nicht gegeben. In Hamburg und in Nordrhein-Westfalen sind für Frühjahr 2026 welche geplant. In Berlin bräuchte es 20 000 Unterschriften, um ein Votum zu starten.
Der DOSB will dann im Herbst 2026 entscheiden, welchen deutschen Bewerber er dem Internationalen Olympischen Komitee vorschlägt. Aktuell sind die Sommerspiele bis 2032 vergeben; 2028 finden sie in Los Angeles/USA statt, vier Jahre später in Brisbane/Australien.
Wie groß die Chancen einer deutschen Bewerbung wirklich sind? Diese Frage rückte am Sonntagabend in den Hintergrund. Die Unterstützer kosteten den Moment aus. Jörg Ammon, der Chef des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV), sprach von einem „Traumergebnis“.

Der BLSV hatte zur Party in sein Haus des Sports am Georg-Brauchle-Ring geladen, wo er eine „Arena“ aufgebaut hatte: In dieser freuten sich der dreifache Olympia-Teilnehmer Sideris Tasiadis (der eine olympische Bronze- und eine Silber-Medaille im Einer-Canadier daheim hat) sowie Hilde Gerg. „Ein brutales Zeichen“ sei das deutliche Ergebnis, findet die Slalom-Olympiasiegerin, die nun auf eine Aufbruchstimmung nicht nur in München hofft, sondern in der ganzen Region bis in ihre Heimat im Berchtesgadener Land.
Kurz vor 20 Uhr trat auch derjenige in die Arena, der seit der Präsentation des Olympia-Konzepts im Mai besonders eifrig für München geworben hatte: Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Beim Ergebnis-Tippen hatte er sich am Nachmittag noch defensiver gezeigt als Münchens OB. Nun aber freute Söder sich mit einer ähnlichen Genugtuung wie sein Doppelpass-Partner im Rathaus am Marienplatz. „Eine geile Geschichte“ sei das Votum, so Söder, und „ein ganz klares Signal“: „Jetzt starten wir durch, jetzt ziehen wir an.“
Dass es im nächsten Schritt darum geht, die nationalen Konkurrenten aus dem Feld zu zwingen, war auch Söder anzumerken. „Bei den Sportstätten liegt München mit weitem Abstand vor allen anderen deutschen Bewerbern“, sagte er: „Wir können es, wir wollen es, wir sind wirtschaftlich das stärkste Land, das sicherste und wir können nachhaltige Spiele anbieten. Bei uns müssen keine neuen Prunktempel gebaut werden.“ Sein Fazit: „Das ist für die ganze Region überragend, aber auch für den ganzen Sport.“
Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein übermittelte am Abend noch Glückwünsche nach München. Die Menschen dort stünden hinter der Idee, sagte die CDU-Politikerin: „Es ist das erste erfolgreiche Olympiareferendum in Deutschland. Ich freue mich, wenn es nicht das letzte ist.“
Als „fast schon historisch“ ordnete Michael Asbeck vom Münchner Sportreferat das Ergebnis ein, der mit seinem Team das Konzept verfasst und die Kampagne organisiert hat. Es handle sich international um das erste Referendum für Sommerspiele, das gewonnen worden sei. Manuel Pretzl, Chef der CSU im Münchner Rathaus, freute sich „total“ – vor allem darüber, dass „das Miesepetrige von einer großen Mehrheit nicht goutiert wird“.

Die Gegner der Olympiabewerbung trafen sich im Griechischen Haus im Westen der Stadt. Ausgerechnet: In Griechenland liegt der Ursprung Olympischer Spiele.
Tobias Ruff, Fraktionschef der ÖDP im Stadtrat, erschien als Münchner Kindl verkleidet. Auf den Plakaten hatte seine Partei mit der Figur für ein Nein geworben. „Leider recht deutlich“ sei die Niederlage ausgefallen, resümierte er. Er glaube nicht, dass München den Olympia-Zuschlag wirklich bekomme, „trotzdem kostet uns das jetzt erst mal Geld“.
Der Grünen-Politiker Ludwig Hartmann, Landtags-Vizepräsident, führte die deutliche Niederlage auch auf die „Dauerbeschallung“ der Pro-Seite in den vergangenen Wochen zurück. An allen Trambahn- und U-Bahnhaltestellen habe er Werbeplakate gesehen: „Dabei dürfen Parteien da gar nicht werben.“
Linken-Stadtrat Stefan Jagel stimmte eine ähnliche Klage an: „Wir respektieren selbstverständlich das Votum, müssen aber feststellen: Dieses Verfahren war alles andere als fair. Die Pro-Seite und die Stadtspitze haben massiv getrickst – mit Werbekampagnen auf öffentlichen Flächen und finanziert mit öffentlichen Mitteln, sogar auf dem angeblich unpolitischen Oktoberfest.“
Alle Gegner kündigten an, die weiteren Schritte kritisch begleiten zu wollen.

