Bewerbung um SommerspieleWie es nach Münchens Ja zu Olympia weitergeht

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Die erste Hürde der Bewerbung ist genommen. Doch ob im Münchner Olympiastadion noch einmal olympische Wettbewerbe ausgetragen werden, ist längst nicht entschieden.
Die erste Hürde der Bewerbung ist genommen. Doch ob im Münchner Olympiastadion noch einmal olympische Wettbewerbe ausgetragen werden, ist längst nicht entschieden. (Foto: IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Flatemersch)
  • München hat bei einem Ratsbegehren mehrheitlich für eine Olympia-Bewerbung für 2036, 2040 oder 2044 gestimmt, der DOSB entscheidet im Herbst 2026 über den deutschen Kandidaten.
  • Hamburg und die Region Rhein-Ruhr planen Bürgervoten am 31. Mai beziehungsweise 19. April 2026, während Berlin verfassungsrechtliche Beschränkungen für Bürgerentscheide hat.
  • IOC-Präsidentin Coventry hat das bisherige Vergabeverfahren stillgelegt und will den Mitgliedern wieder mehr Mitsprache bei der Olympia-Vergabe geben.
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München hat bei der Bürgerbefragung vorgelegt, Hamburg und die Region Rhein-Ruhr wollen im Frühjahr nachziehen. Worauf es jetzt bei der Vergabe der Sommerspiele ankommt und wann eine Entscheidung fallen könnte.

Von René Hofmann und Johannes Knuth

Am 20. Mai 2025 hat München das Konzept vorgestellt, mit dem die Stadt sich um die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben will. Rund fünf Monate später haben die Münchnerinnen und Münchner nun bei einem Ratsbegehren diesem Plan mehrheitlich zugestimmt. Wie geht es jetzt mit der Bewerbung weiter, wann wird über den Austragungsort entschieden? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Steht München nach dem gewonnenen Bürgerentscheid als deutscher Bewerber fest?

Nein. Über eine Olympiabewerbung entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Auch Hamburg, Berlin und die Region Rhein-Ruhr haben dort Konzepte eingereicht.

Finden in den anderen Bewerberstädten auch Bürgervoten statt?

In der Region Rhein-Ruhr und in Hamburg ist das geplant, und zwar am 19. April beziehungsweise am 31. Mai 2026. In Berlin ist das aktuell nicht vorgesehen. Als Grund dafür nennt die dortige Sportsenatorin verfassungsrechtliche Beschränkungen: Ein Bürgerentscheid auf kommunaler Ebene sei in Berlin nicht vorgesehen. Der Landessportbund Berlin erwägt deshalb eine sogenannte „Volksinitiative“. Für eine solche müsste er innerhalb eines halben Jahres 20 000 Unterschriften sammeln, dann müsste das Abgeordnetenhaus das Thema Olympia auf die Agenda setzen. Eine vom Rundfunk Berlin-Brandenburg in Auftrag gegebene Umfrage ergab im Juni 2025 ein ambivalentes Stimmungsbild unter den Bewohnern der Hauptstadt: 46 Prozent fanden die Idee einer Olympia-Bewerbung gut, 43 Prozent nicht.

Wann entscheidet der DOSB über den deutschen Bewerber?

Im Herbst 2026 – Stand jetzt. Dann soll eine außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB den deutschen Kandidaten küren, der dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorgeschlagen wird und damit ins internationale Rennen zieht. Ob die DOSB-Mitglieder bei dieser Versammlung dann über eine bereits vorher ausgewählte Stadt beziehungsweise Region oder über mehrere Bewerber entscheiden können, ist noch unklar.

Nach welchen Kriterien entscheidet der DOSB?

Auch das ist noch unklar. Der DOSB hat die Spielregeln noch nicht veröffentlicht. Offene Fragen sind unter anderem: Wird es ein Gremium geben, das die vier Kandidaten mit Punkten bewertet? Oder nur eine Bewertungsmatrix? Und wenn ja, was umfasst diese und wer wird sie anwenden? Dürfen bei der Kandidatenkür allein die olympischen Fachverbände entscheiden oder auch die Landessportbünde (die Satzung des DOSB lässt hier Interpretationsspielräume)?

All diese Fragen sollen bei der DOSB-Mitgliederversammlung am 6. Dezember 2025 in Frankfurt am Main thematisiert werden. Wie gewichtig sie sind, zeigt die jüngste Sportministerkonferenz der Länder. Bei dieser erging ein Beschluss, in dem der DOSB aufgefordert wird, „alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“, damit der Prozess „zu einer nachvollziehbaren, tragfähigen Entscheidung für das international aussichtsreichste Konzept führt“: Hierfür sei „insbesondere die zeitnahe Festlegung und Veröffentlichung transparenter, objektiver Kriterien zur besten Standortauswahl sowie des geplanten Entscheidungsverfahrens und der Entscheidungsberechtigten im DOSB“ nötig.

Wann und wie entscheidet das IOC?

Auch das ist ungewiss. Seit dem 23. Juni 2025 ist Kirsty Coventry Präsidentin des IOC als Nachfolgerin des Deutschen Thomas Bach. Eine der ersten Amtshandlungen der ehemaligen Sportministerin von Simbabwe war, das bisherige Vergabeverfahren für die Spiele stillzulegen. In diesem konnten Kandidaten bisher im Stillen an das IOC herantreten, um eine Bewerbung zu erörtern. Irgendwann entschied ein kleiner Zirkel dann, mit welchem Bewerber das IOC für eine Olympia-Ausgabe „bevorzugt“ verhandeln wolle. Dies entsprach einer De-facto-Kür, die von den IOC-Mitgliedern auf der Vollversammlung dann nur noch abgenickt wurde.

Dies soll sich künftig ändern. Coventry hat angekündigt, dass eine „überwältigende“ Mehrheit der Mitglieder beim Vergabe-Prozess wieder mehr mitreden will – wie es früher war. In jener Zeit hatte es allerdings auch zahlreiche Bestechungsskandale gegeben.

Wie das IOC künftig entscheiden wird, darüber berät derzeit eine Arbeitsgruppe. Es ist nicht auszuschließen, dass das IOC schon einen Kandidaten für die Sommerspiele 2036 kürt, bevor der deutsche Olympia-Vorentscheid abgeschlossen ist. Vergeben sind die Sommerspiele aktuell bis 2032. Dann finden sie in Brisbane/Australien statt. 2028 ist Los Angeles dran.

Wie geht es in München weiter?

Durch den frühen Entscheid hat die Stadt nun die Möglichkeit, ihre Olympia-Pläne zu schärfen und die Vorbereitungen voranzutreiben. Die Sanierung des Olympiastadions läuft bereits, der Bau eines Tennisstadions auf der Anlage des MTTC Iphitos ist beschlossen. Mit mehr konkreten Entscheidungen ist bis zur DOSB-Festlegung aber nicht zu rechnen.

Ähnliches gilt für die geplanten Infrastrukturmaßnahmen. Der Ausbau der Radschnellwege läuft bereits, für die gewünschte neue U-Bahn-Verbindung mit der Nummer 9 entsteht am Hauptbahnhof ein Tiefbahnhof, für den 500 Millionen Euro bewilligt sind. Bis zu einem Zuschlag dürfte es dort keine intensiveren Planungen geben. Das gleiche gilt für die meisten anderen U-Bahn- und Tram-Projekte, mit denen die Stadt für die Bewerbung geworben hat.

Auch für den Bau von Wohnungen im Münchner Nordosten gibt es schon länger Pläne. Dort soll das Olympisches Dorf entstehen. Etwa 10 000 Wohnungen sollten dort ursprünglich bis in die 2040er-Jahre gebaut werden. Da der Stadt aber für das neue Quartier noch Grundstücke fehlen, hat sie ein besonderes Verfahren eingeleitet und die Preise eingefroren. Eigentümer und zum Beispiel auch die CSU wehren sich gegen dieses Vorgehen. Ob eine erfolgreiche Olympiabewerbung für ein Umdenken sorgt oder das sehr langatmige Verfahren sogar beschleunigt, bleibt abzuwarten.

In den nächsten Monaten dürfte sich der Fokus der Stadtpolitik aber verschieben: Am 8. März 2026 stehen Kommunal- und OB-Wahlen an.

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