Fahrgeschäft auf dem Oktoberfest:Ersatzteil hängt in Post fest: "Zugspitzbahn" steht still

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Fahrgeschäft auf dem Oktoberfest: Hofft darauf, dass die "Zugspitzbahn" bald fahren kann: Schausteller Michael Menzel.

Hofft darauf, dass die "Zugspitzbahn" bald fahren kann: Schausteller Michael Menzel.

(Foto: Robert Haas)

Seit Anfang September wartet Michael Menzel auf ein Paket. Nun ist es da - doch die Freigabe durch den TÜV lässt auf sich warten. Sein Fahrgeschäft steht seit Beginn der Wiesn still.

Von Bernd Kramer

Es ist nur ein kleines Paket, nicht größer als ein Koffer, das seinen Weg nach München zum Oktoberfest nicht gefunden hat - und dem Schausteller Michael Menzel nun ein sattes Minus bescheren könnte. Nach zwei Jahren Pandemiepause hatte sich Menzel eigentlich darauf gefreut, die Wiesn-Besucher in seiner Zugspitzbahn ordentlich durchzuschütteln.

Nur: Das Fahrgeschäft konnte noch nicht öffnen, am Dienstag war es immer noch geschlossen. Alles nur wegen ein paar Teilen, die unterwegs in Paris festhingen. "Ein herber Verlust", sagt Menzel. Er rechnet inzwischen mit einem fünfstelligen Betrag, auf dem er sitzenbleiben könnte. Standgebühren, Personal: Die Kosten liefen schließlich auch ohne Kundschaft weiter.

Die bestellten Ersatzteile waren für die Gondeln der Bahn gedacht. Am 1. September hatte Menzel das Paket in München erwartet, lange genug vor dem Wiesn-Start. Doch dann hieß es vom Zustellunternehmen, die Fracht sei im Lager am Pariser Flughafen nicht mehr auffindbar. "Am 29. August wurde sie zum letzten Mal gesehen", sagt Menzel. Ersatz in Deutschland habe er auf die Schnelle nicht beschaffen können. Die Elemente seien im Ausland für das Fahrgeschäft nach seinen Vorlagen maßangefertigt worden, weil es den ursprünglichen Hersteller der Teile nicht mehr gab - was so passiert, wenn man ein Traditionsfahrgeschäft betreibt, das als eine der ältesten Attraktionen bereits seit 80 Jahren auf dem Oktoberfest präsent ist.

Und so zogen die Besucher vorbei, während Menzel warten musste. Vor ein paar Tagen schließlich die ersehnte Nachricht: Der Paketdienst hat die Fracht gefunden. Was auch immer der Grund ihres plötzlichen Verschwindens gewesen sein mag - Schausteller Menzel ist einfach nur froh, dass die Bauteile zu Beginn der Woche doch noch den Weg zu ihm gefunden haben. "Wir haben sie auch schon eingebaut", sagt er. Er habe die Gondeln ohne Menschen drin über die Schienen geschickt, alles einwandfrei. "Wir sitzen auf glühenden Kohlen, wir wären jetzt startklar."

Warten auf den TÜV-Mitarbeiter, der die Bahn noch abnimmt

Was am Dienstag aber noch fehlte, war der TÜV. Menzel erzählt, er habe den Prüfern alle Unterlagen geschickt, sie auf allen Kanälen zu erreichen versucht, E-Mail, Telefon, SMS, zunächst vergebens. "Die wissen, dass wir bereit sind." Ein Techniker müsse die Bahn noch vor Ort abnehmen, ehe Menzel endlich Tickets an die Fahrgäste verkaufen kann - normalerweise passiert das vor dem Wiesn-Start. Nun hofft Menzel, dass möglichst schnell ein TÜV-Mitarbeiter vorbeikommt.

Die Zeit jedenfalls rennt dem Schausteller davon, wenn der Verlust am Ende zumindest nicht ganz so groß ausfallen soll. "Zwei von drei Wochenenden sind jetzt weg. Gott sei Dank gibt es am Montag noch den Feiertag." Nach dem Fest, wenn er das Minus beziffern kann, wolle er eventuell noch mal mit der Stadt reden, ob sie ihm bei den Standgebühren etwas entgegenkommen kann.

Bei einem Punkt sei der Veranstalter bereits kulant gewesen: Obwohl sie nicht fuhr und tagelange Ungewissheit herrschte, musste Menzel seine Bahn immerhin nicht abbauen.

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