Wie gewonnen, so zerronnen – dieses Sprichwort beschreibt wohl am besten, was Oliver Wendel widerfahren ist. Der Chef vom Augustiner am Platzl hatte im vergangenen Jahr übers ganze Gesicht gestrahlt, als er als Wirt des „Café Theres“ zum ersten Mal auf dem Oktoberfest auftrat. Doch nun ist das schon wieder vorbei. In diesem Jahr wird die Wiesn ohne Wendel auskommen müssen. Was ist geschehen?
Der Gastronom erzählt davon im obersten Stock seines Wirtshauses am Platzl, mitten in München. Der Raum gehört zur Wirtswohnung, die Wendel als Besprechungsraum oder auch als „Atelier“ für ganz spezielle Kochevents in ausgesuchter Runde nutzt. Damals, vor einem Jahr, sei er von dem Münchner Unternehmer und Pfanni-Erben Werner Eckart gefragt worden, ob er in die Geschäftsführung des ältesten Cafézeltes auf dem Oktoberfest einsteigen wolle. „Klar war das etwas Besonderes“, sagt er. Deshalb habe er zugesagt.
Es sei auch alles super gelaufen, viele Lieferanten hätten es begrüßt, in ihm einen erfahrenen Ansprechpartner zu haben. Wendel kommt ursprünglich aus dem Hotelgewerbe, hat aber viele Jahre Events organisiert und veranstaltet. Er weiß also, was Catering und Co. bedeuten. Und im Café Theres wird noch alles vor Ort in einer eigenen Konditorei und Backstube frisch produziert. Auch das bedarf einer gewissen Logistik. „Ich hätte auch gern weitergemacht“, sagt er.


Doch Werner Eckart entschied in diesem Jahr neu: Er will nun seine Tochter Lena, 22 Jahre alt und Jurastudentin, als neue Geschäftsführerin und Wirtin des Café Theres mit seinen 420 Plätzen etablieren. Später sollen auch noch seine beiden anderen Töchter Nina und Maja mit einsteigen.
Seit 1950 ist das Zelt in Familienbesitz – derzeit von Katharina Wiemes, die es in dritter Generation betreibt. Die 64-Jährige hatte zunächst keine Nachfolger gefunden und sich daher nach jemanden umgesehen, der ihr das Zelt in den kommenden Jahren abkauft. 2022 wurde sie in dem Unternehmer Eckart fündig, der seither zu 50 Prozent als Teilhaber fungiert. In fünf Jahren, sagt sie, solle der eigentliche Verkauf über die Bühne gehen. Bis dahin bleibe sie Eigentümerin und Festwirtin – neuerdings zusammen mit Lena Eckart. Wiemes selbst will ihrem Geschäftspartner von Anfang an dazu geraten haben, schon sehr früh seine Töchter zu platzieren, „damit es ein Familienbetrieb bleibt.“
„Ich habe das anfangs nicht glauben wollen, mich nun aber eines Besseren belehren lassen“, sagt Eckart dazu. Wohl deshalb gab es vor Wendel bereits noch einen anderen Geschäftsführer: Josef Sperl vom Ayinger am Rotkreuzplatz fungierte neben Wiemes 2023 und 2024 als Wirt im Café Theres. Dass es keine zukunftsweisende Lösung ist, immer Geschäftsführer mit Gewinnbeteiligung, aber ohne eigenes Investment einzusetzen, will Eckart jetzt verstanden haben.

Er selbst arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten daran, das neun Hektar große ehemalige Pfanni-Werksgelände nahe dem Ostbahnhof in ein lebendiges Stadtquartier zu verwandeln, mit jeder Menge Gastronomie, die er teils selbst betreibt und teils verpachtet hat. Seine Töchter, so erzählt er, bringen sich dort bereits seit Jahren ein. Sie seien zwar jung, aber nicht „unerfahren“. Zudem könnten sich alle drei auf das Netzwerk verlassen, das durch das Werksviertel entstanden sei.
Wie es aber ist, ein Wiesnzelt zu betreiben, sollen sie nun von Katharina Wiemes lernen. Diese freut sich darauf: „Es beruhigt mich sehr zu wissen, dass es nun so weitergeht, wie ich es mir gewünscht habe.“ Denn ein Familienbetrieb sei wohl auch im Sinne der Stadt, meint sie. Diese allerdings muss ihre gemeinsame Bewerbung mit Lena Eckart noch akzeptieren: „Ich hoffe, dass das funktioniert - und sich Lena die Punkte als Beschickerin verdienen kann.“ Die Vergabe von Zelten erfolgt nach einem strengen Punktesystem, zu dem die Einhaltung der Betriebsvorschriften in der Vergangenheit ebenso gehört wie einschlägige Erfahrung oder Umweltbewusstsein.
Unterdessen nimmt Oliver Wendel sein Aus auf dem Oktoberfest gelassen: „Ich habe ein wunderbares Wirtshaus, was schon sehr lange mein Traum war. Was will ich mehr?“ Vielleicht doch nochmal auf die Wiesn? „Mal schauen, was noch kommt.“ Werner Eckart jedenfalls wünscht ihm ein größeres Zelt, eines mit mehr Fokus auf Bier: „Er hätte es verdient – und kann das auch.“

