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Oktoberfest:Für die Wiesn ist es nie zu früh

Bayern Tower und Riesenrad auf dem Münchner Oktoberfest, 2019

Eigentlich ist nie wiesnfrei in München.

(Foto: Florian Peljak)

Schokonikoläuse gibt es schon im August, Osterhasen ab Weihnachten - und auch das Oktoberfest beginnt eigentlich bereits im Januar.

Alle Jahre wieder regen wir Münchner uns von Neuem über altbekannte Phänomene auf: dass etwa im August schon die ersten Schokonikoläuse in den Supermarktregalen stehen und in der Adventszeit von den ersten Schokoosterhasen abgelöst werden. Worüber sich aber kein Mensch den Mund zerreißt, das ist merkwürdigerweise das irgendwie doch sehr verfrühte Oktoberfest-Vorspiel. Wohlan: Einer muss es ja tun!

Die Rede ist nicht davon, dass das Oktoberfest schon im September beginnt, ja überhaupt größtenteils im September stattfindet. Diese Klage wäre läppisch, verglichen mit Nikoläusen und Osterhasen. Nein, die Wiesn beginnt eigentlich schon jetzt. Bis Silvester haben die Wirte, Schausteller und Standlbetreiber ihre Bewerbung abgeben müssen. Auf den Internetseiten der Zelte kann man längst Tische vorbestellen (falls überhaupt noch welche frei sind). Unter Vorbehalt, versteht sich, denn der furchtbar langsame Stadtrat hat ja auch noch etwas mitzureden und tut das erst gegen Mai. Schließlich könnte es ja sein, dass er sagt: "Heuer stellen wir mal keine Bierzelte auf!"

Immerhin weiß man sicher: Die Wiesn wird voraussichtlich stattfinden, denn für den Plakatwettbewerb läuft derzeit schon die Online-Publikumswahl. Am 31. Januar wird dann die Jury-Entscheidung verkündet. Tags zuvor hat im Volkstheater ein Stück der Wiener Künstlerin und Autorin Stefanie Sargnagel Premiere. Es heißt "Am Wiesnrand" und spielt laut Ankündigung "zwischen Riesenrad und Kotzhügel", also auf dem Oktoberfest. Wie man hört, will da selbst das Landgericht nicht zurückstehen und noch schnell einen gschmackigen Skandalprozess zur Wiesn eröffnen. Allerhöchste Zeit also, Lederhosen und Dirndlblusen aufzubügeln, mit der Hendldiät zu beginnen und sich noch einmal über das Schleiferl-Orakel kundig zu machen. An diesem Freitag sind es nämlich nur noch 245 Tage bis zum Anstich.

© SZ vom 17.01.2020/vewo
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