Oktoberfest 2022:Hemmungslos maskenlos

Lesezeit: 1 min

Masken und Abstand musste man auch im Saarland suchen - genau wie beim großen Vorbild. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Am ersten Oktoberfest-Wochenende zeigt sich: Ein bisschen Wiesn feiern - das klappt nicht. Auch Politiker führen das vor.

Kommentar von René Hofmann

Das Oktoberfest hat begonnen und vieles lässt sich nach dem ersten Wochenende noch nicht mit Sicherheit beantworten: Wie groß der Bierdurst nach drei Jahren Pause ausfällt etwa, wie sehr die mäßige Wettervorhersage für die nächsten Tage den Ansturm womöglich dämpfen wird oder wie viele Gäste aus dem Ausland wirklich den Weg zur Theresienwiese finden werden. Eines aber wurde schon in den ersten Stunden nach dem Anstich deutlich: Ein bisschen Wiesn feiern - das klappt nicht. Sich ins Getümmel zu stürzen, das bedeutet in diesem Jahr: Die Vernunft für ein paar Stunden aufgeben. Ganz oder gar nicht.

Mund-Nase-Bedeckungen waren auf dem Festgelände zum Auftakt absolute Ausnahmen. Wer eine trug, musste sich vorkommen wie ein Alien: von einem anderen Planeten abgestürzt in eine völlig fremde Welt. In der U-Bahn lag die Maskenquote in den Stunden vor dem Anstich noch bei gefühlten 50 Prozent, spätestens in der Warteschlange zum Einlass aber streifen die allermeisten die Schutzbedeckungen ab wie dort gedankenlos auch die Flaschen mit dem Alkohol zum Vorglühen abgeworfen werden.

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Die Bilder sind jetzt in der Welt, wo sie ihre Wirkung entfalten

Dass an den Tischen kaum jemand Mund und Nase bedeckt halten würde, war abzusehen gewesen. Dass es im Gedränge in den Gängen und den Warteschlangen so hemmungslos maskenlos zugehen würde, das überraschte dann aber doch. Und auch, dass dies keineswegs nur fürs Volk galt, sondern auch für die Volksvertreter. Egal ob von Bundes-, Landes- oder Lokalebene: von den Politikerinnen und Politikern, die sich zum vielbeachteten Auftakt zeigten, erweckte kaum jemand den Eindruck, überhaupt eine Maske dabei zu haben. Statt dem Bemühen, wenigstes ein Fitzelchen Mindestabstand zu wahren, suchten die meisten die Nähe - zueinander und zur feiernden Menge.

Bussibussi und Prost! Von dem bunten Getümmel entstanden viele Bilder, die sich - auch in den sozialen Medien - schnell verbreiteten. Dass der eine oder die andere hinter vorgehaltener Hand gestand, so gänzlich wohlig seien die Wiesn-Gefühle diesmal nicht, half da auch wenig: Die Bilder sind jetzt in der Welt, wo sie ihre Wirkung entfalten. Vorbildlich ist diese nicht.

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