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Online-Voting:Oans, zwoa, abgstimmt

Die Stadt lässt über das Oktoberfestplakat abstimmen - ob die Wiesn dieses Jahr stattfindet, ist allerdings noch nicht sicher.

Von Laura Kaufmann

Über einen Anflug von normalem Münchenwahnsinn kann man nur dankbar sein. Und so ist es eine erfreuliche Nachricht, dass die Stadt wie gewohnt Anfang des Jahres zum Abstimmen über das Oktoberfestplakat lädt.

Ob das Fest dieses Jahr tatsächlich stattfinden kann, darüber mag heute noch niemand spekulieren. Der Grafiker des letzten Entwurfes, Ulrich Peter, hatte mit seiner nostalgischen Wiesnbreze schlicht Pech. Zwar bekam er das Preisgeld von 2500 Euro plus 5000 Euro für die Nutzung des Motivs, für ein tatsächlich stattfindendes Fest aber konnte sein Motiv nicht werben. Das fand Peter schade, freute sich aber trotzdem über den Werbeeffekt für sein Schaffen. Und wer gestaltet schon ein Plakat für eine Wiesn, die historischerweise nicht stattfindet?

Der Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs hoffentlich nicht. 164 Motiv-Einsendungen gab es, von denen nun 47 auf oktoberfest.de/plakat bis zum 20. Januar zur Auswahl stehen; die übrigen disqualifizierten sich durch Formfehler. Im vergangenen Jahr waren es noch 207 Einsendungen, von denen es 68 in die Auswahl schafften. Es ist natürlich nicht weiter verwunderlich, dass manche Grafiker in diesem Jahr lieber aussetzen und sich die Arbeit für ein anderes Jahr sparen, in dem es sicher sowohl ein Preisgeld gibt als auch das Glücksgefühl, den Entwurf Tausende Male in der Stadt plakatiert zu sehen. Trotz allem sind die 47 Entwürfe, die zur Wahl stehen, teils sehr aufwendig gestaltet. Von scheinbar handgezeichneten oder mit Aquarellfarben kolorierten Motiven bis zu minimalistischen und grafischen, von solchen im nostalgischem Retrolook, wie auch der letztjährige Gewinner eines war, bis zu abstrahierten Masskrügen und Brezn ist alles dabei.

Die beliebtesten 30 Motive werden an die Oktoberfestplakat-Jury weitergeleitet. Ein Gremium aus Wirten und Schaustellern, Stadträten und Designexperten kürt schließlich das Siegermotiv. Nur 17 Entwürfe werden durch das Online-Voting aussortiert, kein großer Einfluss, aber immerhin gibt es für ein paar Klicks Wiesntische im Schottenhamel-Festzelt zu gewinnen. Falls es die Tische in diesem Jahr geben wird. Die Gewinner vom vorigen Jahr, versichert das Referat für Arbeit und Wirtschaft, hätten aber nicht einfach Pech gehabt, sondern kämen bei der nächsten stattfindenden Wiesn zum Zuge. Ebenso verhält es sich für die diesjährigen Gewinner, sollte das Fest auch 2021 abgesagt werden müssen. Aber daran will jetzt noch niemand denken. Noch stehen alle Zeichen auf "The show must go on"; komme, was wolle.

© SZ vom 12.01.2021
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