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Organisierte Kriminalität:Mafia-Treffen auf der Wiesn

A general view shows the festival ground during the opening day of the 185th Oktoberfest in Munich

Das Oktoberfest in München - hier trafen sich laut Ermittler zahlreiche Mafiosi.

(Foto: REUTERS)

Nach einem Oktoberfestbesuch der 'Ndrangheta nehmen Ermittler die Mafiosi ins Visier - und stoßen auf ein Netzwerk mit Ablegern in Deutschland. Nun kam es zu 33 Haftbefehlen und Durchsuchungen an mehr als 80 Orten.

Von Francesca Polistina

Ein Treffen von Mitgliedern der 'Ndrangheta auf dem Oktoberfest 2017 ist offenbar der Auslöser gewesen für grenzübergreifende Ermittlungen, die schließlich zur Aufdeckung eines Mafia-Netzwerks mit Ablegern in Deutschland führten. Das berichtete die Staatsanwaltschaft Turin am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Demnach waren unter anderem die Staatsanwaltschaft Konstanz und das Polizeipräsidium Ravensburg in die Ermittlungen eingebunden.

Für die kalabrische 'Ndrangheta, eine der mächtigsten Mafia-Organisationen weltweit, ist das ein Schlag: Etwa 800 Polizisten und Steuerfahnder aus Deutschland und Italien sind jahrelang den Spuren der Mafiosi gefolgt. Am Mittwoch wurden 33 Haftbefehle erlassen und Durchsuchungen an mehr als 80 Orten durchgeführt.

Im Fokus der "Operation Platinum" stand zunächst eine Gruppierung aus der Metropolregion Turin. Entscheidend für die Ermittlungen war aber auch das Wiesn-Treffen: Die Polizei konnte dabei Telefongespräche der mutmaßlichen Angehörigen der Organisierten Kriminalität abhören, aus denen sich Hinweise auf die Existenz eines 'Ndrangheta-Netzwerkes jenseits der italienischen Grenzen ergaben. Demnach koordinierten Mitglieder der 'Ndrangheta vom Bodensee aus über Staatsgrenzen hinweg unter anderem Geschäfte mit Drogen und Steuerbetrug in großem Stil.

Das Oktoberfest mag auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Ort für ein Treffen der Mafia sein. Möglicherweise hatten die Teilnehmer die Wiesn aber gerade deshalb gewählt. In der Masse von Tausenden Besuchern kann man schwer beobachtet und im Lärm der Buden und Bierzelte auch nur schwer abgehört werden. Zudem ist die 'Ndrangheta dafür bekannt, dass ihre Mitglieder großen Wert darauf legen, die Fassade eines bürgerlichen Lebens aufrecht zu erhalten, um nicht aufzufallen. Sie nutzen die gleichen Sozialen Netzwerke, folgen den gleichen Trends, besuchen die gleichen Events. Zumindest bei der Wiesn vor vier Jahren hat ihnen das offenbar nicht genutzt.

© SZ vom 07.05.2021/van
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