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Corona-Pandemie:Masskrugzuzeln auf der Wiesn

Wackelt die Wiesn wegen Corona? Für Entscheidung ´noch zu früh"

Wiesnbesucher feiern im Hofbräuzelt auf dem Oktoberfest. Ist das in diesem Jahr möglich?

(Foto: dpa)

Im Alltag ist es schon schwierig mit dem social distancing - wie man sich das wohl auf dem Oktoberfest vorstellen muss? Anstoßen mit Mundschutz, Hendl to go? Dann bleibt man doch lieber auf dem eigenen Balkon.

Wie witzlos die Gegenwart gerade ist, zeigen auch all die im Grunde tieftraurigen Spaßvideos und Bildchen, mit denen man von Bekannten zugemüllt wird, die einen irgendwann ins Adressbuch gebannt haben. Weil sich diese Filmchen und Cartoons rasend schnell über die Welt verbreiten, vereinzelt Übelkeit verursachen und in allen Fällen schwer auf die Nerven gehen, dürfte inzwischen auch der Letzte kapiert haben, was das Wörtchen "viral" in diesem Zusammenhang bedeutet. Und aus all den flachen Witzeleien über verirrte Klopapier- und Nudelkäufer lässt sich eh nur Eines schließen: Zum Tier des Jahres schaffen es heuer garantiert weder Zwerg- noch Feld-, noch Goldhamster.

Das Handy stummzuschalten, sich auf den sonnigen Home-Office-Balkon zu setzen und mit geschlossenen Augen von besseren Zeiten zu träumen, fällt aktuell aber auch nicht wirklich leicht. Denn ob und wann man mal wieder offiziell oder zumindest ruhigen Gewissens in einen Biergarten, ein Fußballstadion oder im Herbst gar auf die Wiesn gehen darf, ist momentan offen. In nächster Zukunft ist alles, was Spaß macht, abgesagt. Was das Oktoberfest angeht, will sich die Stadt die Option, es heuer stattfinden zu lassen, aber noch ein Weilchen offen halten, hängt schließlich ein Haufen Geld an der Gaudi.

Aber wie soll das gehen, wenn's gut gehen soll? Ganz verschwunden wird diese alles lähmende Seuche namens Covid-19 wohl auch im Herbst nicht sein. So bleibt einem nichts anderes übrig, als sich auszumalen, wie social distancing bei solchen Veranstaltungen wohl aussehen würde, gerade bei der Wiesn sind da viele Fragen offen.

Sollen Besucher ihre Mass künftig mit dem Strohhalm durch einen Mundschutz zuzeln, das Hendl lieber "to go" kaufen und daheim abfieseln? Gibt es künftig riesige Toilettenzelte, wo die Frauen, aufgereiht wie am Check-in-Schalter eines Flughafens, in endlosen Warteschlangen und die Männer an baumlangen XXL-Pinkelrinnen sauber anderthalb Meter Abstand halten können, um Tröpfcheninfektionen beim Wasserlassen zu vermeiden? Wer kontrolliert die Abstandsregel auf dem Kotzhügel? Gilt für alle Fahrgeschäfte Kreischverbot zwecks Minimierung der Atem-Emission? Wird man künftig Verwandtschaft und einen gemeinsamen Haushalt nachweisen müssen, wenn man am Biertisch zusammen der Kelly Family lauschen möchte, der einzigen noch zugelassenen Wiesn-Kapelle?

Dies alles, vor allem Letzteres, will man eigentlich nicht erleben. Und man will sich auch gar nicht vorstellen, wie dem sonst so spitzzüngigen Wiggerl Kugler am Teufelsrad künftig die Spucke wegbleibt, weil man es nur noch alleine betreten darf, und wie der Schichtl-Scharfrichter Ringo beim "Köpfen" eine FFP3-Maske trägt. Auch das wären Szenen für Videos, wie sie derzeit zu Millionen per Whatsapp verbreitet werden - kurios, aber eher zum Heulen. Dann lieber gleich zu Hause auf dem Balkon feiern und zusammen mit den Nachbarn "Bella Ciao" singen. Für eine Wiesn dahoam gibt es auch Jogginghosen im Trachtenlook.

© SZ vom 09.04.2020/kafe

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Von Franz Kotteder

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