Oktoberfest:Ein Funknetz der Gemütlichkeit

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Oktoberfest: Hunderte temporäre Antennenelemente wurden auf der Theresienwiese und in ihrem Umfeld aufgestellt, auch vor dem Riesenrad.

Hunderte temporäre Antennenelemente wurden auf der Theresienwiese und in ihrem Umfeld aufgestellt, auch vor dem Riesenrad.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Für das Oktoberfest betreiben die Mobilfunk-Konzerne einen Aufwand, als müssten sie eine mittelgroße Stadt versorgen. Grund dafür ist ein Nutzungsverhalten, das es so nur auf der Wiesn gibt.

Wenn nach langer Pause wieder das Oktoberfest gefeiert wird, können Besucher ihre Bilder, Nachrichten und Videos von dort erstmals im schnelleren 5-G-Standard verschicken. Die großen Mobilfunkanbieter haben sich mit zahlreichen Antennen und Masten vorbereitet und erwarten ein Rekord-Datenvolumen. O2 prognostiziert gar einen "riesigen Datendurst". Um ihm zu begegnen, haben die Anbieter Hunderte temporäre Antennenelemente auf der Theresienwiese und in ihrem Umfeld installiert.

Vodafone hat mit der Frühplanung bereits im März begonnen. "Der technische Aufwand ist gewaltig. Auf eine eher kleine Fläche bringen wir das Maximum an Kapazität", sagt Technik-Chefin Tanja Richter. "Nur so lässt sich der tägliche Datenfluss von mehreren Terabyte bewältigen." Bei O2 Telefonica spricht man von einem "echten Härtetest" für das Netz, weil sich viele Menschen auf engstem Raum bewegen. "Damit beim zu erwartenden Datendurst niemand auf dem Trockenen sitzt" habe man sich "mächtig ins Zeug gelegt". Zusätzliche Mobilfunkstandorte stehen - wie bei anderen Anbietern - nicht nur außerhalb, sondern zum Teil auch im Inneren der Zelte. Laut Telekom ließe sich mit dem Netz, das der Konzern für das Oktoberfest aufbaut, auch eine mittelgroße Stadt wie Kassel versorgen. Allein über ihren größten Masten auf der Theresienwiese ließen sich rund 12 000 Besucher mit Mobilfunk versorgen.

Vor allem werden deutlich mehr Daten erwartet: O2 hält ein Volumen von 250 Terabyte für möglich - nach 87 Terabyte im Jahr 2019 wäre das beinahe eine Verdreifachung. Vodafone ist mit einer erwarteten Verdoppelung der 70 Terabyte des Jahres 2019 in der Prognose etwas zurückhaltender. Bei der Telekom heißt es lediglich, man rechne mit einem Anstieg des Datenvolumens. "Um wie viel höher es sein wird, hängt von vielen Punkten ab, wie zum Beispiel dem Wetter, der Infektionslage, Besucheranzahl." Als Treiber für das wachsende Datenvolumen sieht man bei der Telekom vor allem die Nutzung von Videos und Fotos für die Social-Media-Kanäle und den Austausch mit Freunden und Familien. O2 nennt unter anderem Messaging-Dienste, Streaming und Videoproduktion. So lösten bei Instagram Videos und bewegte Stories Fotos ab. Auch Laien produzierten Videos in 4K-Qualität oder hochauflösende Fotos.

Auf dem Oktoberfest gibt es eine datentechnische Besonderheit im Vergleich zur alltäglichen Netznutzung. Denn während laut Telekom normalerweise etwa neunmal so viele Daten herunter- wie hochgeladen werden, gibt es bei der Großveranstaltung doppelt so viele hochgeladene Daten wie heruntergeladene - Selfie und Livestreaming sei Dank.

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