MeinungKonsequenzen aus der Wiesn-SperrungNach dem gefährlichen Chaos auf dem Oktoberfest darf es kein Weiter-so geben

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Kommentar von René Hofmann

Lesezeit: 2 Min.

Gut 300 000 Menschen drängten sich am Samstagnachmittag gleichzeitig auf dem Oktoberfest.
Gut 300 000 Menschen drängten sich am Samstagnachmittag gleichzeitig auf dem Oktoberfest. Peter Kneffel/dpa

Seit Jahren fürchtet die Stadt Angriffe von außen auf das größte Volksfest der Welt. Nun zeigt sich, die Bedrohung kann auch aus seinem Innersten kommen. Was, wenn dort eine Massenpanik ausbricht?

München hat am Wochenende Glück gehabt. Die zeitweise Sperrung des Oktoberfestgeländes wegen des überbordenden Andrangs war alles andere als eine Kleinigkeit. Es bestand eine konkrete Gefahr, unter ungünstigeren Umständen hätte eine fatale Falle entstehen können.

Die offiziellen Stellungnahmen sind beschwichtigend. Von einem „kurzen Moment der Panik“ ist die Rede, der Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) bemüht den Vergleich eines Sommergewitters, das unerwartet aufgezogen sei, sich dann aber auch schnell wieder verzogen habe. Derlei ist verständlich: Den Verantwortlichen geht es darum, ihr Fest – Münchens weltweite bekannte Wiedererkennungsmarke – zu schützen. Intern werden die Debatten aber hoffentlich ehrlicher geführt. Denn ein einfaches Weiter-so, weil es ist ja nichts passiert, wäre falsch. Weil es gefährlich wäre.

Auch die Blitze eines Sommergewitters können tödlich sein. Und zu den Besonderheiten von Massenpaniken gehört, dass diese binnen eines Augenblicks losbrechen können. Es reicht, dass Menschen sich in Gefahr fühlen.

Dieser mittlere Wiesn-Samstag bedeutet auf mehreren Ebenen eine Zäsur: In den vergangenen Jahren war immer wieder von äußeren Bedrohungen die Rede. Aus Angst vor Terror-Anschlägen und Messerattacken wurden die Zäune ums Festgelände immer massiver und die Eingangskontrollen immer engmaschiger. Nun zeigt sich: Eine Gefahr für das Fest kann auch von seinem Innersten ausgehen. Von der schieren Masse an Menschen, die es anlockt. Es ist notwendig, darauf zu reagieren.

Das bedeutet nicht nur, das Sicherheitskonzept zu überprüfen und es nachzujustieren. Es bedeutet auch, den Wachstumseifer zu hinterfragen: das Zelebrieren von Rekorden, das Werben auf allen möglichen Kanälen. Es bedeutet, die Erkenntnis zuzulassen, dass die Wiesn nicht ins Unendliche steigerbar ist.

Das Oktoberfest ist ein Volksfest. Jeder soll willkommen sein. Aber der Platz im Herzen der Stadt ist begrenzt. Das Festgelände auf der Theresienwiese ist nicht beliebig erweiterbar. Mehr Raum für Gäste zu schaffen, bedeutet, diesen Schaustellern und Wirten wegzunehmen. Will man das?

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Diese Frage zu diskutieren, gehört zu einer seriösen Aufarbeitung der Vorkommnisse. Das Fest wird von der Stadt München veranstaltet, die politische Verantwortung liegt beim Stadtrat. Daran, wie ernsthaft er sich der Sache im Nachgang annimmt, müssen sich Politikerinnen und Politiker aller Parteien messen lassen.

Langfristig wäre ein Ampelsystem denkbar, das den Menschen, die aufs Fest strömen, früh anzeigt, was sie dort erwartet, und die Besucherströme klug lenkt. Denn das Abschotten des Areals verschiebt das Mengen-Problem ja nur: nach draußen, in weniger gut kontrollierte Bereiche.

Kurzfristig sind die Festleitung und die Sicherheitsbehörden gefragt. Sie sollten ergründen, wie es zu der offenkundig schlechten Kommunikation kam, die die Lage tendenziell verschärfte, und Vorkehrungen treffen, dass derlei sich nicht wiederholt. Außerdem sollten sie abwägen, ob es nicht besser wäre, künftig früher den Zustrom zu begrenzen. Die Konstellation, dass der Tag der Deutschen Einheit dieses Mal unmittelbar vor den Abschluss-Samstag fällt und fürs Finale überwiegend gutes Wetter angesagt ist, macht dies dringlich.

Das Oktoberfest ist aus vielen Gründen beliebt. Weil es dort so bunt und ausgelassen zugeht, darf eines aber nicht aus dem Blick geraten: Die Voraussetzung für den großen Spaß ist das Gefühl, dort sicher zu sein.

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