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Öffentlicher Nahverkehr:Vorübergehende Einigung im Tarifstreit

In München ist im Nahverkehr zuletzt mehrmals gestreikt worden, hier Anfang Oktober. Nun ist der Tarifstreit beigelegt - vorerst.

In München gab es zuletzt mehrere Streiks im Nahverkehr. Nun ist der Tarifstreit beigelegt - vorerst.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Die Übergangslösung beinhaltet unter anderem eine Corona-Sonderzahlung. Die MVG zeigt sich in einem Verhandlungspunkt von den Gewerkschaften erstaunt.

Von Andreas Schubert

Der Tarifstreit im öffentlichen Nahverkehr ist vorläufig beigelegt. Gewerkschaften und Arbeitgeber haben sich in zwei Punkten verständigt: auf eine Corona-Sonderzahlung zwischen 350 und 700 Euro sowie 225 Euro für Auszubildende. Dazu bekommen die Beschäftigten eine finanzielle Entlastung beim Zusatzurlaub. Wer fünf freie Extra-Tage nimmt, verzichtet künftig auf 2,25 statt bisher 2,5 Prozent Gehalt. Die Einigung, die noch bis zum 16. November widerrufen werden kann, ist eine Übergangslösung, die auch für den Haustarif der MVG angestrebt wird. Vom 30. April 2021 an wird neu verhandelt.

Bei den Verhandlungen hatten die Arbeitgeber den Gewerkschaften neben der attraktiveren Gestaltung der zusätzlichen Entlastungstage die Übernahme des Tarifabschlusses des öffentlichen Dienstes mit einer Laufzeit bis Ende 2022 vorgeschlagen. Im Falle einer Laufzeit bis Ende 2023 hatten die Arbeitgeber zudem unter anderem einen Ausbau der bereits 2018 geschaffenen Möglichkeit von fünf Entlastungstagen um vier zusätzliche freie Tage angeboten, wie die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mitteilt.

Die Beschäftigten sollten ein Wahlrecht zwischen diesen vier weiteren Urlaubstagen und einer Entgelterhöhung um 1,8 Prozent für das Jahr 2023 erhalten. Alternativ hätten langjährige Mitarbeiter einen bezahlten Entlastungstag in Anspruch nehmen können. Damit wären im Schichtdienst in Einzelfällen insgesamt mehr als 45 freie Tage im Jahr möglich gewesen. Beide Optionen wurden von den Gewerkschaften abgelehnt. Verdi fordert unter anderem eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 35 Stunden für alle, ohne anteilige Reduzierung der Entgelttabelle, Wege- und Umkleidezeiten als bezahlte Arbeitszeiten, höhere Zuschläge sowie die Eingruppierung von Fahrpersonal in höhere Entgeltstufen.

Die MVG findet es nach eigenen Worten "erstaunlich", dass die Gewerkschaften ein Angebot ausschlagen, das in einigen Punkten über den Abschluss im öffentlichen Dienst hinausgehe. "Es bleibt zu hoffen, dass unsere Verhandlungspartner den Ernst der Situation doch noch erkennen und ihrer Verantwortung im Interesse der Beschäftigten gerecht werden", so MVG-Chef Ingo Wortmann. Die Kassen im ÖPNV blieben infolge der Corona-Pandemie auch noch in absehbarer Zeit leer. "Wer die Augen vor der Realität verschließt, vergrößert die Krise im ÖPNV anstatt einen Beitrag für die Rettung unserer Branche und die Sicherheit der Arbeitsplätze zu leisten", so Wortmann. Die MVG rechnet wegen der Corona-Krise für das Jahr 2020 mit Einnahmeverlusten von bis zu 175 Millionen Euro, womöglich sogar mehr. Trotz des Rettungsschirms des Bundes, der für 90 Prozent der Verluste aufkommt, fehlt der MVG voraussichtlich ein zweistelliger Millionenbetrag.

© SZ vom 11.11.2020/wean/van
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