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Oberwiesenfeld:Protest gegen 99-Meter-Turm

OPES Campus

Bauen auch in die Fläche: das geplante Ensemble auf dem Knorr-Bremse-Areal.

(Foto: Henning Larsen GmbH/oh)
  • Auf dem Areal von Knorr-Bremse soll ein 99 Meter hoher Büroturm gebaut werden.
  • Im Juli hat der Stadtrat ersten Plänen bereits zugestimmt.
  • Die Nachbarn aus dem Olympiadorf sind allerdings auf die Pläne nicht gut zu sprechen.

Den neusten Streifen aus der Reihe "Münchner Hochhauskampf" gab es am Montag im Olympiadorf zu sehen. Der Kinosaal im Forum 2 war gut gefüllt, denn in der Hauptrolle war der geplante Büroturm an der Moosacher Straße zu sehen. Kein neuer Protagonist, aber einer, dessen Rolle in dieser Serie immer größer wird. Von den roten Plüschsesseln aus können ihn die Zuschauer an diesem Abend von seiner besten Seite sehen: als Upshot am Horizont hinter spielenden Kindern oder als Fotomontage, welche das 24 Stockwerke hohe Gebäude in Münchens Stadtpanorama zeigt.

Das Publikum ist aufgeregt, noch bevor das erste Bild auf der Leinwand erscheint. Denn alle wissen, dass die Fiktion in drei bis vier Jahren Wirklichkeit werden soll: Der Büroturm wird auf dem Areal von Knorr-Bremse gebaut. Als großer Bruder des 2018 fertiggestellten sogenannten Mo82-Turms, direkt am Ausgang der U-Bahn-Haltestelle Oberwiesenfeld, vor dem historischen Knorr-Gebäude des Bremsenherstellers. Im Juli hat der Stadtrat ersten Plänen bereits zugestimmt.

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Dass die Olympiadörfler ihrem künftigen Nachbarn nicht sehr wohlgesonnen sind, hört man schon am Tonfall. Trotz des Kino-Ambientes wird der Diskussionsabend mit dem Investor zum Streitgespräch. Eingeladen hat die Einwohner-Interessen-Gemeinschaft (EIG) aus dem Olympischen Dorf, die Moderation leitet kenntnisreich die ehemalige Stadträtin Constanze Lindner-Schädlich (SPD). Sie sitzt vor der Leinwand, wird vom Beamer angestrahlt und hat zwei Herren von der Opes Immobilien zu ihrer Linken. Die entwickeln das Areal östlich der Straße Am Oberwiesenfeld für einen der wohlhabendsten Männer in Deutschland: Knorr-Bremse-Hauptaktionär Heinz Hermann Thiele.

Bei der aufgebrachten Stimmung im Saal hilft es wenig, dass schon die Höhe des neuen Büroturms zur Beschwichtigung dienen soll: Symbolische 99 Meter hoch soll er werden - einen Meter niedriger als die Obergrenze, für die sich die Münchner vor 15 Jahren in einem Bürgerentscheid ausgesprochen haben. Zwar wird an dieser Marke bereits an vielen Orten in der Stadt gerüttelt, doch bei der Opes gibt man sich bürgernah.

Das Bürohochhaus ist nur der sichtbarste Teil eines neuen Quartiers, das sich grob auf eine Formel bringen lässt: zur Hälfte Büros, zur Hälfte Wohnen und soziale Infrastruktur. Es ähnelt dem benachbarten Areal im Westen. Geplant sind neben 500 Wohnungen auch Kitas, Studentenwohnungen, ein Pflegeheim mit etwa 130 Plätzen und ein öffentlicher Park. "Wohnen von der Kinderkrippe bis zum Pflegeheim", schwärmt Jürgen Büllesbach von der Opes. Für den niedrigeren Bau entlang der Moosacher Straße, Opes-Campus genannt, könne man sich sogar Holzbauweise vorstellen.

All das wird von den rund 120 Besuchern allenfalls zur Kenntnis genommen. Sie treibt das Hochhaus um, nicht zuletzt aus ästhetischen Gründen. Denn sie fühlen sich an den Mo82-Turm erinnert, auf den einige der Anwohner aus ihren Küchenfenstern schauen. "Das Hotelgebäude ist abgrundtief hässlich! Es ist furchtbar, langweilig und scheußlich", ruft eine Anwohnerin. Sie fordert einen mutigen Entwurf, etwas Außergewöhnliches, wie den Vierzylinder von BMW. Bei anderen Bürgern ist die Angst grundsätzlicher: "Wir wollen nicht, dass der ganze Münchner Norden mit Hochhäusern zugepflastert wird", sagt eine andere Anwohnerin.

Auf Investorenseite wolle man bei der Außenwirkung keinerlei Abstriche machen, sagt Büllesbach: "Der Bauherr will, dass Leute an dem Hochhaus vorbeifahren und sagen: Das hat Herr Thiele gebaut! Er wird darauf achten, dass das Gebäude positiv an seine Person erinnert." Thiele sei sehr ambitioniert und mit dem bisherigen Entwurf noch nicht zufrieden. "Wenn wir hoch bauen, dann werden wir auch ansehnlich bauen", versichert Büllesbach den Anwesenden. Die Fassade werde noch komplett überarbeitet, doch dafür sei es jetzt noch zu früh.

Auf eine endgültige Höhe habe man sich noch nicht abschließend festgelegt und wolle auch noch einmal mit den Denkmalschützern sprechen. Diese hatten Einspruch erhoben und für einen 78 Meter hohen Entwurf plädiert. Die Gründe nannte Mechthild Keßler, Leiterin der städtischen Unteren Denkmalschutzbehörde, die ebenfalls zur Veranstaltung ins Forum 2 gekommen ist: Bedenklich sei die Nähe zum denkmalgeschützten Knorr-Gebäude, zudem gebe es Überlagerungen mit den Blickachsen vom Olympiapark, den die Stadt als Unesco-Weltkulturerbe eintragen lassen will. Letztlich sei der Denkmalschutz aber nur einer von vielen Aspekten, den der Stadtrat politisch abwägen müsse, stellte sie klar. Ein Mitarbeiter des städtischen Planungsreferats erklärte: Das Gebäude dürfe optisch nicht in Konkurrenz zum Olympiapark treten. Hier müssten die Architekten noch nachbessern, auch beim Material und bei der Farbe. "Den Auftrag haben wir als Stadt gegeben", sagt er. Ein Cliffhanger also, bis zum nächsten Entwurf - und der nächsten Folge vom "Münchner Hochhauskampf".

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