Der von der Polizei vergangene Woche bei einem Einsatz im Münchner Stadtteil Obersendling angeschossene Mann war wohl ein gesuchter Dealer. Er wurde inzwischen aus dem Krankenhaus in eine Untersuchungshaftanstalt gebracht. Die Festnahme war, wie am Mittwoch bekannt wurde, Teil einer größeren Aktion von insgesamt 60 beteiligten Beamtinnen und Beamten gegen den organisierten Handel mit Rauschgift.
Nur Stunden vor dem Zugriff in Obersendling hatten Rauschgiftfahnder des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) einen mit Haftbefehl gesuchten Kroaten in der Fußgängerzone festgenommen und in dessen Sendlinger Wohnung 4,5 Kilo Kokain sichergestellt. Der 39-Jährige nahm laut LKA in der Hierarchie einer Gruppierung der Organisierten Kriminalität zuletzt eine herausgehobene Rolle ein und war laut LKA mit dem berüchtigten „Balkan-Kartell“ vernetzt.. Bereits seit vier Jahren war gegen ihn ermittelt worden.
Dem Kroaten wird internationaler, organisierter Kokainhandel im dreistelligen Kilogrammbereich als Mitglied eines internationalen Netzwerks vorgeworfen. An den Ermittlungen waren zusammen mit dem LKA das Zollfahndungsamt München, die Staatsanwaltschaft München I sowie das Bundeskriminalamt beteiligt. Die Fahnder waren bereits am Tag zuvor darauf aufmerksam geworden, dass der Verdächtige aus Bosnien nach Deutschland gereist war und sich in München aufhielt. Gegen Mittag schlugen Spezialeinheiten in der Fußgängerzone zu.

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Für die Münchner Polizei war nun ebenfalls rasches Handeln geboten. Denn ein 34 Jahre alter Deutsch-Kroate, der sich an diesem Tag, dem 2. Dezember, in Obersendling aufhielt, war Zielperson eigener Ermittlungen – und er war mit dem Festgenommen bekannt. Beide gehörten laut LKA derselben kriminellen Gruppierung an. Bevor jedoch gegen 15.30 Uhr auch dort der Zugriff erfolgen konnte, versuchte der 34-Jährige zu fliehen. Mit einem BMW raste er aus der Tiefgarage auf einen Beamten zu. Dann fiel ein Schuss, der den Mann am linken Unterarm traf. Ein quer gestelltes Polizeiauto stoppte das Auto und vereitelte die Flucht.
Rauschgift-Experten aus dem Kommissariat 82 durchsuchten daraufhin eine Münchner Wohnung, ein Kellerabteil sowie mehrere vom Tatverdächtigen genutzte Fahrzeuge. Sie fanden dort mehr als fünf Kilogramm Amphetamin und Methamphetamin sowie eine hohe Bargeldsumme. Der mutmaßliche Dealer besaß zudem drei scharfe Schusswaffen samt Munition, eine ballistische Schutzweste und falsche Papiere. Wegen Körperverletzung und Eigentumsdelikten war der Mann bereits polizeibekannt. Jetzt sitzt er wegen Rauschgifthandels und Mordversuchs an einem Polizisten in Untersuchungshaft.
Hinweis: Der am 10. Dezember erstmals publizierte Text wurde inzwischen aktualisiert.

