Kaufhaus OberpollingerWarum Hamburgs Schutzgöttin mitten in München ausgestellt wird

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Oberpollinger-Geschäftsleiter Andreas Römer (li.) und Verkaufsleiter Johann Böhnert präsentieren die Statue der Hammonia.
Oberpollinger-Geschäftsleiter Andreas Römer (li.) und Verkaufsleiter Johann Böhnert präsentieren die Statue der Hammonia. Catherina Hess
  • Eine 120 Jahre alte Bronze-Statue der Hammonia, Hamburgs Schutzgöttin, wird zeitweise im Münchner Kaufhaus Oberpollinger ausgestellt.
  • Das Kaufhaus wurde 1905 von der Hamburger Kaufmannsfamilie Emden & Söhne erbaut, die hanseatische Symbole auf die Giebel montieren ließ.
  • Nach einer Restaurierung können Münchner die normalerweise auf dem Dach befindliche Statue nun im Erdgeschoss besichtigen.
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Eine Statue der Hammonia reckt das Wappen der Hansestadt nun zeitweise im Kaufhaus Oberpollinger empor. Was hinter der Aktion steckt und warum sich für Münchner eine womöglich einmalige Gelegenheit ergibt.

Von Andreas Schubert

Dort steht sie nun im Erdgeschoss des Kaufhauses Oberpollinger, zwischen Tiffany-Schmuck und Omega-Uhren: Die Hammonia, eine Frauenfigur, die sinnbildlich für die Stärke und den Wohlstand Hamburgs steht und oft auch als Schutzgöttin der Hansestadt bezeichnet wird.

Es gibt verschiedene Darstellungen der Hammonia, diese hier ist aus Kupfer, 2,30 Meter groß, 120 Jahre alt und reckt das Hamburger Wappen in die Höhe, der neulateinische Name steht auch für den Stadtstaat Hamburg selbst. Aber was macht die Figur nun ausgerechnet hier in einem Münchner Kaufhaus in der Neuhauser Straße?

Dazu muss man in der Geschichte des Hauses ein wenig ausholen, zunächst zum Namen. Von Ende des 16. bis Ende des 17. Jahrhunderts betrieb eine Familie Pollinger an der Stelle eine Brauerei. Oberpollinger heißt das Haus vermutlich, weil es von 1666 an nicht weit entfernt an der Sendlinger Straße, dem Standort des heutigen Kaufhauses Breuninger, ebenfalls eine Brauerei gab, die von einer anderen, nicht verwandten Familie Pollinger betrieben wurde. Das war der „Untere Pollinger“. Später wurde der Oberpollinger zur Gaststätte und zum Hotel, 1902 erwarb die Hamburger Kaufmannsfamilie Emden & Söhne das Grundstück, ließ das Hotel abreißen und ein Kaufhaus errichten.

Architekt war Max Littmann, der unter anderem auch das Hofbräuhaus und das Prinzregententheater gebaut hat. 1905 war das Gebäude fertig, seit damals prägt es mit seinen drei markanten Giebeln das Bild der Neuhauser Straße. Um auf ihre Herkunft hinzuweisen, ließen die Eigentümer auf die drei Giebel hanseatische Symbole aus Kupfer montieren. Links und rechts zieren Schiffe das Dach, sogenannte Hansekoggen. In der Mitte prangt die Hammonia.

1927 übernahmt Rudolph Karstadt das Kaufhaus und behielt den traditionellen Namen Oberpollinger bei. Im Zweiten Weltkrieg brannte das Gebäude nach einem Bombenangriff in der Nacht auf den 8. Januar 1945 komplett aus. Doch schon 1947 wurde im Erdgeschoss eine 600 Quadratmeter Verkaufsfläche wiedereröffnet,  1954 dann das Kaufhaus als ganzes. 2005 ließ der Karstadt-Konzern den Oberpollinger umbauen und nach Norden erweitern. Auf dem Grundstück des Erweiterungsbaus an der Herzog-Max-Straße befand sich bis zu ihrem Abbruch durch die Nationalsozialisten im Juni 1938 die Alte Hauptsynagoge. Später wurde das Grundstück als Parkplatz genutzt, Überreste des jüdischen Gotteshauses wurden vor zwei Jahren in der Isar gefunden.

Die drei Giebel des Oberpollinger sind in München bestens bekannt, ...
Die drei Giebel des Oberpollinger sind in München bestens bekannt, ... Catherina Hess
... auf den beiden äußeren „schippern“ Hansekoggen.
... auf den beiden äußeren „schippern“ Hansekoggen. Alessandra Schellnegger

Der Blick auf die Baugeschichte lenkt ein wenig ab von den Turbulenzen, in die der Oberpollinger in den vergangenen Jahren geraten ist und die auch zur Geschichte des Kaufhauses gehören. 2011 kaufte die Signa-Holding des inzwischen pleite gegangenen Unternehmers René Benko das Grundstück, auf dem der Oberpollinger steht, zwei Jahre später übernahm Benkos Signa auch die Mehrheit an der Premium-Kaufhaussparte, der späteren KaDeWe Group. Signa firmierte nun gleichzeitig als Vermieterin und Mieterin an der Neuhauser Straße 18, wobei die Kaufhaussparte nach eigenen Angaben „exorbitant“ hohe Mieten zu zahlen hatte. Diese führte die KaDeWe Group auch als Grund für ihre Insolvenz Anfang 2024 an.

Seit August 2024 gehört der Oberpollinger, wie auch das Hamburger Alsterhaus und das Berliner KaDeWe zur thailändischen Central Group. Während der Central Group auch das Gebäude des KaDeWe in der Hauptstadt gehört, ist sie an der Neuhauser Straße noch immer Mieterin. Das Gebäude gehört zur Insolvenzmasse der Signa-Immobiliensparte, einen neuen Eigentümer gebe es bislang nicht, erklärt Oberpollinger-Geschäftsführer Andreas Römer auf Nachfrage.

Aber das Geschäft läuft weiter, gerade jetzt in der Weihnachtszeit ist der Oberpollinger – wie auch die anderen Kaufhäuser in der Fußgängerzone – gut besucht. Bei der Enthüllung der Hammonia bleiben einige Stammgäste interessiert stehen, eigens eingeladene Influencer halten die Smartphonelinse drauf, als Andreas Römer und Verkaufsleiter Johann Böhnert die samtene Abdeckung beseitigen. Aus der Nähe dürften nur wenige die Skulpturen auf dem Dach je zu Gesicht bekommen haben. Jetzt, nachdem Oberpollinger die Hammonia hat restaurieren lassen, sollen die Münchner dieses Wahrzeichen des Hauses eine Zeit lang besichtigen dürfen.

Nachdem die Hüllen gefallen sind, zeigt sich: Die Hammonia hat zwar die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs damals fast unbeschadet überstanden. Dennoch ist die Zeit an ihr nicht spurlos vorübergegangen. Auch nach der Restaurierung hat die Hammonia noch viel Patina, das ist Absicht. Doch den Rost und die eingetrockneten Hinterlassenschaften der Stadttauben haben die Restauratoren beseitigt. Die beiden Koggen sind aktuell noch in der Restaurierung. Wenn diese fertig sind, sollen sie laut Oberpollinger-Chef Römer ebenfalls ausgestellt werden.

In einer früheren Version des Textes wurde Bronze als Material der Dachskulpturen angegeben, so stand es auch auf der Schautafel. Das hat Oberpollinger nun korrigiert. Sie sind aus Kupfer.

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