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Treff in Obermenzing:Es liegt am Geld

Für Sozialreferentin Schiwy hat eine Erweiterung des Treffs an der Schäferwiese keine Priorität, obwohl sie einräumt, dass mit dem Zuzug der Bedarf steigt. Wenn das Baugebiet "Dreilingsweg" realisiert wird, leben laut Demografiebericht fast 1500 Kinder und Jugendliche mehr im Stadtbezirk

Von Jutta Czeguhn, Obermenzing

Der Bedarf ist wohl da, allein es fehlt an Geld, das Projekt muss warten. So in etwa lässt sich das Antwortschreiben von Münchens Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) zusammenfassen, das Frieder Vogelsgesang (CSU), der Vorsitzendes des Bezirksausschusses (BA) Pasing-Obermenzing, jetzt erhalten hat. Es geht um die mögliche Erweiterung der Räume im Kinder- und Jugendtreff Schäferwiese, die dem Gremium dringlich erscheint, angesichts des Zuzugs in die neuen Baugebiete im Viertel.

Der Kinder- und Jugendtreff an der Schäferwiese war im Jahr 2010 im Untergeschoss des Neubaus einer Kindertagesstätte direkt neben der Grundschule an der Schäferwiese eröffnet worden. Und zwar für das zuvor auf der Schäferwiese betriebene Bauwagenprojekt. Der Treff liegt im Einzugsgebiet der Siedlung Blutenburg und des sogenannten Philosophenviertels. Das Sozialreferat hat sich nun Daten über die Bevölkerungsentwicklung dort vom Statistisches Amt München kommen lassen: "Mit Stand Juli 2020 leben in diesen beiden Stadtbezirksvierteln insgesamt 1157 Kinder und Jugendliche, wobei die Zahlen im Vergleich zum Jahr 2014 mit 1131 Kindern und Jugendlichen nur gering angestiegen sind." Die Schülerzahlen für die Grundschule an der Schäferwiese würden prognostisch bis 2030 sinken, teilt Schiwy mit.

Doch räumt sie ein, dass diese Prognosen mit Vorsicht zu genießen sind: Sollte das geplante Baugebietes "Dreilingsweg" realisiert werden, sei mit einem starken Zuwachs an Schülern zu rechnen, sodass in der Gegend gegebenenfalls sogar ein neuer Schulstandort denkbar sei. Dann würden bis zum Jahr 2040 im gesamten Stadtbezirk die Schülerzahlen deutlich ansteigen: in der Altersgruppe der Fünf- bis Neunjährigen von 3545 auf 4096 Kinder, bei den Zehn- bis 14-Jährigen von 3306 auf 3597 und bei den 15- bis 19-Jährigen von 3366 auf 4001. Quelle ist der Demografiebericht München vom September 2017.

Zwar werde man, so die Sozialreferentin, auf den wachsenden Bedarf im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit im Stadtbezirk durch den Bau der Jugendfreizeitstätte an der Erna-Eckstein-Straße im Neubaugebiet Paul-Gerhardt-Allee reagieren. Ein Standort, der allerdings einige Kilometer entfernt liegt von der Blutenburgsiedlung und dem Philosophenviertel. Weshalb man im Sozialreferat also die Notwendigkeit einer Erweiterung des Kinder- und Jugendtreffs Schäferwiese durchaus sieht. So sei mit der Angelegenheit mittlerweile auch das Referat für Bildung und Sport als Eigentümer- und Vermieterreferat befasst.

Es stellt sich nun die Frage, wie eine Erweiterung realisiert werden könnte. Die vorhandene Fläche, so das Bildungsreferat, sei dafür "äußert knapp bemessen". Die Außenfläche der Kindertagesstätte könne nicht herangezogen werden. Nur durch eine Machbarkeitsstudie beziehungsweise eine Voruntersuchung könne die Standortfrage verlässlich geprüft werden, teilt Schiwy mit. "Nur so kann auch eine Kosten-Nutzen-Analyse erfolgen, welche die Realisierung der Maßnahme letztendlich trägt." Denn vieles sei zu bedenken: Eine solche Erweiterung des Gebäudes erfordere die infrastrukturelle Erschließung und die Einbindung in die vorhandene Konzeption, etwa beim Brandschutz. Aber auch das Urheberrecht des Architekten müsse bedacht werden.

Die Klärung all dieser Fragen sei, so die Sozialreferentin, "mit nicht unerheblichem zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden". Aufgrund der aktuellen Finanzentwicklung und der angespannten Haushaltssituation hätten momentan "unabdingbare Maßnahmen" Priorität. Deshalb werde die Fachstelle des Stadtjugendamtes zunächst die Prüfung der Machbarkeit der Erweiterung des Kinder-und Jugendtreffs Schäferwiese zurückstellen und diese zum gegebenem Zeitpunkt veranlassen.

© SZ vom 29.10.2020
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