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"Obermaier Bäder" in München:Party in der Badewanne

Obermaier-Bäder

Zum 100. Jubiläum gab's eine Kunstinstallation.

(Foto: privat)

Unter einem Künstlernamen hatte Bäder Obermaier sogar einen Auftritt in der Kultserie "Kir Royal". Das Münchner Traditionshaus besteht seit 125 Jahren

Von Julian Raff, Altstadt

Es ist noch nicht so lange her, dass man beim Stichwort "Shopping in München" nicht an Krise dachte, sondern an Moshammer, Bogner, Käfer und andere schillernde Namen. Wenn man den Kreis etwas weiter zieht, gehört dazu auch Bäder Obermaier. Im Minucci-Palais hinter der Theatinerkirche nobel, wenn auch etwas abseits der großen Einkaufsmeilen gelegen, zählt der gehobene Bäder-Ausstatter zu den Münchner Traditionshäusern, auch wenn die 125-jährige Geschichte des Familienunternehmens zwar an der Isar, aber nicht in der Landeshauptstadt begann.

Im Jahr 1895 meldete Steinmetzmeister Sebastian Obermaier in Landshut sein Gewerbe im Herzen der Stadt an, zunächst mit Schwerpunkt auf Grabdenkmälern und Restaurationsarbeiten, in der Stadt ist er aber auch bekannt für Brunnen und sakrale Werke. Die Vorgeschichte des heutigen Betriebs begann nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Gründer-Enkel und Steinbildhauer Josef Obermaier im großen Stil dazu überging, italienischen Marmor und anderen Naturstein zu importieren und deutschlandweit zu vertreiben, zunächst in Landshut, von den frühen Sechzigerjahren an auch mit einer Münchner Niederlassung an der Welfenstraße (Au). Ein florierendes Nebengeschäft mit steinernen Zierelementen und der Bauboom der Wirtschaftswunderzeit brachten Obermaier schließlich auf die Idee, direkt in den Einzelhandel mit Bad-Elementen einzusteigen. Gleichzeitig begann das Importgeschäft zu schwächeln, weil die nun motorisierten Steinmetze ihr Material selbst über die Alpen holten. Das erste Ladengeschäft eröffnete 1968 am Maximiliansplatz und boomte im aufblühenden München der Vor-Olympia-Zeit. Die Stadt wurde damals "fast geschmacksbildend", blickt Josef Obermaier, Gründer-Urenkel, Jahrgang 1957, und der Dritte seines Vornamens zurück.

Zum 125. Firmenjubiläum kam Corona: Robin, Marianne und Josef Obermaier

(Foto: Catherina Hess)

In seinen Erinnerungen mischen sich Nostalgie und Amüsement. Mit der Kaufkraft der Kundschaft wuchs auch die ästhetische Experimentierlust. Die Designs wurden knallig bunt, psychedelisch, futuristisch und manchmal auch "heavy", wie Obermaier den ausladenden Schicki-Look umschreibt. Fürs erstere steht eine vom Stromlinien-Designer Luigi Colani entworfene Badewanne im Look eines Sportwagen-Cockpits, fürs letztere muschelförmige Waschbecken und die geradezu sprichwörtlichen vergoldeten Wasserhähne. Einen Höhepunkt erreichte das Bling-Bling in den frühen Achtzigern.

Als "Marmor Lindlmaier" hatte das Geschäft gar einen kurzen Auftritt in "Kir Royal". Baby Schimmerlos' Alter Ego Michael Graeter stattete derweil die Toiletten seines Café Extrablatt mit den später gern kopierten durchsichtigen Klodeckeln aus dem Hause Obermaier aus - darin eingegossen natürlich seine Kolumnen.

Das Schrille ist längst wieder dem zeitlos Schlichten gewichen, stets habe aber die Devise gegolten: "Gspinnerte Sachen ja, aber kein Glump", betont Josef Obermaier, der 1984 in die Geschäftsleitung eintrat und die Firma heute mit seiner Frau Marianne führt. Im Design müsse stets solide, langlebige Technik stecken, garantierte Bereitstellung von Ersatzteilen inklusive. Entsprechend stolz ist man im Haus auf knifflige Sonderanfertigungen für Yachten oder sogar Privatflugzeuge. Die technische Seite habe ihn mindestens genau so interessiert wie Ästhetik und Handwerk, erzählt Obermaier. Neben dem BWL-Studium durchlief er aus Familientradition eine, wie er sagt, "komprimierte" Steinmetzlehre in der ehrwürdigen Regensburger Dombauhütte. Den Bogen in ganz alte Zeiten schlägt im 2014 bezogenen Domizil ein denkmalgeschütztes historisches Kellergewölbe, das die ergonomisch optimierten Wannenmodelle in Szene setzt, die heute den Kern eines breit gefächerten wellnessorientierten Sortiments bilden.

Natürlich hätten sich die Obermaiers ihr Jubiläumsjahr etwas anders vorgestellt, auch wenn sie kein Großereignis geplant hatten wie jene zusammen mit Akademiestudenten konzipierte Kunstinstallation aus Badewannen, die im Sommer 1995 zum 100. Firmenjubiläum am Odeonsplatz zu sehen war. Der Lockdown im Frühjahr und die anhaltende Besucher- und Touristenflaute in der City setzen dem Betrieb zu - einerseits. Bis jetzt sei man aber aus drei Gründen noch glimpflich durch die Krise gekommen, so Obermaier: Reine Laufkundschaft trage im Spezialhandel traditionell weniger zum Umsatz bei als anderswo. Zudem stärke die neue Häuslichkeit infolge der Corona-Krise den Trend zum "Cocooning" und zur Wellness daheim. Eine dritte glückliche Fügung liegt schließlich in der Familie: Die beiden Söhne Robin und Mika Obermaier, 18 und 20 Jahre alt, haben sich parallel zum Wirtschaftsstudium mit Beginn der Krise sofort daran gemacht, Internet-Auftritt und Vertrieb auszubauen, so dass nun zum Beispiel auch Wannen online bestellt werden können. Die fünfte Generation ist damit etwas früher als geplant, aber hoch motiviert ins Geschäft eingetreten.

© SZ vom 05.11.2020
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