Prozess um Wolfsmasken-Vergewaltigung:Angeklagter soll auch in Beziehung sexuell übergriffig gewesen sein

Beginn Wolfsmasken-Prozess

Der wegen schweren sexuellen Missbrauchs angeklagte Christoph K. (links) bei Prozessbeginn Anfang März im Münchner Landgericht.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Beim Prozess um den Wolfsmasken-Vergewaltiger sagen frühere Freundinnen aus. Manche Erfahrung in den Beziehungen bewerten sie im Nachhinein ganz anders.

Von Andreas Salch

Die Geschenke, die ihr Christoph K. gab, hat Paulina Z. (Name geändert) weggegeben. Der Gedanke, dass sie von einem Mann stammen, der sich an einem elf Jahre alten Mädchen vergangen haben soll, war ihr unerträglich. Es ist der vierte Verhandlungstag im Prozess gegen den 45-jährigen Elektriker, der wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt ist. Die Tat vom 25. Juni 2019, die weit über München hinaus für Entsetzen sorgte, hat Christoph K. weitgehend eingeräumt.

An diesem Mittwochvormittag ist unter anderem Paulina Z. als Zeugin vor der 20. Strafkammer am Landgericht München I geladen. Die Richter wollen ihr wegen ihrer psychischen Probleme die persönliche Konfrontation mit dem Angeklagten ersparen und vernehmen sie per Videokonferenz.

Kurze Zeit vor der Tat sei sie mit Christoph K., den sie im Isar-Amper-Klinikum kennengelernt hatte, in einem Geschäft für Gothic-Artikel in der Münchner Innenstadt gewesen, berichtet Paulina Z. Dort habe er ein "paar Masken genommen und ausprobiert". Schließlich habe er eine Wolfsmaske gesehen und gesagt: "Die will ich haben", berichtet Paulina Z. Für was denn, habe sie gefragt. "Für Fasching", habe K. geantwortet. "Kurze Zeit danach ist das passiert", sagt die 42-jährige Einzelhandelskauffrau. Christoph K. soll diese Fratze getragen haben, als er das Mädchen in der sogenannten Ami-Siedlung in Obergiesing packte, es in ein Gebüsch zerrte und vergewaltigte, so der Vorwurf.

Paulina Z. lernte den 45-Jährigen vor drei Jahren kennen. Von einer Beziehung möchte sie nicht sprechen. Nachdem K. in eine therapeutische Wohngemeinschaft umziehen durfte, habe er sie immer wieder im Isar-Amper-Klinikum besucht, sei mit ihr spazieren gegangen und habe sie zum Essen eingeladen. Auch gegen 19 Uhr am Abend nach der Tat habe er sie besucht. Wie denn der Angeklagte so drauf war, fragt Richter Bertolt Gedeon. "Mir ist nichts aufgefallen, er war sehr ruhig, ruhiger als sonst", erinnert sich die Zeugin. Als sie gefragt habe, warum, habe er geantwortet: "Ich bin kaputt von der Arbeit." Zu diesem Zeitpunkt wurde bereits nach dem 45-Jährigen gefahndet.

Die Vernehmung von Paulina Z. ist sehr ausführlich. Und es ist bereits einige Zeit vergangen, als sie schließlich von Vorfällen aus ihrer gemeinsamen Zeit mit dem Angeklagten berichtet, etwa von Fesselungen ans Bett. Sie habe ihm damals verziehen, erklärt Paulina Z. dem Gericht - und fügt hinzu: "Heute nicht mehr, nachdem was er getan hat." Der Vorfall soll sich etwa eine Woche vor der Tat in Obergiesing zugetragen haben.

Vor dem Kontakt zu Paulina Z. hatte Christoph K. eine mehrjährige Beziehung zu einer Frau, die er ebenfalls im Isar-Amper-Klinikum kennengelernt hatte. Sie ist inzwischen 26 Jahre alt. Als sie am Mittwoch im Landgericht in den Zeugenstand tritt, verbirgt Christoph K. sein Gesicht hinter einem Aktendeckel. Auch sie berichtet von sexuellen Übergriffen durch den Angeklagten. Sonst sei der 45-Jährige aber "eigentlich schon nett" gewesen. Heute glaube sie zu wissen, warum Christoph K. während ihrer Beziehung "psychisch stabil" gewesen sei: "Weil ich so kindlich ausschaue." Die Zeugin ist geschätzt knapp einen Meter fünfzig groß. Der Prozess wird fortgesetzt.

© SZ vom 18.03.2021/lfr, van
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