Investitionen in Höhe von 50,5 Millionen Euro:"Ein Ort, wo alle sein können"

Lesezeit: 3 min

Investitionen in Höhe von 50,5 Millionen Euro: Ein Ziel der Sanierung war, das Stadtteilzentrum am Tegernseer Platz zu stärken. Noch ist die Umgestaltung nicht abgeschlossen.

Ein Ziel der Sanierung war, das Stadtteilzentrum am Tegernseer Platz zu stärken. Noch ist die Umgestaltung nicht abgeschlossen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen, mehr öffentliches Grün, Gewerbe stärken: Über Jahre hinweg war Obergiesing Sanierungsgebiet. Was ist herausgekommen? Und welche Arbeiten sind noch notwendig?

Von Ilona Gerdom

"Wenn du fünf Jahre lang Giesing machst, dann wirst du zum Experten", sagt Torsten Müller und lacht. Von 2015 bis 2020 betreute er das "Sanierungsgebiet Tegernseer Landstraße/Chiemgaustraße". Der Großteil der Flächen ist nun nicht mehr als Sanierungsgebiet ausgezeichnet. Ein kleiner Teil verbleibt aber.

15 Jahre lief das Projekt. Schon 2005 hatte der Stadtrat die Flächen, die vor allem in Obergiesing und zu einem kleinen Teil in Untergiesing-Harlaching liegen, festgelegt. Die Ziele für die 104 Hektar waren zum Beispiel: mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen, mehr öffentliches Grün und die Stärkung von Gewerbe auf Giesinger Gelände. Rund 50,5 Millionen Euro kosteten die Maßnahmen insgesamt. Gefördert wurden sie unter anderem aus den Bund-Länder-Städtebauförderprogrammen "Soziale Stadt", "Zukunft Stadtgrün" und "Sozialer Zusammenhalt".

Als Stadtteilmanager der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS) war Müller fünf Jahre vor Ort. Seine Aufgabe war vor allem, zwischen Bewohnern und Verwaltung zu vermitteln. Bei einem Spaziergang zeigt er, was sich getan hat.

Mehr Leben im Stadtteilzentrum Giesing

Investitionen in Höhe von 50,5 Millionen Euro: "Wenn du fünf Jahre lang Giesing machst, dann wirst du zum Experten", sagt Torsten Müller. Der Stadtteilmanager betreute von 2015 bis 2020 das "Sanierungsgebiet Tegernseer Landstraße / Chiemgaustraße".

"Wenn du fünf Jahre lang Giesing machst, dann wirst du zum Experten", sagt Torsten Müller. Der Stadtteilmanager betreute von 2015 bis 2020 das "Sanierungsgebiet Tegernseer Landstraße / Chiemgaustraße".

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Treffpunkt ist am Tegernseer Platz. Vor der Post steht Torsten Müller. Auf dem Kopf eine Mütze, in der Hand die Broschüre "Evaluation - Stadtteilsanierung Giesing". "Zum Spicken", sagt er und grinst. Dann zeigt er um sich. Man befinde sich im Stadtteilzentrum. Durch Bus, Tram- und U-Bahn sei hier auch ein Verkehrsknotenpunkt. Dazu ist die Tegernseer Landstraße, von den meisten Giesingern "Tela" genannt, viel von Autos befahren. Ein Ziel war, den Straßenzug aufzuwerten, um das "Stadtteilzentrum zu stärken".

Auf der Straßenseite gegenüber, Müller zeigt auf die Hausnummer 64, wurde zum Beispiel ein Büro-und Geschäftshaus gebaut. Früher stand dort das Kaufhaus Hertie, wo man alles für den täglichen Bedarf bekommen konnte. "Voll wichtig" sei das gewesen. Das Geschäft sei "eingegangen", es folgte "großer Leerstand". Dann kam bis zum Baustart des heutigen Gebäudes die Kulturstätte "Puerto Giesing" unter. 2013 wurde das jetzige Haus fertiggestellt. Das sei nicht nur ein "Kundenmagnet", sondern auch "qualitätsvoller Neubau", schreibt das Planungsreferat im Aufhebungsbeschluss.

Ein Bus fährt vorbei, ein orangefarbener Wagen der Müllabfuhr. Müller deutet auf die Straße: kein Fahrradweg. "Hochgradig gefährlich" sei es. Besonders, wenn man die Seite wechseln wolle. Gerade in einer Einkaufsstraße, deren Erdgeschosszone sich durch kleine Läden auszeichnet, ist das ungünstig. Am Tegernseer Platz und dem nördlichen Teil der Tela kann man nicht nur sehen, was sich verbessert hat, sondern auch, was noch aussteht. Der Teilabschnitt soll daher weiter Sanierungsgebiet bleiben.

Ein Ort für alle: Der Grünspitz

Investitionen in Höhe von 50,5 Millionen Euro: Wo früher mit Gebrauchtwagen gehandelt wurde, ist heute eine öffentliche Grünfläche. "Der Grünspitz ist ein echtes Beteiligungsprojekt", sagt Torsten Müller.

Wo früher mit Gebrauchtwagen gehandelt wurde, ist heute eine öffentliche Grünfläche. "Der Grünspitz ist ein echtes Beteiligungsprojekt", sagt Torsten Müller.

(Foto: Stephan Rumpf)

Richtung Süden führt Müller weiter an der Verkehrsader entlang. Zu einem seiner Lieblingsprojekte, dem Giesinger Grünspitz. Wo früher mit Gebrauchtwagen gehandelt wurde, ist heute eine öffentliche Grünfläche. Bespielt wird sie vom Verein Green City. "Der Grünspitz ist ein echtes Beteiligungsprojekt", lobt Müller. Die Leute hätten "richtig probieren" können, was funktioniert. Nun habe man "einen Ort, wo alle sein können".

Wohnen auf dem ehemaligen Agfa-Gelände

Investitionen in Höhe von 50,5 Millionen Euro: 950 Wohnungen sind auf dem früheren Agfa-Gelände entstanden. Das belastet das soziale Gefüge.

950 Wohnungen sind auf dem früheren Agfa-Gelände entstanden. Das belastet das soziale Gefüge.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der nächste Halt ist das frühere Agfa-Gelände. Auch "so ein Identitätsthema", sagt Müller. Beim Unternehmen Agfa hatten viele Menschen aus Giesing gearbeitet, bis es insolvent ging. Das elf Hektar große Firmengelände wurde dann nicht mehr genutzt. In Kooperation von Planungsreferat und Investor fand ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb statt. Entstanden sind etwa 950 Wohnungen einschließlich gefördertem Wohnraum. Außerdem wurde ein Ort für das Sozialbürgerhaus Giesing-Harlaching geschaffen. Wichtig sei, dass die "Barrierewirkung" weg sei, erklärt der Stadtteilmanager. Die früheren Agfa-Flächen waren durch einen Zaun abgegrenzt. Dadurch war der Zugang zum dahinterliegenden Weißenseepark erschwert.

Ein beliebter Park

Investitionen in Höhe von 50,5 Millionen Euro: Der Zugang zum Weißenseepark war früher erschwert. Schon jetzt zeigt sich, wie beliebt das Gelände ist.

Der Zugang zum Weißenseepark war früher erschwert. Schon jetzt zeigt sich, wie beliebt das Gelände ist.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Kinder stehen an der Rutsche an, eine Person trainiert auf der "Balancierstrecke": Gerade an einem sonnigen Tag zeigt sich, dass der Weißenseepark und der sogenannte "Katzenbuckel" beliebt sind. 2005 hatte man sich die Grünanlage vorgenommen, um sie ein "bisschen zu updaten", erklärt Müller. In drei Bauabschnitten wurde die Anlage unter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern gestaltet. Nachdem ein Sommerprogramm für Zwölf- bis 15-Jährige veranstaltet worden war, sei klar gewesen: "Der Park funktioniert", sagt Müller.

Nachbarschaftstreff und Stadtteilladen

"Soziale Stadt", sagt Müller, "heißt: nur baulich was zu verändern, ist zu wenig". Man müsse das Engagement vor Ort stärken. Eines der Projekte, das dazu beitragen soll, ist die "Pöllatinsel". Aus einer Kooperation der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag und dem Sozialreferat ist am Mittleren Ring ein Haus entstanden, in dem unter anderem ein Familien- und Beratungszentrum, aber auch ein Nachbarschaftstreff untergebracht ist. Damit sich Bürgerinnen und Bürger einbringen können, gibt es zudem den Stadtteilladen. Dort war von 2006 bis 2020 das Stadtteilmanagement beheimatet. Der Raum an der Tela 113 war eine Anlaufstelle, um Ideen einzubringen, sich zu informieren und zu vernetzen. In Müllers früherem Büro sitzt jetzt Lars Jakobeit von der gemeinnützigen QuarterM GmbH. Auch er arbeitet an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Stadtteil. Wichtig sei die Viertelperspektive und das Vernetzen. Jakobeit formuliert es so: "Der Stadtteilladen sollte so bleiben, wie er war." Man habe kein "neues Produkt" schaffen, sondern das Alte erhalten wollen. Man müsse es aber "mit neuen Ansprüchen in Einklang bringen".

Dass die Einrichtung bleiben konnte, freut Müller ganz besonders. Das sei eine Chance, so könne "neuer Schwung" ins Viertel kommen, sagt er. Und Torsten Müller selbst? Ist immer noch Stadtteilmanager - jetzt aber in Neuperlach.

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