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Das Edelweiß:Ein Lokal für die Nachbarschaft und die ganze Familie

Auch das Edelweiß hat eine schwere Coronazeit hinter sich und unter den Einschränkungen zu leiden. Nun kann es immerhin die Parkplätze vor dem Lokal für weitere Stühle und Tische nutzen.

(Foto: Robert Haas)

Das "Edelweiß" am Giesinger Alpenplatz ist weder Kneipe noch Restaurant: Es passt in keine Kategorie und hat einen ganz besonderen Charme.

Von Karl-Heinz Peffekoven

Als Peffekoven mit Test-Entourage das erste Mal im Giesinger Edelweiß einkehrte, musterte ihn ein zugehöriger lieber Freund nachdenklich und sprach: "Ihr bei der Süddeutschen nehmt bei der Recherche wirklich jedes Opfer auf Euch." Er bezog sich auf die bulgarischen Weine, die es hier im Ausschank gibt und die in seiner Vorstellung, weil vom Balkan, offenbar höchstens als Traktortreibstoff geeignet waren. Aber Bulgarien ist längst ein Geheimtipp für Weinkenner, und die von dort stammende Wirtin hat Ausgesuchtes im Angebot. Einen Sauvignon Blanc, Katarzyna, etwa und bei den Roten die Sorten Mezzek und Melnik, kräftige, trockene und erdige Weine, die mit Preisen zwischen 6,20 und 7,90 Euro für 0,2 Liter freilich weniger zum Zechwein eignen.

Aber deswegen ist Peffekoven nun auch nicht hergekommen. Das malerisch am Alpenplatz, einer der schönsten Ecken Giesings, gelegene Edelweiß hatten Freunde schon immer empfohlen. Auch dieses Lokal hatte eine schwere Coronazeit, aber jetzt immerhin einen Gewinn davon: Draußen vor dem schmalen Gehweg, wo bislang Autos parkten, dürfen jetzt wie vielerorts in München Tische stehen. Und wie von Zauberhand wirkt der kleine Alpenplatz noch urbaner und schöner: die fröhlichen Gäste, die bunten Gründerzeitfassaden, die alten Bäume, ein Münchner Sommerabend, leuchtend wie ein reifer Apfel. Draußen war es bei Peffekovens letzter Visite trotz der vielen neuen Tische recht voll, drinnen hielten sich zwei Herren an ihren Bieren fest, die schöne alte, behutsam um moderneres Mobiliar ergänzte Stube war sonst fast leer. Coronazeit.

Die Karte wechselt in Details, bei bewährten Standards, wahnsinnig viel Auswahl gibt es nicht, aber das ist hier eher ein Qualitätskriterium. Geschätzt wird von Stammgästen der Salat mit zarter Hühnerbrust. Das Wiener Schnitzel, der Küchenklassiker mit Kartoffelecken und Salat, ist meistens hervorragend und war es auch diesmal, mit lockerer Panade und sehr zart (12,50 Euro. Die Kartoffelecken waren übrigens mit Liebstöckelschmand gemacht, eine feine Kreation, die es auch gesondert als Beilage gibt. Nächster Klassiker: Der Beef Burger, meistens sehr würzig und wohlschmeckend, stieß einmal auf das Missfallen eines Testers: Zu dick sei das Brötchen, zu wenig gewürzt das Fleisch. Thai Curry gibt es auch, von gutem Durchschnitt und mit feiner Koriandernote.

Die Qualität der Küche schwankt gelegentlich ein wenig. Die vegetarische Tochter einer Freundin aber schwört immer auf die Spinatknödel. Interessant auch: der leicht pikante "norddeutsche Kartoffelsalat", sehr gelungen komponiert mit Kapern, roten Zwiebeln, Sardellen und Oliven. In Niedersachsen hat Peffekoven einmal einen in einer Mayonnaise-Zwiebel-Schlampfe ertränkten Kartoffelsalat durchlitten (in Süddeutschland macht man ihn bekanntlich mit Brühe, wie sich das gehört), die Edelweiß-Variante wirkt hingegen eher italienisch und ist mit 7,50 Euro maßvoll bepreist. Man muss ein bisschen auf ihn warten, aber das liegt an der frischen Zubereitung, und die Mitteilung auf der Karte schafft Vertrauen: "Wir verwenden ausschließlich Meersalz, natürlichen Essig, Eier vom Bauernhof, Kräuter vom Markt . . ."

An Wochenenden und Feiertagen kann man hier auch sehr gut und reichlich frühstücken. Ein klein wenig haben die Preise pandemiebedingt angehoben, aber fair sind sie immer noch, familienfreundlich ist das Edelweiß. Ein Kinderteller ("Nanas Kinder-Paste") inklusive Getränk für 6,40 Euro ist nicht Haute Cuisine, aber günstig für München. Die Wirtin macht das schon immer allein, mit großem Ehrgeiz und Einsatz, mit Herzblut sei sie dabei und manchen eine Freundin geworden, sagt ein Stammgast: Solche Freundschaft bewährt sich. Während des Corona-Lockdowns gab es eine Gutscheinaktion, da soll richtig viel zusammen gekommen sein.

So testet die SZ bei der Kostprobe

Die Kostprobe gibt es als Format für Restaurantkritiken seit 1975 in der Süddeutschen Zeitung. Die Autorinnen und Autoren haben sich ehernen Regeln verpflichtet: Sie testen ein Restaurant frühestens 100 Tage nach Eröffnung (damit sich das Küchenteam bis dahin einspielen kann), essen dort mehrmals (denn jeder Koch und jede Köchin kann mal einen schlechten Tag haben), geben sich nicht als Tester zu erkennen und schreiben unter Pseudonym (um unerkannt und unabhängig bleiben zu können). Und die Rechnung? Die bezahlt natürlich die SZ selbst.

Eine ganz feine Sache sind die alkoholfreien und selbst komponierten Erfrischungsgetränke: "Nanas Limo" zum Beispiel, ein süchtig machender, süßsaurer Zitronen-Minze-Mix; es gibt auch eine Variante mit Ingwer.

Als es später wurde, wagte sich die Runde an den nicht näher definierten Hauswein (5,60), und was soll man sagen - auch er erwies sich als trinkbar, trocken und bekömmlich und belebte die Debatte: Was ist das eigentlich hier? Eine Nachbarschaftskneipe? Dafür zu hell, schön, gepflegt und ja, innen auch zu stylish. Ein Café? Dafür wieder zu sehr Nachbarschaftskneipe. "Das Edelweiß halt", sagt die Kennerin. Es passt in keine Kategorie. Man kommt her, weil man nicht kochen mag, weil der Platz so schön ist, weil die Kinder noch mal rauskönnen und spielen. Wegen des supernetten, selbst bei Hochbetrieb entspannten Service. Wegen Nana und ihrer Küche, wegen des Gesamtkunstwerkes namens Edelweiß.

Adresse: Edelweißtrasse 10, 81541 München, Telefon: 089/ 64913780, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 16 bis 22 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10 bis 22 Uhr, info@das-edelweiss.de

© SZ vom 16.07.2020/vewo
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