Am Abend des 9. März 1933 entrollen SA-Männer eine riesige Hakenkreuzfahne auf dem Münchner Rathausturm. Unten, auf dem Marienplatz, ist eine große Menschenmenge zusammen gekommen, die dem nationalsozialistischen Stadtrat Max Amann zujubelt, als er die Machtübernahme der NSDAP in Bayern verkündet. Nachdem Hitler am 30. Januar zum Reichskanzler ernannt worden war, setzten die Nationalsozialisten alles daran, den bayerischen Ministerpräsidenten Heinrich Held, der der katholisch geprägten Bayerischen Volkspartei (BVP) angehört, aus dem Amt zu drängen. Held wehrte sich, doch die Nazis saßen am längeren Hebel. An jenem 9. März ernennt Reichsinnenminister Wilhelm Frick den an der blutigen Niederschlagung der Räterepublik maßgeblich beteiligten General Ritter von Epp zum bayerischen Reichskommissar. Held ist am Ende.
Geschichte MünchensDer OB, der die Nazis unterschätzte – bis sie ihn aus dem Amt jagten
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Karl Scharnagl war Münchens letzter Oberbürgermeister vor der Herrschaft der NSDAP – und der erste danach. Vor 100 Jahren kam er zum ersten Mal ins Amt. Über einen Politiker mit Schattenseiten.
Von Wolfgang Görl
