OB-Wahl 2026Münchner CSU will in einen „höchstmodernen“ Wahlkampf starten

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OB-Kandidat Clemens Baumgärtner (re.) und sein Wahlkampfleiter, der CSU-Landtagsabgeordnete Josef Schmid, stellen die ersten sechs Plakatmotive vor.
OB-Kandidat Clemens Baumgärtner (re.) und sein Wahlkampfleiter, der CSU-Landtagsabgeordnete Josef Schmid, stellen die ersten sechs Plakatmotive vor. Robert Haas
  • Die Münchner CSU startet mit Kandidat Clemens Baumgärtner und ersten Plakaten in den OB-Wahlkampf für März 2026.
  • Baumgärtner will sich als "Macher" von Amtsinhaber Dieter Reiter abgrenzen und setzt auf Wirtschaftsstärkung sowie Sauberkeit und Sicherheit.
  • Die CSU will einen "höchstmodernen" Wahlkampf führen mit sozialen Medien, Podcast-Studio und der blauen Brille als Erkennungszeichen.
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Die Partei und Kandidat Clemens Baumgärtner stellen die ersten Plakate vor, mit denen sie für die OB-Wahl im kommenden März werben. Auf welche Themen und Mittel sie setzen – und was noch offen bleibt.

Von Anna Hoben

„Macher. Wirtschaftsstärker. Ordnungshüter. Baustellenschreck. Teamplayer. Baumgärtner.“ Die CSU startet mit einfachen Schlagworten und schlicht gestalteten Plakaten in die erste Phase ihrer Kampagne zur Oberbürgermeister-Wahl im März 2026. Die genannten Attribute schreibt sie dabei ihrem Kandidaten Clemens Baumgärtner zu. Am Mittwoch stellten er und sein Wahlkampfleiter, der CSU-Landtagsabgeordnete Josef Schmid, bei einer Pressekonferenz die ersten sechs Plakatmotive vor.

Die Mischung aus ernst („Wirtschaftsstärker“, „Teamplayer“) und offenbar augenzwinkernd gemeinten („Ordnungshüter“, „Baustellenschreck“) Charakteristika sollen Baumgärtner dabei inhaltlich vom amtierenden Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) abgrenzen. Einen Persönlichkeitswahlkampf strebe die CSU nicht an, sagt Schmid; er wolle mit Inhalten punkten, so Baumgärtner. Der „Macher“ aber, der in seiner Zeit als Wirtschaftsreferent die Automesse IAA, Apple und die Großkonzerte auf dem Riemer Messegelände nach München gebracht habe, soll dennoch als Gegenentwurf zu Reiter positioniert werden.

Reiter sei sympathisch und beliebt bei den Münchnerinnen und Münchnern, sagt Schmid, er zeige aber auch „klare Schwächen“: So habe er vieles versprochen und hätte auch die Macht, „die Dinge zu bewegen“. Doch es bewege sich nicht viel, es fehle an Führung, Probleme würden nicht angepackt. Auch um seine eigene grün-rote Koalition habe der Oberbürgermeister sich in den vergangenen sechs Jahren „über weite Strecken“ nicht gekümmert, die Zeit sei von Uneinigkeit und Streitereien geprägt gewesen.

All das soll nach dem Willen der CSU mit Clemens Baumgärtner anders werden. Vor 147 Tagen hat seine Partei ihn mit einem Ergebnis von 98 Prozent zum OB-Kandidaten gekürt. Noch 130 Tage sind es nun bis zur Wahl. „Wieder München werden“ hieß 2020 der Slogan, mit dem OB-Kandidatin Kristina Frank die Bürger überzeugen wollte. Ein großes Thema damals: die gestresste Großstadt. „Lasst uns neu denken“ war der Slogan im Jahr 2014, damals wollte der heutige Wahlkampfleiter Schmid selbst Oberbürgermeister werden und der CSU einen liberal-urbanen Anstrich verpassen.

Einen Slogan für 2026 gibt es noch nicht. Dafür eine Bildmarke: die blaue Brille. Das Original der Brille sitzt auf Baumgärtners Nase. Als meterhohe Aufsteller-Skulptur ist sie bei den Stadtteil-Touren dabei und hat dabei schon ein paar Macken abbekommen. Als Symbol zum Neugierwecken und Wiedererkennen und, um 90 Grad gedreht, als Ersatz für das „B“ in „Baumgärtner“ ziert sie die Plakate. Die Brille sei „lustig und originell“, findet Schmid, sie toppe sogar den VW-Bulli von 2014. Mit dem Retro-Gefährt war er damals durch die Stadt getourt, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

Die aktuelle Stadtteil-Tour habe Baumgärtner nun schon „breit bekannt gemacht“, sagt Schmid, er habe „viel Rückenwind“ bekommen. Dabei habe er erfahren, so Baumgärtner: „Alle Münchner lieben ihre Stadt.“ Doch dass die Stadt funktioniere, dass die grün-rote Stadtpolitik funktioniere, das fänden längst nicht alle. Zu viel Bürokratie, zu wenig Kitaplätze, zu viele Baustellen, zu wenig Sicherheitsgefühl, Sorge um Arbeitsplätze: Das seien Themen, die oft angesprochen würden.

Einige davon gehören zu den inhaltlichen Schwerpunkten, auf die er im Wahlkampf setzen will. Dabei bleibt es noch bei Schlagworten anstelle von konkreten Konzepten. Er wolle die Wirtschaft stärken, so Baumgärtner, denn auch wenn München noch gut dastehe, so rechneten Betriebe bei den aktuellen Prognosen „mit dem Schlimmsten“. Auch „Sauberkeit und Sicherheit“ gehören zu den Schlagworten, Stichwort Schillerstraße, Hauptbahnhof, Alter Botanischer Garten. Die Stadt habe diese Themen schleifen lassen, doch nur eine saubere Stadt werde auch als sicher empfunden.

Neben altbewährten Methoden wie der Stadtteil-Tour legt die CSU im Wahlkampf einen Schwerpunkt auf die sozialen Medien, Tiktok, Instagram, Facebook, Linkedin. Eine Rahmenbedingung hat sich dort gerade grundsätzlich geändert: Politische Werbeanzeigen auf Plattformen wie Instagram und Facebook sind in der EU seit Oktober nicht mehr erlaubt. Bei Spotify und Apple Music hat Baumgärtner die Playlist „Stauradio“ gestartet, den „Soundtrack für alle, die im Münchner Stadtverkehr mehr stehen als fahren“.

Und demnächst soll es in diesem „höchstmodernen“ Wahlkampf (Schmid) noch mehr auf die Ohren geben. In der CSU-Zentrale in der Maxvorstädter Adamstraße haben sie ein Podcast-Studio eingerichtet. Bald soll der OB-Kandidat dort ins Plaudern kommen, „mit Bürgern und bekannten Persönlichkeiten“. In der heißen Wahlkampfphase will Baumgärtner dann aber auch ganz klassisch von Haustür zu Haustür gehen und an Infoständen für sich und seine Vision werben und werben lassen.

Bei der Vorstellung seiner Plakate am Mittwoch hatte der Kandidat eingangs etwas ausgeholt, zum Bürgerentscheid vom vergangenen Sonntag über Olympische Spiele in München. Trotz „ruckeliger“ Kampagne der Stadt sei es gelungen, zwei Drittel der Wählerinnen und Wähler zu überzeugen, dass es eine gute Idee ist, sich um die Spiele zu bemühen. Letztlich hätten die Bürger „eine Vision gewählt“, so Baumgärtner. Auch er habe eine Vision für die Stadt.

Wie die, abseits von Schlagworten, konkret aussieht, das wird er im weiteren Wahlkampf noch zeigen müssen.

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