Gerade lässt sie sich wieder bestaunen, die sehr witzige, rasend schnelle, gesellschaftskritische Arbeit von Nora Abdel-Maksoud. „Wokey Wokey“ heißt ihre neue Produktion an den Münchner Kammerspielen, in der sie sich genauso treffend wie auch genüsslich böse mit Political Correctness und Identitätspolitik auseinandersetzt. Es ist ein Abend, an dem man sich manchmal gar nicht traut zu lachen, weil man dann Gefahr läuft, die nächste Pointe zu verpassen. Und zwischendurch erwischt Nora Abdel-Maksoud einen dann eiskalt, wenn sich AfD-Sprache und woke Gedanken aufs Unangenehmste berühren.
Die 1983 in München geborene Autorin und Regisseurin hat die Stadt München nun mit ihrem alle drei Jahre vergebenen Theaterpreis ausgezeichnet. Dieser ist mit 10 000 Euro dotiert. „Hat München je eine Dramatikerin vom Format einer Marie-Luise Fleißer hervorgebracht?“, heißt es in der Jurybegründung, die die Antwort auch gleich mitliefert: „Nun. Hier ist sie: Nora Abdel-Maksoud.“
Die Theaterautorin würde „die sozialen Verwerfungen unserer Gesellschaft mitsamt ihren durch Ordnungs- und Herrschaftsformen verbeulten Menschen“ derart scharf ins Auge fassen, „dass man als Publikum zwischen dem Schmerz des Lachens und dem Schmerz der Bestürzung, der Empörung, der Wut nicht mehr unterscheiden kann“, so die Jury.
Abdel-Maksoud schreibt und inszeniert seit 2012 eigene Texte. Es sind Komödien, die sich immer wieder Themen um soziale Herkunft und soziale Ungerechtigkeit widmen. Für ihre Stücke wurde sie mehrfach gewürdigt. Ihre vorhergehenden Arbeiten „Jeeps“ und „Doping“ an den Kammerspielen sind zu Recht Publikumslieblinge. An ihnen zeigt sich – wie bei „Wokey Wokey“ auch – nicht nur ihre Qualität als Dramatikerin, sondern auch die als Regisseurin. Sie ist schlichtweg eine Königin des Timings.

