Konzern-PläneMünchner Nokia-Beschäftigte protestieren gegen Standort-Schließung

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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Nokia-Konzerns demonstrieren gegen die geplante Standortschließung in München.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Nokia-Konzerns demonstrieren gegen die geplante Standortschließung in München. (Foto: Robert Haas)

770 Mitarbeiter könnten in München ihren Job verlieren, wenn der finnische Konzern seine Ankündigung wahrmacht und den Standort dicht macht. Das Unverständnis über diesen Schritt ist groß – und die Angst, wie es weitergeht, auch.

An diesem Mittwochmittag haben zahlreiche Mitarbeitende auf dem Nokia-Gelände in Giesing demonstriert. Der Grund: Bis 2030 plant der Konzern die Schließung des Münchner Standorts an der Werner-Schlierf-Straße in Giesing. Der Münchner Infinera/Coriant-Standort sowie weitere Nokia-Büros europaweit sind ebenfalls betroffen. In München könnten 770 Beschäftigte ihren Job verlieren.

Eine von ihnen ist Silke H. Sie arbeitet sie seit 25 Jahren bei Nokia. Dass sie bis 2030 ihren Job verlieren könnte, macht ihr große Sorgen. Mit Anfang 50 könne sie nicht in Altersteilzeit gehen, sagt sie. Und einen neuen Job zu finden, sei schwer. Mit dem Abbau der Stellen verliere sie ihre finanzielle Sicherheit.

Die Nokia-Beschäftigten wollen die Schließung nicht einfach hinnehmen und haben sich deshalb, organisiert von der IG Metall, am Münchner Standort zu der Aktion zusammengefunden. Unter dem Motto:  „We stay“ – wir bleiben. Zu den Angestellten vor Ort schalteten sich via Livestream Nokia-Standorte in Frankreich, Griechenland und Italien dazu. In Frankreich sind 430 Arbeitsplätze bedroht, in Griechenland 200 und in Italien 110. An allen Standorten wird betont, dass schlüssige Argumente seitens des Unternehmens zu den geplanten Schließungen fehlen.

Der Konzern begründet den Abbau der Arbeitsplätze und die Schließung des Münchner Standorts mit seiner sogenannten globalen Standortstrategie, wie ein Nokia-Sprecher auf Anfrage der SZ mitteilte. Nokia konzentriere seine Investitionen auf wichtige Standorte bundes- und weltweit. München gehört nicht dazu.

Dabei biete die Stadt mit ihrer Infrastruktur, den Universitäten und der Nähe zu Forschungseinrichtungen ideale Bedingungen für Innovation, teilt Georg Geiger mit, Sprecher der IG-Metall-Mitglieder bei Nokia München. Das Büro in Giesing sei ein wichtiger Standort im Bereich der Forschung. Clemens Suerbaum, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Nokia Deutschland, betont, wie beunruhigt die Angestellten auch in den anderen deutschen Städten seien.

Also stehen nun alle auf dem Gelände von Nokia in München zusammen. „Hinter den Zahlen in der Excel-Tabelle stehen echte Menschen“, sagt Daniele Frijia, Geschäftsführer der IG Metall München und Mitglied im deutschen Nokia-Aufsichtsrat. Mit der Aktion auf dem Münchner Nokia-Gelände möchte die IGM das Ausmaß der Pläne von Nokia sichtbar machen. Zudem starteten Nokia-Beschäftigte eine Petition.

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