Stephan ZinnerDas ist der neue Fastenprediger auf dem Nockherberg

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„Das ist nichts, wo man Nein sagen kann“: Stephan Zinner, Schauspieler, Musiker und bald Prediger.
„Das ist nichts, wo man Nein sagen kann“: Stephan Zinner, Schauspieler, Musiker und bald Prediger. Florian Peljak

Stephan Zinner ist der Nachfolger von Maxi Schafroth. Der Mann kann weit mehr, als Söder zu doubeln.

Von Oliver Hochkeppel

Komisch war zumindest schon einmal die Begründung der Paulaner-Brauerei, warum man sich gegen die weitere Beschäftigung von Maxi Schafroth als Nockherberg-Fastenprediger und für Stephan Zinner als Nachfolger entschieden habe: Weil man 2026 wieder eine „klassischere“ Fastenrede wolle, ohne Gesangseinlagen und Musik. Witzig ist das deshalb, weil man Zinner bei einer Google-Suche zunächst als „deutschen Musiker“ findet. Er singt, spielt Gitarre und hat - im Gegensatz zu Schafroth - bereits mehrere Musikalben veröffentlicht.

Wer also ist dieser Mann, der nun als Nächster in die spätestens seit 1982 fast schon Herrscher-gleiche Genealogie der Fastenprediger eintritt? Eines ist sicher, der Begriff des Multitalents könnte für den 1974 im oberbayerischen Trostberg geborenen Stephan Zinner erfunden worden sein.

Schauspieler ist sein erlernter Beruf. Er machte seine Ausbildung nach dem Abitur an der privaten Münchner Schauspielschule Zerboni. Nach dem Abschluss kam er erst zum Landestheater Salzburg, danach wurde er Ensemblemitglied bei den Münchner Kammerspielen. Sein Kino-Debüt gab er 2006 in der preisgrönten Low-Budget-Produktion „Shoppen“, es folgten Rollen in den Rosenmüller-Filmen „Beste Zeit“, „Räuber Kneissl“ und „Die Perlmutterfarbe“ sowie in Matthias Kiefersauers „Baching“. Richtig populär wurde er seit 2013 als Metzger Simmerl in den Rita-Falk-Verfilmungen der Eberhofer-Krimis.

Bekannt hat ihn freilich schon zuvor das Fernsehen gemacht. Vor allem in Krimi-Serien war er in allen möglichen Rollen oft zu sehen, von den „Rosenheim-Cops“, „SOKO München“ oder „Der Alte“ bis zu „München Mord“ und diversen „Tatort“-Folgen. Seit 2021 stellt Zinner mit Johanna Wokalek das Münchner Ermittlerteam beim „Polizeiruf 110“.

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Schon seit 2000 aber zieht es Zinner auch auf die Kabarettbühnen.  Sechs Programme sind bislang entstanden, immerhin konnte Zinner dafür auch schon den Bayerischen und den Deutschen Kabarettpreis einheimsen, in den Sparten Musik und Sonderpreis. Denn Zinner gestaltet auch seine Solo-Programme musikalisch, wenn er nicht sowieso mit Band oder im Duett mit Hannes Ringlstetter, Mathias Kellner oder Stefan Leonhardsberger spielt.

Mit dem österreichischen Kollegen Eberhartinger hat er sich insbesondere mit Kaffeehaus-Literatur beschäftigt. Was uns zum Autor Stephan Zinner führt. Drei Bücher hat er bislang veröffentlicht, „Flugmango“, „Die Badewanne des Todes“ und im vergangenen Herbst „Prachtexemplar“. Anders als bei vielen Kabarett-Kollegen sind seine Bücher keine Textfassungen der Bühnenprogramme, sondern ganz eigenständige Kurzgeschichten-Sammlungen.

Auch als Musiker ist Zinner häufig unterwegs.
Auch als Musiker ist Zinner häufig unterwegs. Toni Heigl

Fastenredner Zinner kann auch Literatur

Der Untertitel von „Prachtexemplar“ illustriert die Themen, um die Zinners litarisches Werk kreist, das in dieser Form tatsächlich schwer auf die Bühne passen würde: „Geschichten zwischen Bühne, Baumarkt und Familientisch“. Biografischer als in seinen anderen Rollen geht es da also um den Alltag als Mann, Bayer, Angehöriger der Generation X, Gatte einer Neurochirurgin und Vater von zwei Töchtern und einem Sohn. Die Familie ist die wichtigste Projektionsfläche.

Vielleicht ist Familie auch ein Stichwort bei der Zusage zum Fastenprediger. Denn Zinner gehörte ja schon von 2006 bis 2019 fest zum Nockherberg-Team, als Markus-Söder-Darsteller. Obwohl Söder da gerade Ministerpräsident geworden und damit sozusagen zur Hauptrolle geworden war, hörte Zinner damals auf: „Ich dachte mir, ich hab ihn jetzt lange genug gespielt, das reicht. Und wollte mich auf andere Sachen konzentrieren.“

Als das Angebot für den Fastenprediger kam, habe er nicht lange überlegt: „Das ist nichts, wo man Nein sagen kann. Und das fragen sie dich sicher auch nur einmal. Was das alles mit sich bringt, auch den Druck, das werde ich noch früh genug erfahren.“ Dass der Posten ein Schleudersitz ist, wie man an seinem Vorgänger Maxi Schafroth sehen kann, hat ihn nicht abgeschreckt: „Das ist der schleuderigste von allen Sitzen. Du kannst es da sowieso nie allen recht machen. Aber das ist ehrlich gesagt auch genau das, was mich reizt.“ Lustig findet er in jedem Fall diesen Rollenwechsel: „Früher habe ich bei der Fastenpredigt vor unserem Singspiel immer nur gedacht: ‚Mei, hoffentlich ist er – oder sie – bald fertig‘. Jetzt dürfen sich das die anderen bei mir denken.“

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