Schon einmal auf die Schuhe des Bundesinnenministers geachtet? Alexander Dobrindt (CSU) trägt nämlich recht schicke Modelle. Sagt zumindest Wowo Habdank. Und der wird es wissen, denn die Person Dobrindt hat er die letzten Monate studiert. Der Schauspieler muss, nein, hat die Ehre, den Bundesinnenminister Anfang März beim Singspiel auf dem Nockherberg zu persiflieren. Zuvor hatte er jahrelang den Anton Hofreiter (Grüne) gegeben, eine ganz andere Persona. Aber eine Gemeinsamkeit, die haben sie dann doch alle drei, der Dobrindtalex, der Hofreitertoni und der Schauspieler selbst: einen ähnlichen Schuhgeschmack.
Es ist Mittwochmittag im Paulaner im Tal, das offiziell auch etwas apostrophenlastig „Herr’schafts’zeiten“ genannt wird. Hinten im Wirtshaus, in einem großflächigen, provisorisch eingerichteten Separee, kommen sie alle zusammen, die Schauspieler, die am 4. März das Politiker-Singspiel auf dem Nockherberg bestreiten werden. Lassen sich fotografieren, lehnen sich an Stehtische und reden dabei, so wie Habdank, frei über ihre Rollen. So frei halt, wie sie es dürfen, wenn vom Singspiel eigentlich noch nichts an die Öffentlichkeit dringen soll.
Das ist selbstredend ein unmöglicher Spagat. Und am meisten spreizt sich Thomas Limpinsel, der in den vergangenen Jahren Robert Habeck (Grüne) spielte. Dieses Jahr ist er wieder dabei, die Rolle aber? Darf bislang nicht genannt werden. Kann er keinen Hinweis geben, zumindest sagen, ob Kommunal- oder Bundespolitik? „Leider nichts“, sagt er, die Augen hinter der markanten Brille deuten dabei viel mehr an. Er fügt aber netterweise noch hinzu: „Es ist der diametrale Gegensatz zum Davor.“ Und dass das ganze Einstudieren der Reden, dass der banale Politsprech ihn auch mal wütend und schlecht gelaunt gemacht hat, sagt er auch.
Verglichen mit den vergangenen Singspielen bleibt vieles wie gehabt: Thomas Unger ist Markus Söder (CSU), Stefan Murr wird zum Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und der ewige Gerhard Wittmann bleibt der ewige Dieter Reiter (SPD). Nikola Norgauer, die 2025 den Noch-Kanzler Olaf Scholz (SPD) spielte, ist heuer dessen Parteikollegin und Arbeitsministerin Bärbel Bas. Die wohl größte, aber schon bekannte Neuerung: Stephan Zinner, der lange selbst den Söder spielte, ist der neue Fastenredner und folgt damit auf Maxi Schafroth, der einem zuletzt in „Zweigstelle“ von der Kinoleinwand entgegenblickte.
Auch wieder dabei ist Sina Reiß als Katharina Schulze von den Landesgrünen. Schulze wurde letztes Jahr 40 und darf damit in Bayern theoretisch Ministerpräsidentin werden, mindestens so wichtig aber: Auch Sina Reiß wurde letztens Jahr 40. „Gemeinsam sind wir jetzt also 80“, sagt Reiß. „Und das ist ein Alter, in dem noch sehr vieles möglich ist.“ Sie werde Schulze jedenfalls mit sehr viel Elan spielen.
David Zimmerschied spielt im März schon zum vierten Mal Friedrich Merz (CDU), zum ersten Mal aber als Kanzler. Der CDU-Mann, sagt Zimmerschied, habe ja etwas ganz Eigenes, manchmal leicht Schrulliges. In Mimik, Gestik, Duktus. Und dann seien da die ganzen Fehltritte und misslungenen Aussagen, die einem Persiflierer zugutekommen. An den Kanzler gerichtet sagt er: „Alle Ausrutscher sind herzlich willkommen, Herr Merz.“
Das ist bitterböse. Und mordslustig. So wie die meisten Aussagen, die die Schauspieler über die echten Menschen hinter ihren Figuren treffen. Aber wenn man genau hinhört, dann sind sie auch alle froh drum, dass sie so hart austeilen können, wie sie das qua Amt nun einmal tun müssen. Habdank, der neue Dobrindt, sagt etwa: „Für mich ist der Nockherberg auch ein Fest der Demokratie, ein Fest der Freiheiten in unserem Land. In Putins Russland wären wir, die Schauspieler, schon alle einen Kopf kürzer.“

