Neuperlach:Ein neues Quartier für die Stadt

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Neuperlach: Ein Standort wandelt sich: Wo früher die Allianz ihren Sitz hatte, soll jetzt ein gemischtes Quartier errichtet werden.

Ein Standort wandelt sich: Wo früher die Allianz ihren Sitz hatte, soll jetzt ein gemischtes Quartier errichtet werden.

(Foto: Gino Dambrowski)

In den Türmen an der Fritz-Schaeffer-Straße waren jahrelang die Büros der Allianz untergebracht. Jetzt sollen dort bald 200 Wohnungen, Läden und eine Kita entstehen. Doch es gibt auch Kritik an dem Projekt.

Von Patrik Stäbler

Im Herzen Neuperlachs zwischen den Einkaufstempeln Pep und Life soll ein neues Quartier entstehen - mit 200 Wohnungen, Büros, kleinteiligen Läden und einer Kindertagesstätte. Aktuell stehen auf dem Grundstück an der Fritz-Schäffer-Straße zwei gewaltige Bürogebäude, die einst Heimat der Allianz Versicherung waren und 2020 von der weltweit tätigen Immobilienfirma Hines erworben wurden. Das neuere der beiden Häuser im Westen des Areals wird derzeit umfassend saniert, wobei die Geschossfläche von 32 000 auf 40 000 Quadratmeter ansteigt. Das östliche Gebäude - hier ist seit Herbst das Zwischennutzungsprojekt Shaere beheimatet - soll dagegen abgerissen und durch mehrere Neubauten ersetzt werden, darunter ein 60 Meter hohes Hochhaus an der Kreuzung von Albert-Schweitzer- und Ständlerstraße.

Die Grundzüge dieses Vorhabens hat der Planungsausschuss des Stadtrats nun in einem fast einstimmigen Eckdatenbeschluss festgelegt. In einem nächsten Schritt sollen bei einem städtebaulichen Workshop-Verfahren Konzepte für das neue Quartier entwickelt werden. Diesen Weg nannte Heike Kainz (CSU) einen "guten Ansatz". Auf Antrag der Fraktionen von Grünen/Rosa Liste und SPD/Volt beschloss der Ausschuss, dass zu Beginn des Verfahrens noch offen bleibt, ob das östliche Gebäude ganz abgerissen wird oder teilweise erhalten bleiben kann.

Ebenfalls Zustimmung erhielt eine Anregung der CSU, wonach man bei Läden und Gastronomie die Nähe zum Pep berücksichtigen müsse. Keine Mehrheit fand dagegen ein Antrag der Fraktion Die Linke/Die Partei, die den Verzicht auf ein Hochhaus und weniger Baumasse zugunsten von mehr Freiflächen gefordert hatte.

Laut Eckdatenbeschluss soll der bisherige Bürostandort zwischen den U-Bahnhöfen Neuperlach Zentrum und Quiddestraße zu einem "durchmischten, offenen und gut durchgrünten Quartier mit einem vielfältigem Freiraumangebot" werden. Insgesamt ist auf dem 3,3 Hektar großen Areal eine Geschossfläche von 110 000 Quadratmetern vorgesehen. Statt der bisherigen reinen Büronutzung sollen in dem neuen Quartier auch 190 bis 230 Wohneinheiten sowie Platz für eine Kita mit je zwei Krippen- und Kindergartengruppen, Gastronomie, kleinteiliger Einzelhandel sowie "gegebenenfalls kulturelle Nutzungen" vor allem in den Erdgeschossen entstehen.

Die Zwischennutzung mit der Kulturlandschaft Shaere soll möglichst erhalten bleiben

Der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach (BA) hat durchaus Kritik an den Plänen, sagte dessen Vorsitzender Thomas Kauer (CSU) bei der Bürgerversammlung. So hätte man sich bei einem Bauvorhaben dieser Größe und Bedeutung für den Stadtteil eine frühere Einbindung gewünscht. Denn nun, da die maximale Geschossfläche bereits feststehe, könne der BA hinsichtlich der verträglichen Baumasse nicht mehr mitreden, so Kauer. Zudem treibe das Gremium die Sorge vor einer "Schluchtenbildung" um. Auch die zwei Brücken zum Grundstück sowie die Entwicklung der Ständlerstraße, wo ein Radweg und eine Tramverbindung im Gespräch sind, müssten bei der Planung berücksichtigt werden.

Mit Blick auf das Workshop-Verfahren fordere der Bezirksausschuss eine Bürgerbeteiligung noch vor dem Wettbewerb, betonte Wolfgang Thalmeir (CSU), Vorsitzender des BA-Unterausschusses für Bauvorhaben. "Bei so einem großen Projekt wäre das wichtig." Als weiteres Anliegen nannte Bärbel Girardin (Grüne) in der BA-Sitzung den Erhalt der Bildungs- und Kulturlandschaft Shaere sowie der Community Kitchen, der aktuellen Zwischennutzerinnen im östlichen Gebäude. "Alle, die da waren, sind begeistert von dem, was da gerade entsteht." Wobei zumindest Wolfgang Thalmeir davon ausgeht, dass die Bagger an der Fritz-Schäffer-Straße noch nicht allzu bald anrollen werden: "Das wird sicher noch vier, fünf Jahre dauern."

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