Kulturzentrum in Neuperlach:Das Dach soll schweben

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Der Stadtrat macht einen wichtigen Schritt in Richtung Baustart des seit Jahrzehnten angekündigten Kultur- und Bürgerhauses. Ob die spektakuläre Konstruktion allerdings realisierbar ist, muss sich noch zeigen.

Von Patrik Stäbler

Nächstes Jahr feiert der Hanns-Seidel-Platz 50. Geburtstag. Und fast ebenso lange wartet man in Neuperlach nun schon darauf, dass das 1973 nach dem früheren Ministerpräsidenten benannte Areal zu einem echten Zentrum des Viertels wird. Was allem voran fehlt, ist das seit Jahrzehnten angekündigte Kultur- und Bürgerhaus. Nach diversen Wettbewerben, Entwürfen und Versprechungen, aber noch mehr Rückziehern, Verzögerungen und Enttäuschungen hat der Stadtrat nun einen Schritt in Richtung Baustart gemacht.

So beschloss er in der letzten Sitzung des Jahres nicht nur, das zwischenzeitlich ausgesetzte Vergabeverfahren abzuschließen. Sondern die Vollversammlung bewilligte auch vier neue Stellen im Rathaus und 1,5 Millionen Euro, um nächstes Jahr in die Bauplanung einzusteigen. Bis die Bagger anrollen, wird es aber noch etwas dauern; so soll auf dem Gelände zunächst von Mitte 2023 bis 2026 eine "Zwischennutzung mit kulturellen, sozialen und gastronomischen Angeboten" entstehen.

"Ich bin glücklich, dass wir beim Thema Hanns-Seidel-Platz jetzt endlich eine zeitliche Schiene bekommen", sagte Christian Smolka (Grüne). "Auf einer Reise, die der Stadtteil mehr als 50 Jahre ohne Kulturzentrum gemacht hat, sind wir noch nicht auf den letzten 100 Metern - aber wir bewegen uns in diese Richtung." Gebaut werden soll das Kultur- und Bürgerhaus auf Basis der Entwürfe des Wiener Büros Delugan Meissl mit EGKK Landschaftsarchitekten, die aus einem 2013 ausgelobten Wettbewerb als Sieger hervorgingen. Als Bauherr tritt die Stadt selbst auf, nachdem die Suche nach einem Investor erfolglos verlief - auch das ein Grund für die jüngsten Verzögerungen.

Die Statik war nicht Gegenstand der jüngsten Machbarkeitsstudie

Die Pläne sehen einen Turm mit 15 Stockwerken vor, der mit zunehmender Höhe schmaler wird. Dazu kommt ein architektonisch spektakuläres Flugdach als Markenzeichen. Ob dieses aber tatsächlich realisiert wird, ist noch offen. Denn entgegen der ursprünglichen Planung kann das Flugdach nicht auf dem benachbarten Bauwerk aufliegen. Vielmehr müsste es "zur Gänze fliegen", sagte Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU), "was es wahrscheinlich teurer machen würde". Die Frage, ob eine freitragende Konstruktion statisch überhaupt möglich ist, sei nicht Gegenstand der jüngsten Machbarkeitsstudie gewesen, betonte sie. Vielmehr habe diese untersucht, ob sich alle beantragten Nutzungen in dem Gebäude unterbringen ließen.

Die Studie zeigt nun, dass dies der Fall ist. Und: dass obendrein auch die gewünschte Vollgastronomie in dem Gebäude Platz finden würde. Sie wäre demnach im Unter- oder Erdgeschoss vorgesehen, inklusive Terrasse. Des Weiteren sollen in dem Gebäude das Kulturzentrum mit einem Saal für 500 Gäste samt Pausengastronomie sowie je eine Filiale von Stadtbibliothek und Volkshochschule unterkommen. Ergänzt wird dies durch ein Familien- und Beratungszentrum, einen Nachbarschaftstreff, das Sozialbürgerhaus und ein Bürgerbüro. Die "publikumswirksamen Nutzungen" wie das Kulturzentrum, Bibliothek und VHS sollen nach den Plänen des Rathauses "aus einem erweiterten, mehrgeschossigen Foyer gut und barrierefrei auffindbar und auch zu unterschiedlichen Zeiten nutzbar sein". Eine mögliche Verteilung der Einrichtungen im Gebäude wurde im Rahmen der Machbarkeitsstudie ermittelt. Jedoch sei darüber noch nicht final entschieden, sagte Kristina Frank.

In Neuperlach ist der Beschluss des Stadtrats naturgemäß erfreut zur Kenntnis genommen worden. Allerdings werde man angesichts der bisherigen Erfahrungen mit dem Kultur- und Bürgerhaus "keinesfalls in Euphorie ausbrechen", sagt Erwin Bohlig (CSU), der als Kulturexperte im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach die Planungen seit mehr als 25 Jahren verfolgt. "Es gab Zeiten, da hat man sich schon mit der Einrichtung und Dekoration des Gebäudes beschäftigt, weil man dachte, jetzt geht's los", sagt Bohlig, der von einer "unendlichen Geschichte" spricht. Ohnehin wird nun erst mal ein Interimsgebäude auf dem Hanns-Seidel-Platz entstehen - nicht das erste seiner Art. "Nichts hält bekanntlich länger als ein Provisorium", sagt Erwin Bohlig. So habe der letzte Interimsbau, der 2018 abgerissen wurde, stolze 16 Jahre lang Bestand gehabt.

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