Fritz ist wieder auf dem Vormarsch. Nachdem er jahrzehntelang zu den häufigsten deutschen Babyvornamen gezählt hatte, folgte von 1965 bis 1999 eine „Fritz-Flaute“, wie es Statistiker nannten. Seither jedoch zeigt die Kurve wieder nach oben; so lag Fritz im Vorjahr immerhin auf Platz 66 der meist vergebenen Vornamen hierzulande.
Und demnächst soll in München ein weiterer Fritz die Welt erblicken – jedoch kein Bub, sondern ein neues Quartier in Neuperlach. Für diesen „Fritz District", so hat der Investor sein Projekt an der Fritz-Schäffer-Straße getauft, hat der Planungsausschuss des Stadtrats nun das offizielle Planungsverfahren gestartet. Demnach soll sich das 3,4 Hektar große Grundstück mit seinen derzeit zwei großen Bürokomplexen in ein gemischtes Quartier mit immer noch viel Büroflächen, aber auch 325 Wohnungen, einer Kita sowie Flächen für Einzelhandel, Gastronomie und Kultur verwandeln.
Das westliche der beiden Gebäude, die bis 2020 ein Standort der Allianz-Versicherung waren, hat die US-Immobilienfirma Hines bereits saniert, umgebaut und vermietet. Nun will man sich in einem zweiten Schritt den anderen Komplex vornehmen, der bis zum Herbst das Zwischennutzungsprojekt „Shaere“ beheimatete.
Im Planungsausschuss nannte Stadtbaurätin Elisabeth Merk das Vorhaben ein „Modellprojekt“, bei dem „ein Klopper aus den Siebzigerjahren“ unter anderem für den Wohnungsbau umgenutzt werde. Allseits gelobt wurde dabei, dass das Bestandsgebäude – anders als ursprünglich vorgesehen – nicht abgerissen wird, sondern zu zwei Dritteln erhalten bleiben soll. „Das macht für uns diesen Bebauungsplan unglaublich spannend“, betonte Simone Burger (SPD). Laut ihrem Stadtratskollegen Christian Smolka (Grüne) zeigt der „Fritz District“, „wie gute Stadtplanung funktioniert, wenn man bestehende Gebäude neu nutzt und dort nachverdichtet, wo Flächen bereits versiegelt sind.“
Die Pläne für das neue Stadtquartier zwischen dem Einkaufszentrum Pep und der Ständlerstraße stammen vom Büro Site Practice aus Amsterdam und den Landschaftsarchitekten von ZUS aus Rotterdam. Ihr Entwurf ging bei einem Wettbewerb als Sieger hervor, ehe er in einem Workshop überarbeitet wurde – nicht nur von den Architekten aus Holland, sondern auch von den Büros Pool Architekten, Robert Neun und Mad Arkitekter, deren Ansätze die Jury ebenfalls prämiert hatte. Im Ergebnis sehen die Pläne vor, dass der bestehende Bürokomplex wie mit einer Schere aufgetrennt wird. Dadurch – und ergänzt durch Um- und Neubauten – entstehen auf dem Gelände neun unterschiedliche Bauten, „Fritz 1“ bis „Fritz 9“. Letzteres ist der freigestellte Kern des Bestandsgebäudes und das Herz des neuen Viertels. Am markantesten ist freilich „Fritz 6“ – ein 60 Meter hoher Turm an der Ecke von Ständler- und Albert-Schweitzer-Straße, der dem Rathaus zufolge als „prominente Erkennungsmarke“ dienen soll.
0,3 Parkplätze pro Wohnung? „Autofeindliche Stadt“, lästert ein CSU-Stadtrat
Im Planungsausschuss entspann sich noch eine Debatte über den vorgesehenen Stellplatzschlüssel von 0,3 Parkplätzen je Wohnung. Grundsätzlich gilt in München ein Schlüssel von 1, also einem Parkplatz pro Wohnung. Der kann aber in Absprache mit der Stadt und mit Mobilitätskonzepten deutlich gesenkt werden. Fabian Ewald (CSU) sah in dem reduzierten Schlüssel „grüne Bevormundungspolitik, was Mobilität angeht“ und kritisierte: „Was Sie hier planen, ist eine autofeindliche Stadt.“ Demgegenüber gab Brigitte Wolf (Linke) zu bedenken, dass die von der CSU geforderte Erhöhung des Stellplatzschlüssels ein zusätzliches Parkhaus nötig mache, wodurch wiederum Wohnungen wegfallen würden. Derweil betonte Stadtbaurätin Merk, dass der Beschluss lediglich die Aufstellung eines Bebauungsplans einläute. „Es werden noch weitere Gutachten kommen“, sagte sie. „Und wir werden die Stellplatzfragen sicher weiter beleuchten.“

Letztlich votierte der Ausschuss fast geschlossen für die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Gegenstimmen kamen lediglich von der München-Liste, für die Dirk Höpner zuvor die Dichte und Höhe der geplanten Bebauung kritisiert hatte.
Die Grünen hoben hervor, dass im „Fritz District“ neben Wohnraum für unterschiedliche Einkommensgruppen auch 100 Apartments mit besonderen Grundrissen für Atelier- und sogenannte Clusterwohnungen geplant seien. Letztere sind private Kleinstwohnungen mit eigenem Bad, die um Gemeinschaftsflächen wie ein Wohnzimmer und eine Küche gruppiert sind. „Die Vorteile liegen in der Kombination von Privatsphäre und Miteinander, Kosteneffizienz und einer ressourcenschonenden Nutzung von Wohnraum“, heißt es vom Planungsreferat. Demnach seien solche Clusterwohnungen auch für Senioren- und Mehrgenerationenwohnen geeignet.

