Süddeutsche Zeitung

Kommunaler Wohnungsbau:"Ich weiß nicht, warum da nichts passiert"

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Die Stadt will an der Klara- und Marsstraße in Neuhausen preisgünstige Wohnungen errichten. Aber es geht nichts voran - seit zwölf Jahren.

Von Ulrike Steinbacher

Die einen bauen teuer, die anderen bauen gar nicht. Beides zusammengenommen verschärft die angespannte Situation auf dem Münchner Mietwohnungsmarkt. Fallbeispiele gibt es zuhauf, an der Klarastraße in Neuhausen liegen zwei davon nah beieinander.

Da ist auf der einen Straßenseite der Komplex mit der Hausnummer 10: Die katholische St. Antonius-Stiftung errichtet dort 50 Wohnungen mit Kaltmieten zwischen 21,70 und 24,70 Euro pro Quadratmeter. Das städtische Grundstück gleich gegenüber liefert das Gegenbeispiel. Die Klarastraße 11 und das östlich davon gelegene Anwesen Marsstraße 76 bilden gemeinsam ein schlauchförmiges Areal, das mit günstigen Wohnungen bebaut werden soll. Gesprochen wird darüber seit 2010, geschehen ist dort bisher nichts. "Ein sehr zähes Projekt", seufzt Anna Hanusch, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Stadtrat und des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg. "Ich weiß nicht, warum da nichts passiert."

Zuständig ist die städtische Wohnungsgesellschaft GWG, die ankündigt, sie werde dieses Frühjahr mit dem Bau von 37 günstigen Wohnungen in einem Haus an der Marsstraße und einem Rückgebäude beginnen. 16 Wohnungen sollen im "München Modell Miete" entstehen, 21 mit einkommensorientierter Förderung (EOF). "Die Fertigstellung des Bauvorhabens ist für Ende des Jahres 2023 geplant", teilt GWG-Pressesprecher Michael Schmitt mit.

Allerdings: Die GWG hatte den Baubeginn auch schon für Mai 2020 und für Sommer 2021 angekündigt. Daraus wurde nichts, unter anderem "aufgrund von Baubeschränkungen zugunsten eines Nachbarn", wie Schmitt schreibt. Was das heißt, erklärt er nicht: Man könne "keine Vertragsinhalte an externe Dritte" geben, aus datenschutzrechtlichen Gründen. Offenbar geht es aber um eine Dienstbarkeit, ein Geh- und Fahrtrecht, wie Stadtbaurätin Elisabeth Merk Ende 2020 auf eine Anfrage der Linken im Stadtrat erläutert hat.

Ursprünglich war auf dem Gelände an der Klarastraße 11 ein Betriebshof des Baureferats untergebracht, 2004 beschloss der Stadtrat die Schließung. An der Marsstraße 76 lagen die zugehörigen Betriebswohnungen. Die letzten Bewohner zogen dort Ende 2009 aus, das Gebäude verfiel, 2013 ließ das Kommunalreferat es abreißen. Im April 2015 beauftragte der Stadtrat die GWG, an der Marsstraße Wohnungen zu bauen. Im Lauf der Planung kamen die Verantwortlichen aber zu dem Schluss, dass die Baulücke für ein vernünftiges Projekt zu klein ist. Daher kam 2019 - also weitere vier Jahre später - das Grundstück Klarastraße dazu.

Dort liegt ein Straßenreinigungsstützpunkt, der dem Bauvorhaben bisher noch zusätzlich im Weg steht. Er soll langfristig wahrscheinlich an die Ecke Heßstraße/Schwere-Reiter-Straße umziehen, teilt Maren Kowitz mit, die Sprecherin des Kommunalreferats. Vorübergehend werde er ins Kreativquartier an der Dachauer Straße verlegt.

Darauf fußt der Zeitplan der GWG: Wenn der Stützpunkt bis Ende April verschwunden sei, erklärt Pressesprecher Schmitt, könne man danach mit den Abbrucharbeiten beginnen. Beim Kommunalreferat wiederum wartet man jetzt auf den Projektmanagementvertrag der GWG für den Interimsstandort. Sobald der Entwurf vorliege, so Kowitz, "kann der Zeitplan für den Umzug festgelegt werden".

"Die Optimierung des Projektes erforderte zahlreiche, zeitintensive Abstimmungsprozesse", hatte Stadtbaurätin Merk auf die Linken-Kritik von 2020 am langen Planungsvorlauf resümiert. Die Privaten kommen da deutlich schneller voran: Die Mietwohnungen der St. Antonius-Stiftung auf Hausnummer 10 werden dieses Frühjahr fertig. Die Rohbauarbeiten hatten im März 2020 begonnen.

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