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Pläne für den Sendlinger-Tor-Platz:"Wir haben uns was Mutigeres vorgestellt"

Bauprojekt an prominenter Stelle: Künftig soll ein Geschäftshaus an der Lindwurmstraße 1 die Lücke zu den Nachbarn schließen. Umgesetzt wird eine zurückhaltende Variante. Simulation: Falk von Tettenborn Architekten

  • Für den Neubau an der Lindwurmstraße 1 muss sich der Architekt an einen strengen Bebauungsplan von 1979 halten.
  • Bisher steht dort ein dreigeschossiges Gebäude, das abgerissen wird. Der Neubau soll die Lücke zu den sechsgeschossigen Nachbargebäuden schließen.
  • Die Stadtgestaltungskommission hat sich nun mit dem Entwurf befasst.

Die Fassade muss mehr Wandflächen als Fensterflächen haben, die Fenster müssen hochformatig sein und vom zweiten bis zum vierten Obergeschoss gleich aussehen: Das sind nur einige der Vorgaben aus dem ungewöhnlich detaillierten Bebauungsplan 1069 vom 9. Februar 1979, der für das Haus mit der Adresse Lindwurmstraße 1, direkt am Sendlinger-Tor-Platz, gilt.

Für den Architekten, der an der Stelle neu bauen soll, ist der rechtsverbindliche Bebauungsplan ein Korsett. Soll er sich dem Korsett fügen und versuchen, im Detail zu glänzen? Oder versuchen, so viel wie möglich herauszuholen, gar das Korsett sprengen? Über diese Fragen hat am Dienstagabend die Stadtgestaltungskommission debattiert, nachdem der Münchner Architekt Falk von Tettenborn seinen Entwurf für ein Geschäftshaus an dieser Stelle präsentiert hatte.

Gebaude Lindwurmstraße 1

Derzeit steht an der Lindwurmstraße 1 ein dreistöckiges Gebäude.

(Foto: Florian Peljak)

Bisher steht dort noch ein dreigeschossiges Gebäude, in dem unter anderem das Geschäft "Klavier Hirsch" seinen Sitz hatte, das an die Tegernseer Landstraße umgezogen ist. Das Haus wird abgerissen, der Neubau soll die Lücke zu den sechsgeschossigen Nachbargebäuden schließen. Unten führt das neue Gebäude die aus der Lindwurmstraße kommende Arkade weiter bis zum Sendlinger-Tor-Platz. Die Säulen im Erdgeschoss sollen mit Muschelkalk mit leichtem Roteinschlag verkleidet werden, die Werbung für die Geschäfte soll dezent in Metallkästen darüber installiert sein. Oben orientiert sich das Dach an den Nachbargebäuden, auch indem es keine Fenster hat. Dennoch verbergen sich im Dach zwei Geschosse, "wir belichten da über einen Dachfirst aus Glas", erläuterte Tettenborn.

Piero Bruno aus Berlin gehört zu den zehn Architektinnen und Architekten in der Stadtgestaltungskommission, die den Stadtrat zu bedeutenden Architekturprojekten berät. Sein Urteil fiel wenig freundlich aus: "Ich war überrascht von den präzisen Vorgaben des Bebauungsplans. Wenn das das Ergebnis ist, dann müssen wir ein paar Schrauben lockern", sagte Bruno und sprach die Empfehlung aus: "Machen Sie sich ein bisschen frei, und versuchen Sie es noch einmal." Daniel Fügenschuh aus Innsbruck ergänzte: "Alles, was vom Bebauungsplan abweicht, ist interessant. Ich hätte mir noch ein bisschen mehr Eigenheit in der Gestaltung, ein bisschen Ironie vorstellen können."

Den ursprünglichen Entwurf mit einem Glasdach zog der Bauherr zurück, weil er dafür wohl keine Genehmigung bekommen hätte. Simulation: Falk von Tettenborn Architekten

Es gab aber auch entgegengesetzte Urteile. Christoph Sattler etwa, ebenfalls Architekt und als Vertreter der Akademie der Schönen Künste in der Kommission, lobte "die vertikale Gliederung der Elemente". Er würde sich ein noch "etwas deutlicheres Relief" in der Fassade wünschen, sagte Sattler, "aber ich gratuliere zu dem Entwurf". Letztlich nahm die Kommission den Entwurf mit breiter Mehrheit bei drei Gegenstimmen "zustimmend zur Kenntnis", mit dem Zusatz, der Architekt solle versuchen, trotz der Regelungen von 1979 die Fassade konkreter auszubilden.

Falk von Tettenborn merkte an, es habe schon auch einen anderen Entwurf gegeben. Auf seiner Homepage sind Bilder von einem Bau mit geschwungenem Glasdach zu sehen. "Wir haben uns was Mutigeres vorgestellt", sagt Bauherr Stefan Legat. Er ist Chef der Firma Legat Living, die vor allem für Luxus-Wohnbau bekannt ist. Ein aktuelles Projekt ist der Umbau des ehemaligen Gefängnisses am Auer Mühlbach. Rechtlich hätte die Stadt dem Bauherrn eine Befreiung vom Bebauungsplan erteilen müssen, um das Projekt genehmigen zu können. "Aber das hätten wir nie bekommen", sagt Legat. "Dann haben wir uns eben stoisch an den Bebauungsplan gehalten."

Ein Vertreter des Planungsreferats bestätigt dazu nur, es habe Gespräche mit dem Bauherren über Varianten gegeben. Im Ergebnis sei der nun vorliegende Entwurf eingereicht worden. Den Bauantrag wird Legat noch weiter begleiten. Das Haus bauen wird dann aber ein anderes Unternehmen. Legat hat das Projekt verkauft: "Wir sind ja eigentlich Wohnbauer und hätten uns da auch hauptsächlich Wohnungen vorstellen können, aber mehr als zwei Stockwerke wären nicht gegangen." Den Namen des Käufers nennt Legat nicht, es handele sich aber um einen seriösen Bestandshalter, das Unternehmen werde das Projekt im Kern so umsetzen, wie es nun fertig geplant werde. Es soll sich, ist zu hören, um einen Münchner Versicherungskonzern handeln.

© SZ vom 23.01.2020/vewo
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