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München:Neuartige Begegnungen

Was für ein Schreck. Abstandsvergessen den Aushang an der Scheibe der winzigen Osteria Bacaro am Pasinger Bahnhof studiert: "... wir sind für Sie trotzdem immer da zum mitnehmen von 11:00 Uhr bis ...". Und dann: hektisches Klopfen. Vor der eigenen Nase. Von innen rückt die blondierte Padrona mit dem Besen im Anschlag das Gesicht ans große Fenster: "Scusa, scusa! Wir dürfen dich nicht reinlassen. Komm wieder, biiitte, biiitte, wenn alles ist vorbei." Sie lächelt schief und zeigt auf die handschriftliche Speisekarte für die Zeit bis dahin. "Kommst du?" Am liebsten gleich. "Vergeß nicht uns. A presto!"

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Wer mangels Zeit auf kürzestem Weg eine Portion Frischluft braucht, dem sei eine Runde um die St.-Benno-Kirche empfohlen. Dort bläst einem in fünf Minuten des Schlenderns so viel Wind um die Ohren, dass man sich beim Heimkommen wohlig entspannt und durchgelüftet fühlt wie nach einem Zwei-Stunden-Spaziergang. Im Übrigen ist der sakrale Bau einfach eine Pracht, auch um In-sich-zu-Gehen.

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Richtig freundlich und sehr kompetent: So ist der Herr am Telefon. Leicht besorgt hat man die Corona-Hotline der Stadt angerufen. Geduldig fragt der Mann alles ab, die möglichen Risiko-Begegnungen, ob man Risiko-Patient sein könnte, und natürlich die Symptome. Lässt sich Zeit. "Haben Sie Fieber?" "Nein, an die 37,6." "Nööö, keine Sorgen machen, Fieber von 38 Grad an aufwärts ist relevant." Auch dass man keinen Husten hat, kommt an: "Sehr gut, nur ein starker, trockener Husten, ist ein ganz wichtiges Symptom." Alles im Lot also. Darf man wieder anrufen? "Klar, immer. Und alles Liebe!"

© SZ vom 02.04.2020 / ands, anna, ole

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