Viele Autofahrer kennen das: Plötzlich lotst einen das Navi vom Hauptstraßennetz auf Schleichwege mitten durch Wohngebiete mit schmalen Straßen. Und die meisten Ortsfremden folgen den Anweisungen des Algorithmus, sehr zum Ärger von Anwohnern in den betroffenen Quartieren.
Das Problem ist nicht neu. Schon seit Jahren hagelt es Beschwerden, seit Jahren berichten Medien über das Ärgernis, doch die meisten Navigations-Anbieter ficht das nicht an. Sie beharren auf dem Standpunkt: Solange eine Straße legal befahren werden kann und sie die schnellste Route darstellt, bleibt sie im System. Die Grünen im Stadtrat wollen das nun ändern. Sie fordern per Antrag, dass die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Anbietern und Entwicklern von Navigationssystemen das Problem aus der Welt schafft. Das Mobilitätsreferat stehe bereits mit Anbietern und Autofirmen in Kontakt, dieser solle intensiviert werden. Bei den Autofirmen, so die Grünen, bestehe grundsätzliche Offenheit, auch verkehrssteuernde Elemente in ihre Navigation aufzunehmen.
Doch die Stadt hätte auch andere Mittel, um den Durchgangsverkehr aus Wohngebieten zu verbannen. Im Antrag werden etwa Einbahnregelungen, Abbiege-Gebote und „modale Filter“, also Durchfahrtsverbote, vorgeschlagen.
Als Beispiele mit Handlungsbedarf führen die Grünen das Wohngebiet zwischen Ungererstraße, Dietlindenstraße und Mittlerem Ring auf, das Wohngebiet zwischen Garmischer Straße, Hinterbärenbadstraße, Hansastraße und Albert-Roßhaupter-Straße und das Wohngebiet zwischen Stadelheimer Straße und Chiemgaustraße. Ein besonderer Problemfall sei die Gundelindenstraße in Schwabing, die als Schleichweg zum Mittleren Ring dient. Anwohner hätten dort bis zu 600 Fahrzeuge pro Stunde gezählt, was die Belastbarkeit dieser Wohnstraße bei Weitem überschreite. Neben der Änderung der Routenvorschläge durch die Navigationssysteme sei hier unter anderem die Einführung einer Einbahnstraßenregelung in der Gundelindenstraße nach Westen vorstellbar.

