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Rodeln in München:Freie Bahn im Dunkeln

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Rodeln lässt es sich auch im Dunkeln, manchmal sogar besser.

(Foto: Robert Haas)

Weil es tagsüber an den Rodelhügeln der Stadt oft so voll ist, dass sich Corona-Abstände kaum einhalten lassen, gehen viele Familien mit ihren Kindern eben in der Dunkelheit zum Schlittenfahren.

Von Sebastian Theuner

Wohin nur mit den Händen? Auf dem Hosenboden und aneinander geklammert sitzen die vier Kinder auf dem spiegelglatten Eis, das sich auf dem Gehweg hinab in die Maximiliansanlagen gebildet hat, rätselnd, wie sich ihr Tross nun am besten in Bewegung setzen lässt. Straßenlaternen beleuchten den etwa 20 Meter langen Eiskanal, ringsum schreien rodelbegeisterte Kinder wie Eltern vor Freude, von hinten fällt das Licht des angestrahlten Maximilianeums durch die Bäume.

Der Viererpack im Startbereich der Eisbahn setzt sich in Bewegung, dank kleiner Paddelschläge geht es langsam vorwärts. Nach wenigen Metern aber erste Auflösungserscheinungen: Bei voller Fahrt ist das mit dem aneinander Festhalten plötzlich nicht mehr so einfach. Und so erlebt ein jeder den Zieleinlauf für sich alleine.

Der winterliche Spaß erfreut sich auch zu so später Stunde höchster Beliebtheit. Um die 30 Schlittenfahrer haben hier trotz Dunkelheit ihren Spaß - und auch an anderen Schlittenbergen herrscht nach Anbruch der Nacht reger Betrieb. "Abends ist einfach weniger los", erzählen zwei Mütter, für die das nächtliche Rodelvergnügen in diesem Corona-Winter zur Routine geworden ist. "Wir brauchen das für unser Seelenheil, für uns ist das ein echter Trost in diesen Zeiten." Genauso wie für den fünf- bis achtjährigen Nachwuchs, der froh sei, "hier einfach mal wieder Kind sein zu können". Nicht nur die Kleinen, auch drei Studentinnen Mitte 20 haben ihren Spaß. "Wir verbringen den ganzen Tag in Zoom-Konferenzen, da muss man abends auch mal rauskommen." Den Rodel-Treffpunkt hatten sie am Wochenende beim Spazierengehen entdeckt, mitsamt der Erkenntnis: "Tagsüber tritt man sich hier tot, abends ist es besser." Coronakonforme Abstände lassen sich dann tatsächlich einhalten.

Tagsüber dagegen war es in München in den zurückliegenden Wochen teilweise zu größeren Ansammlungen an den Rodelhügeln gekommen, in manchen Fällen musste gar die Polizei eingreifen. Die Sehnsucht nach dem winterlichen Vergnügen kollidiert mit den derzeitigen Hygieneverordnungen. Der Kreisjugendring der Stadt München (KJR) fordert deshalb, statt Verboten mehr Angebote, um den Andrang zu entzerren. Die winterliche Natur zu erleben sei "ein wichtiger Teil von Kindheit und Jugend", sagt Judith Greil, Vorsitzende des KJR. "Deswegen gilt es, möglichst zahlreiche Möglichkeiten für Winterfreuden in München und in der nahen Umgebung zu schaffen und diese möglichst breit zu kommunizieren."

Im Zuge der schwierigen Kompromissfindung ist das Nachtrodeln für viele Münchner eine abwechslungsreiche Alternative. Wobei sich das Thema bald ohnehin erledigt haben könnte: Für die kommenden Tage sind Plusgrade bis in den zweistelligen Bereich vorhergesagt.

© SZ vom 20.01.2021/sonn, van
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