NachrufSelbstbewusste Kirchenreporterin

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Rosel Termolen
Rosel Termolen privat

Die Münchner Kardinäle hat sie kritisch begleitet, mit Religion und Brauchtum kannte sie sich aus: Die frühere SZ-Redakteurin Rosel Termolen ist im Alter von 94 Jahren gestorben.

Von Sven Loerzer

Wenn Rosel Termolen am Spätnachmittag das Büro im früheren SZ-Redaktionsgebäude an der Sendlinger Straße betrat, dann stand der Andruck der Fernausgabe unmittelbar bevor. Ihr gut gelaunter Gruß wurde nicht immer gleich erwidert, denn an fünf von sechs Schreibtischen in dem engen Büro telefonierten die Kolleginnen und Kollegen, schrieben mit lauten Kugelkopfschreibmaschinen ihre Texte auf gelbem Manuskriptpapier zu Ende.

Bis Mitternacht übernahm dann die Rosel, wie sie alle nannten, ruhig und souverän das Ruder, aktualisierte die verschiedenen Ausgaben des Münchner Teils, redigierte Texte, die noch ins Blatt sollten, schrieb über alles, was sich an Polizei- und Feuerwehreinsätzen in der Stadt zu später Stunde ereignete. Die Zeitung aktuell zu halten, war nicht ihre einzige Aufgabe: Regelmäßig war die gebürtige Münchnerin als Reporterin und Spezialistin für Brauchtum, Kirche und Religion unterwegs.

Dem elterlichen Gastronomiebetrieb hatte sie sich entzogen, ihr Traumberuf wäre Archäologin gewesen. Doch weil ihr bewusst war, dass damit kaum ein Auskommen zu sichern wäre und ihr das Schreiben lag, ging sie zum Süddeutschen Verlag. Dort begann sie in den Fünfzigerjahren bei der Münchner Illustrierte, schrieb dann für das Feuilleton der SZ und von 1962 an für den Münchner Stadtanzeiger.  Von 1970 an bis zum Ruhestand 1995 arbeitete sie im Münchner Teil der SZ, begleitete den Weg der Kardinäle Julius Döpfner, Joseph Ratzinger und Friedrich Wetter mit kritischem Blick, schrieb über kirchliche Feste ebenso wie über bayerisches Brauchtum. Eine Reihe von Büchern zeugen von ihrem Faible, darunter eine Biografie der Hildegard von Bingen, die im Auftrag des Vatikans ins Italienische übersetzt wurde.

Ihr ehrenamtliches Engagement bei den Münchner Johannitern zeitigte deutliche Spuren: Ein auf dem Nachtdienstschreibtisch hinterlassener Artikel zum seit Jahren leer stehenden, verfallenden Isartalbahnhof an der Schäftlarnstraße nahm sie zum Anlass, dem damaligen Kreisverwaltungsreferenten Peter Gauweiler vorzuschlagen: „Gebt’s die alte Ratzenburg den Johannitern.“ Die suchten dringend einen neuen Standort  – und bekamen ihn so schließlich.

Ihren trockenen Humor verlor Rosel Termolen auch in den letzten Wochen nicht: Bis zuletzt dichtete sie mit viel Spaß an der Sprache und verfasste für den Boandlkramer noch ein Gedicht. Jetzt ist sie im Alter von 94 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.

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