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Zum Tod von Roland Kuffler:Vom Bügelbrett zum Großgastronomen

Roland Kuffler, 2009

Ein Weinzelt auf der Wiesn – wer braucht denn sowas? Roland Kuffler brauchte sowas, und er hatte den richtigen Riecher.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Über Studentenlokale und Beatklubs zu anspruchsvollen Speiselokalen: Roland Kuffler entwickelte sich vom Kleinkunstkneipier zum Unternehmer mit dreistelligem Millionenumsatz. Ein Nachruf.

Von Franz Kotteder

Schon gut, träum' weiter! Das ist normalerweise die übliche Reaktion, wenn sich Kleinkunstkneipiers die große Gastro-Karriere ausmalen und erzählen, was sie machen werden, wenn sie eines Tages Wiesnwirt sind. Vom Theaterlokal führt der Weg eben selten zu einem wirklich großen Gastro-Unternehmen mit dreistelligem Millionenumsatz.

Und doch gibt es ein Beispiel dafür: den Lebensweg von Roland Kuffler nämlich, der am Dienstag im Alter von 83 Jahren im Kreis seiner Familie verstorben ist. Er hatte sich bereits 2016 aus dem operativen Geschäft seiner Firma zurückgezogen, aber da gehörte sie längst zu den 20 größten Gastro-Unternehmen Deutschlands, im Jahr 2018 machte sie einen Jahresumsatz von 123 Millionen Euro. 30 Restaurants gehören dazu, 18 davon führt die Kuffler-Gruppe selbst, außerdem das Weinzelt auf dem Oktoberfest, das Luxushotel München Palace in Bogenhausen, den Partyservice Kuffler Catering und das Innenarchitekturbüro Kuffler Inn Design. Rund 840 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei Kuffler beschäftigt - momentan allerdings, wie der Rest der Branche auch, zum größten Teil in Kurzarbeit.

Dass Roland Kuffler einmal etwas aufbauen würde, war schon früh klar - dass es auf ein derart großes Gastronomieunternehmen hinauslaufen würde, allerdings ganz und gar nicht. Denn die Familie besaß ein Bauunternehmen in der Kleinstadt Frankenthal in der Pfalz, zwischen Worms und Ludwigshafen gelegen. Am 15. November 1937 kam Kuffler hier zur Welt, und zunächst verlief sein Leben recht erwartbar. Schon mit 18 Jahren wurde er in die Geschäftsführung des elterlichen Unternehmens aufgenommen, und dort blieb er auch die nächsten fünf Jahre.

Es hätten wohl auch weitere 60 Jahre werden können, aber irgendwie hat diese Aussicht in dem jungen Kuffler wohl die Sehnsucht genährt, mit seinem Leben noch etwas anderes anzufangen. Er beschloss, Sprachen zu studieren und ging 1960 nach Heidelberg. Dort schloss er, weil er ein umgänglicher und kontaktfreudiger Mensch war, bald Bekanntschaft mit anderen Studenten, vor allem auch aus dem Ausland. Er stellte schnell fest, dass die in Heidelberg gar keinen Treffpunkt hatten, wo sie sich bei einem Wein oder Bier austauschen konnten. Und so kam Roland Kuffler auf jene gute Idee, die sein weiteres Leben wesentlich bestimmen sollte: Er gründete ein Clublokal für diese Studenten.

In Heidelberg lernte er auch einen weiteren Studenten kennen, der ein ähnliches Gespür hatte für die Bedürfnisse der Mitstudenten: Erich Kaub. Der war Sprecher des Allgemeinen Studentenausschusses (Asta) der Heidelberger Uni und schon in der Vor-Achtundsechziger-Zeit recht links eingestellt, aber auch mit einem gewissen Geschäftssinn gesegnet: Zwar studierte er Volkswirtschaftslehre, seine große Begabung lag aber wohl vor allem in der Betriebswirtschaft. Zusammen gründeten sie das Studentenkabarett "Bügelbrett" - und stellten dann fest, dass ihr Publikum zwar durchaus interessiert war an spitzen Pointen und gepfefferten Witzen, aber fast noch mehr an gut gezapften Bieren und preiswerten Mahlzeiten.

Roland Kuffler mit seiner Frau Doris.

(Foto: Robert Haas)

Da war es nur folgerichtig, auch diesen Wünschen Reverenz zu erweisen. Kuffler und Kaub eröffneten in Heidelberg zusammen das Studentenlokal Tangente, und weil das ziemlich gut lief, ließen sie bald weitere Lokale mit dem gleichen oder ähnlichen Namen in verschiedenen deutschen Städten folgen. Von 1963 an eröffneten sie Studentenkneipen in Mannheim, Mainz, Frankfurt, Marburg, Regensburg, Ulm, Stuttgart, Karlsruhe, München, Berlin, Freiburg und Saarbrücken. Bis nach Österreich breiteten sich ihre Kneipen aus, die mal Tangente hießen und mal Parabel oder auch Tangente jour. Und dann gab es da ja noch diese neumodische Beatmusik, zu denen die jungen Leute so gerne tanzten. Also eröffneten Kuffler und Kaub auch sogenannte "Beatklubs", in denen sie das tun konnten.

Da hatten sich offenbar zwei recht gewiefte Geschäftsleute gefunden. Tatsächlich blieb die Partnerschaft bis 1989 bestehen, da hatte sich Kaub bereits stark hin in Richtung Unternehmensberatung entwickelt. Die Begegnung mit Kaub hatte für Kuffler aber noch eine weitere höchst erfreuliche Folge: Er lernte dessen Schwester Doris kennen. Wie das Leben so spielt, verliebten sich die beiden ineinander. Aus dem Geschäftspartner Kaub wurde der Schwager Erich - und aus dem Liebespaar bald stolze Eltern der Kinder Catherine, Stephan und Sebastian. Die beiden Söhne sind seit 1992 und 2008 in der Geschäftsführung der Kuffler-Gruppe.

Christian Edith von Welser Roland Kuffler Sven Gerich OB Wiesbaden Prof Xiaohui Wamt Wrang Weinzelt

Als problematisch erwies sich aber, dass er in seiner Wiesnkutsche auch mal den OB von Wiesbaden (neben Kuffler) mitfahren ließ.

(Foto: Lindenthaler/imago)

Bereits 1968 verlegte Kuffler den Firmensitz nach München. Von da an wurde dann auch das gastronomische Konzept zunehmend anspruchsvoller. 1978 gründeten die beiden eine kleine Kette namens Wurstkuchl, die bald Filialen in Regensburg, Gießen und Berlin hatte. 1980 kam der Haxnbauer am Platzl dazu, zwei Jahre später das Spatenhaus an der Oper. Und weil dem Gastronomen nichts zu schwer ist, wagte sich Kuffler auch an eine Unmöglichkeit: Er wollte 1984 aufs Oktoberfest. Kuffler hatte sehr richtig erkannt, dass die Versorgungslage mit Bier dort ausgesprochen gut war und er sich deshalb eine möglichst große Nische suchen musste. Seine Idee fanden viele trotzdem ziemlich verrückt: Er wollte ein Weinzelt eröffnen, in dem es nur Wein oder Weißbier gab, aber kein Wiesnbier. Schließlich, sagte er, habe es das früher ja auch schon gegeben auf dem Oktoberfest. Die Münchner schüttelten den Kopf und blieben erst mal weg. Aber nicht lange: Schon bald war es im Weinzelt genauso schwer, einen Platz zu bekommen, wie in den anderen Zelten.

Es folgten 1985 die Übernahme des Seehauses und 1994 die Eröffnung des Asien-Restaurants Mangostin, das er zusammen mit dem Spitzenkoch Joseph Peter übernahm. Kuffler war immer schon ein Mann, der Partnerschaften schätzte. Mit Gerd Käfer eröffnete er zum Beispiel Restaurants am Hofgarten und in Frankfurt das Opéra in der Alten Oper und ein Lokal am Flughafen, mit dem österreichischen Großgastronom Gebhard Bucher stieg er in mehreren Flughäfen in die dortige Gastronomie ein. In Wiesbaden übernahm er die Gastronomie im Kurhaus (und gab es Ende 2020 wieder ab) und das Kongresszentrum. Letzteres - und die persönliche Freundschaft zum Wiesbadener SPD-Oberbürgermeister Sven Gerich brachte ihm zuletzt noch größere Schwierigkeiten ein. Denn Kuffler hatte Gerich unter anderem in seiner Kutsche beim Einzug der Wiesnwirte mitfahren lassen und ihn des Öfteren auch privat eingeladen - zu Zeiten, als das noch kein Gschmäckle hatte, sondern Großherzigkeit genannt wurde. Für Kuffler war das Ausdruck von Herzlichkeit, und eines seiner Lebensmotti war: "Vom Sparen ist noch keiner reich geworden."

Roland Kuffler litt in den vergangenen Jahren zunehmend an Demenz, er war stark pflegebedürftig. "Er durfte bis zuletzt zu Hause bleiben", sagt sein Sohn Stephan, in seiner letzten Stunde war seine Tochter Catherine bei ihm. Er sei friedlich eingeschlafen und habe nicht leiden müssen, so Stephan Kuffler. Die Beisetzung wird coronabedingt im engsten Familienkreis stattfinden.

© SZ vom 28.01.2021/aner
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