Iris Berben: Was für ein großes Glück hatte ich, mit Mario Adorf gemeinsam gespielt, gefeiert, geredet, gelacht und auch ein paar Tränen vergossen zu haben. Er war ein Weltbürger – ein Lebensmann im Umgang mit Menschen. Und, klar, im Umgang mit Frauen. Nämlich ein eleganter, gewitzter, aber wohlerzogener Womanizer im besten Sinne. Ich bewunderte ihn für seine Fähigkeit, Anekdoten wie einen Spielfilm zu erzählen, er konnte überall im Leben eine Bühne finden. Weil er wusste, dass die Bühne nur dann einen Sinn hat, wenn sie von der Welt erzählt.

Und in dieser, unserer merkwürdigen, verrückten und auch verwundeten Welt, fand er Menschlichkeit, Abgründe – und vor allen Dingen immer wieder die Freude, an der Leichtigkeit des zuweilen schwierigen Daseins. Egal, ob als vermeintlicher Frauenmörder Bruno Lüdke, als edler Mafioso, als Kommissar Beizmenne, als Vater Matzerath in der „Blechtrommel“ oder als Maurer Nicola in „Momo“ – er hat gerade im Dunklen immer das Licht des Menschlichen gefunden. Nie hat er einen seiner Charaktere verraten, sondern sie umarmt und erfüllt – mit leisem Verständnis. Er brannte für die Kunst, und was ihm gegeben wurde, hat er nicht verschwendet. Weil er an die Bedeutung des Spiels glaubte. Daran, dass die Kunst ein Transportmittel für Botschaften ist. Für Botschaften ohne erhobenen Zeigefinger. Für Botschaften eines Menschen an die Menschen. Adieu, Mario.

Veronica Ferres: Lieber Mario, es fällt mir unendlich schwer, Worte zu finden, weil es sich noch immer unwirklich anfühlt, dass du nicht mehr da bist. Bei „Rossini“ begegnete ich dem Superstar Mario Adorf zum ersten Mal und durfte den privaten Mario dann näher kennenlernen. Du warst einer der warmherzigsten Menschen, der mir je begegnet ist. Wenn ich an dich denke, sehe ich nicht nur den großen Schauspieler, den alle bewundert haben. Ich sehe den herzlichen und humorvollen Menschen, mit dem ich so viele kostbare Momente teilen durfte. Du hast mir Vertrauen geschenkt, mich inspiriert und mich immer wieder daran erinnert, warum wir diesen Beruf lieben. Nicht wegen des Ruhms, sondern wegen der Menschen, der Begegnungen, der Wahrheit in einem Moment. Jetzt bist du nicht mehr hier, und da ist eine Leere, die sich kaum beschreiben lässt. Ich bin dankbar, dich gekannt zu haben. Dankbar für jede Minute, die wir teilen durften. Du fehlst. Deine Veronica.
Ministerpräsident Markus Söder: Deutschland verliert einen Giganten des deutschen Films. Mario Adorf war ein Schauspieler mit unglaublicher Wucht, großem Charisma und einer unverwechselbaren Stimme. Er hat seine Rollen nicht nur gespielt, sondern gelebt. Seine Schauspielkunst war kraftvoll und vielschichtig zugleich – er beherrschte das Laute und Raue genau wie das Leise und Verletzliche. Mario Adorf war auf der Leinwand wie im Leben ein echter Charakterkopf. Bedeutende Filmproduktionen wie „Die Blechtrommel“, „Rossini“ und „Winnetou“ stehen für sich. Bayern war dabei ein wichtiger Anker seines Lebens. Seine große Schauspielkarriere begann in München und mit der Rolle als Heinrich Haffenloher in „Kir Royal“ ist Mario Adorf Teil bayerischer Fernsehgeschichte. In diesen schweren Stunden gilt seiner Familie und allen Angehörigen unser tiefes Mitgefühl. Bayern wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren und sein Wirken in dankbarer Erinnerung halten.

Heiner Lauterbach (über Instagram): Lieber Mario, schon als Kind hatte ich Bilder von dir über meinem Bett hängen. Aus den alten Karl-May-Filmen. Du hast in diesen Filmen meist die Bösewichte gespielt. In Wirklichkeit warst du ein herzensguter Mensch, ein großer Kollege und wahrer Freund. Ich erinnere mich noch, als wir uns näher kennenlernten, am Set vom „Schattenmann“, bei dem ich wochenlang an deiner Seite spielen durfte. Ich habe so viel von dir gelernt. Natürlich als Schauspieler: Wie demütig man in diesem Beruf sein muss, wie fleißig, wie zielstrebig, wie fantasievoll und geduldig. Wie man mit seinen Kollegen umgehen sollte. Und dem ganzen Team natürlich. Aber auch wie man sich durchsetzt, seine Meinung vertritt, speziell den Oberen gegenüber. Wie man für seine Sachen und seine Ansichten kämpfen sollte. All das hast du mir beigebracht, oder hast es zumindest versucht. Und dafür bin ich dir unendlich dankbar. Mach’s gut, alter Freund, wo immer du im Moment auch sein magst. Wir sehen uns ... Dein Heiner.
Tim Pröse, Autor der Biografie „Mario Adorf. Zugabe!“: An der Klingel des Mietshauses steht „M.A.“, in Messing eingraviert. Ich ging gestern noch einmal dran vorbei, strich über das Schild und legte eine Blume auf die Stiegen. Oben im ersten Stock wohnte er, wenn er in Deutschland war. Und nicht gerade in seinen anderen Wahlheimaten, Paris oder St. Tropez. Immer wieder hatte ich gehofft, dass wir uns eines Tages noch einmal wiedersehen in Adorfs deutscher Lieblingsstadt. Und dass wir nochmal eine Pizza essen gehen bei „seinem“ Italiener, in seiner Straße. Dass er nochmal eine seiner Geschichten erzählen würde, wie nur er sie erzählen konnte. An Heiligabend 2025 rief er mich ein letztes Mal an. Er sagte, dass er nun in Paris sei und dort auch bleiben wolle. So gern er auch noch einmal nach München in seine Wohnung am Siegestor gekommen wäre. Da ahnte ich, dass er sich vorbereitet hatte auf seinen letzten großen Auftritt.

Christine Neubauer: Der Tod von Mario Adorf erfüllt mich mit tiefer Traurigkeit. Ich durfte das große Glück erleben, ihn kennenzulernen und bereits in meinen beruflichen Anfängen an seiner Seite zu drehen – Erinnerungen, die ich bis heute in meinem Herzen trage. Er war nicht nur ein herausragender Kollege, sondern vor allem ein wunderbarer Mensch – warmherzig, zugewandt und in seiner ganzen Art schlichtweg einzigartig. Als junge Zuschauerin habe ich Winnetou mehr geliebt als ihn – natürlich nur in seiner Rolle. Und genau darin lag seine Größe: Er war so überzeugend, so kraftvoll, dass man gar nicht anders konnte, als sich ganz den Gefühlen hinzugeben. Jahre später saß ich selbst in Bad Segeberg als Judith Silberstein im Sattel – eine Rolle, die verachtet werden sollte. Und auch ich durfte erfahren, wie aus Ablehnung schließlich Nähe wird, wie Figuren ihren Platz in den Herzen der Menschen finden. Das ist die leise, wunderbare Magie unseres Berufs. Für mich war Mario Adorf schon zu Lebzeiten eine Legende – beeindruckend in seiner Größe, bewundernswert in seinem Können und zugleich ein Mensch mit einem Herzen voller Wärme. Mario, du bist eine Figur, die man nicht vergisst.
Christian Becker, Produzent: Mit Mario Adorf geht ein außergewöhnlicher Lebensweg zu Ende – einer, der von Leidenschaft, Kraft und unvergesslicher Präsenz geprägt war. Ich hatte das große Glück, noch mit ihm für unseren Winnetou-Dreiteiler drehen zu dürfen. Was bleibt, sind nicht nur seine beeindruckenden Rollen, in denen er für immer weiterleben wird, sondern auch die Begegnungen mit ihm als Mensch. Jeder, der ihn kennenlernen durfte, wird ihn in lebendiger Erinnerung behalten. Er war nicht nur ein großer Schauspieler – er war eine Persönlichkeit, die bleibt.

Hans Werner Kilz, ehemaliger SZ-Chefredakteur: In meiner Heimatstadt Worms, wo er auftreten sollte, fragte mich Mario Adorf, warum die Wormser so wenig aus ihren Nibelungen machten. Das war der Auftakt zu unserer jahrelangen, intensiven Zusammenarbeit, in denen er Regisseure, Schauspieler und Sponsoren für den Nibelungen-Stoff begeisterte, bis wir 2002 endlich Premiere vorm Wormser Dom feiern konnten. Durch ihn, seine Prominenz und schauspielerische Reputation, haben sich die Festspiele im deutschen Kulturkalender als Theater-Ereignis von Rang verankert. Der Mario-Adorf-Preis, der alljährlich für die beste künstlerische Leistung verliehen wird, erinnert an seine großen Verdienste. 2020, nach mehr als 63 Jahren, erzählte er mir bei seinem Münchner Lieblings-Italiener mit großer Bestürzung, dass er als Bruno Lüdke im Robert-Siodmak-Film „Nachts, wenn der Teufel kam“ einen Mörder gespielt hatte, der gar keiner war. Die Nazi-Ermittler, so erfuhr er von Filmforschern, hatten dem leicht schwachsinnigen Bruno damals alle unaufgeklärten Morde angelastet, weil sie einen Mörder brauchten, um die Bevölkerung zu beruhigen. Einen Strafprozess gab es nicht, sie liquidierten den Mann. Das ließ Mario nicht in Ruhe, bis in Berlin-Köpenick, wo Bruno Lüdkes Elternhaus stand, ein Stolperstein gesetzt wurde – im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, den Mario Adorf eingeschaltet hatte. Er war allergisch gegen Ungerechtigkeit, ein feiner Mensch. Für die Bundesrepublik Deutschland war er eine Identifikationsfigur. Die politische Entwicklung der letzten Jahre hat den überzeugten Demokraten Mario Adorf sehr besorgt.

Julia Weigl und Christoph Gröner, Künstlerisches Leitungsteam Filmfest München: Groß geworden im deutschen Film der 1950er-Jahre, berühmt durch Genrefilme in den Sechzigern, später Autorenfilme und populäres, gewagtes Kino: Mario Adorf hat viele Phasen des deutschen Films geprägt. „Die Libelle und das Nashorn“ feierte 2012 auf dem Filmfest München Weltpremiere. Der Titel passt zu Adorf – zu seiner Körperlichkeit und der berührenden Sensibilität, die sich darin verbarg. Mit Mario Adorf geht ein großer deutscher Schauspieler, den wir 2005 mit dem Cinemerit ehren durften.

Eberhard Junkersdorf, Produzent: Ich habe Mario Adorf durch die Dreharbeiten zu den Filmen „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und „Die Blechtrommel“ kennengelernt. Aus den vielen Zusammenarbeiten ist dann eine enge Freundschaft entstanden. Er war ein Freund, wie man ihn sich nur wünschen kann: ehrlich, loyal, zuverlässig und humorvoll. Ich erinnere mich an unzählige Gespräche und an Abende, bei denen er eine gesamte Runde mit seinen Geschichten, durch seine sonore Stimme und seinen Humor verzaubern konnte. Ich bin sehr froh, dass wir uns vor drei Wochen in Paris nochmal gesehen haben. Mario, ich bin dir dankbar für die vielen Jahre unserer Freundschaft, du fehlst mir, ich werde dich nicht vergessen. Dein Eberhard.


