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München heute:Einblick in die Corona-Leugner-Szene / Wiesn in der Wüste? Wirte sind skeptisch

Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen - München

Ein Bild aus dem März: Damals demonstrierten Menschen mit einer Sitzblockade vor dem Landtag gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

(Foto: dpa)

Nachrichten und Lesenswertes aus der Stadt.

Von Martin Bernstein

Die "Querdenker"-Szene verzichtet auf die große Bühne in München. Doch nicht etwa die am Mittwoch bekannt gewordene Beobachtung des extremistischen Teils der Bewegung ist dafür verantwortlich. Der Initiator einer geplanten Großkundgebung auf der Theresienwiese hat seine Anhänger nach Weimar umgeleitet. Nicht ganz freiwillig: Zuvor hatte die Stadt den Aufmarsch Tausender untersagt, weil nicht damit zu rechnen sei, dass sie sich an Auflagen zum Infektionsschutz halten würden. Die Münchner Polizei bleibt dennoch mit 800 Beamten in Habachtstellung. Mit gutem Grund. Die Szene ist immer für Überraschungen gut, zumal wenn es darum geht, Bilder zu produzieren, mit denen der von vielen gehasste Staat vorgeführt werden kann: Hält die Polizei sich zurück, obwohl massenhaft Regeln gebrochen werden, ist es der schwache Staat, dem man auf der Nase herumtanzen kann; greift die Polizei durch, liefert sie scheinbar den Beleg für die real existierende "Corona-Diktatur", in die viele Anhänger der Szene sich hineinphantasieren.

Selbstverständlich: Nicht jeder, der bei Kundgebungen gegen Infektionsschutzmaßnahmen mitdemonstriert, ist Rechtsextremist oder Verschwörungsideologe. Manche treibt die nachvollziehbare Angst um die eigene wirtschaftliche Existenz, andere die Sorge um ihre Kinder. "Für diese Menschen ist das Demonstrationsrecht gemacht", sagt der Einsatzleiter der Münchner Polizei. Doch auch wer für berechtigte Interessen demonstriert, muss sich fragen lassen: Warum ohne Mund-Nasen-Schutz und damit als Gefahr für seine Mitmenschen? Und warum ohne jeden Abstand - zum Nebenmann wie zur rechten Szene bis hin zu offen auftretenden Neonazis?

Wir haben mit Experten aus Polizei und Verfassungsschutz, städtischen und zivilgesellschaftlichen Organisationen gesprochen und Münchner Corona-Kundgebungen analysiert (SZ-Plus). Das Bild verstört - es zeigt heimlichen wie unverhohlenen Judenhass, einen versuchten Marsch auf die Feldherrnhalle, weit mehr als hundert Straftaten, Übergriffe auf Polizisten und Journalisten, Drohungen gegen Politiker, mit denen am "D-Day" abgerechnet werde, Beifall für Neonazis, die "Volksgenossen" von "Volksverrätern" unterscheiden, Parolen aus dem Schmutzkübel der NS-Diktatur... Und das wollen ausgerechnet die, die dabei, daneben und mittendrin standen, nicht mitbekommen haben? Gerade weil das Demonstrationsrecht so ein hohes Gut ist, sollten es die, die es nutzen, auch in Ehren halten. Zu viele aber machen sich auch in München mit den Falschen gemein, nach dem Motto: Hauptsache gegen Merkel, Lauterbach und Söder.

DER TAG IN MÜNCHEN

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© SZ.de/flud
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