Was läuft in Architektur und KunstWie geht Bauen heute?

Lesezeit: 3 Min.

Leicht und transparent mutet das neue Sportgebäude des Bayerischen Yachtclubs in  Starnberg an. Der Bau ist für eine Sommernutzung ausgelegt und nicht für einen dauerhaften Betrieb auch in den Wintermonaten gedacht.
Leicht und transparent mutet das neue Sportgebäude des Bayerischen Yachtclubs in  Starnberg an. Der Bau ist für eine Sommernutzung ausgelegt und nicht für einen dauerhaften Betrieb auch in den Wintermonaten gedacht.
Quirin Leppert

In der Architekturgalerie im Blumenbunker geht’s im „Wechselspiel“ um Planen und Bauen im Wandel. Und im Künstlerhaus am Lenbachplatz zeigt Joachim Jung sein Wechselspiel „Zwischen drinnen und draußen“.

Von Evelyn Vogel

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Wer heute über Bauen nachdenkt, denkt meist an anderes als noch vor einigen Jahren. Dazu beigetragen haben nicht nur der Wohnungsnotstand und explodierende Baukosten. Nein, inzwischen hat man sich weitgehend von einer verschwenderischen Stahl-Glas-Beton-Architektur verabschiedet – zumindest dort, wo Ökologie kein Fremdwort ist. Nicht alles, aber vieles dreht sich um das Thema „Nachhaltigkeit“.

So stellt beispielsweise die „Bau“, die sich wohl nicht ganz zu Unrecht als „Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme“ bezeichnet, für ihre kommende Ausgabe im Januar 2027 als Leitthemen in den Mittelpunkt: Endlichkeit der Ressourcen, Umweltverträglichkeit von Materialien und Rohstoffen, Reduktion der Emissions- und Energieintensität klassischer Baustoffe durch neue Produktionsverfahren, Klimaschutz und Klimaanpassung, vereinfachtes und serielles Bauen.

Auch Maier Neuberger Architekten aus München machen sich darüber Gedanken. Und zwar schon seit mehr als 30 Jahren. Nun zeigen sie in der Architekturgalerie im Blumenbunker, wie sich Planen und Bauen im Zusammenhang mit dem ökologischen und geopolitischen Wandel verändert.

Bei einer neu gebauten Wohnanlage in Freiham Nord von Maier Neuberger Architekten treffen zwei Bauweisen aufeinander: Die Gebäude am Rande sind in Massivbauweise, die beiden Gebäude im Quartiersinneren in Holzbauweise errichtet.
Bei einer neu gebauten Wohnanlage in Freiham Nord von Maier Neuberger Architekten treffen zwei Bauweisen aufeinander: Die Gebäude am Rande sind in Massivbauweise, die beiden Gebäude im Quartiersinneren in Holzbauweise errichtet.
Markus Lanz

Anhand zahlreicher Beispiele sowohl beim Neubau als auch beim Bauen im Bestand und bei der Nachverdichtung – vieles davon in München-Freiham, aber auch in Allach, Ramersdorf und Sendling sowie in Starnberg und Regensburg – zeigen sie auf, welche Auswirkungen neue Konstruktionsmethoden auf Räume, Typologien und Fassaden haben. Und wie man mit vorgefertigten Elementen eine gute Architektur schaffen kann, die effizient und seriell, aber nicht gleichförmig, sondern im besten Fall auch individuell daherkommt.

Die Tafeln mit Fotos, Skizzen und Plänen werden ergänzt von kurz gehaltenen Erläuterungen zu Anforderungen und Umsetzungen. Man hat sich sehr bemüht, die Projekte kompakt darzustellen, sodass auch Laien nicht völlig erschlagen werden. Dennoch ist das, wie oft bei Architekturausstellungen, nicht gerade betont sinnlich.

Ein Beispiel sticht aus den ganzen Wohnungsbauprojekten heraus. Nicht nur, weil es eine andere Nutzung hat, sondern auch, weil etwas Spielerisch-leichtes es umweht. Das Sportgebäude für den Bayerischen Yachtclub in Starnberg. Der zweigeschossige Neubau aus Stahl, Glas und Holz am Steg zwischen Land und Wasser soll dem Verein als sportliches Zentrum während der Regatten und für die Vor- und Nachbereitung des Segelbetriebs dienen. Das Gebäude ist schön anzusehen, und es verstellt nicht den Blick auf den See. Und was noch wichtiger ist: Maier Neuberger Architekten haben keinen Massivbau für die ganzjährige Nutzung hingestellt mit all den dann notwendigen raum- und energiefressenden klimatechnischen Einrichtungen, sondern einen leichten Pavillon für die Nutzung im Sommer. Schön, praktisch, angepasst an Anforderung und Umgebung.

Wechselspiel – Planen und Bauen im Wandel, Maier Neuberger Architekten, Architekturgalerie im Bunker, Blumenstraße 22, bis 22. August; Führung durch die Ausstellung mit anschließender Diskussion: Mittwoch, 19. August, 19 Uhr

„Alexander von Humboldt zwischen Zink und Silber“ heißt diese Arbeit auf Papier von Joachim Jung.
„Alexander von Humboldt zwischen Zink und Silber“ heißt diese Arbeit auf Papier von Joachim Jung.
Münchner Künstlerhaus

Als einen „Spurensucher“ beschreibt sich der Münchner Maler Joachim Jung. Bekannt ist Jung in der Fachwelt vor allem als Kenner von Paul Klee. Dessen Lebensgeschichte wie auch die anderer historischer Persönlichkeiten hat er erkundet und daraus vielschichtige Bilderserien und Motivzyklen entwickelt. „Zwischen Recherchieren und Verwandeln erforsche ich Orte, Ereignisse und Lebensgeschichten, die beim Zeichnen und Malen zu eigenen Bildwelten werden“, schreibt er anlässlich seiner Ausstellung im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz. „Drinnen sind Zimmer: mein Atelier – Henry David Thoreaus Hütte – die Schwabinger Wohnung der Familie Klee mit Lily Klees Musikzimmer – Paul Klees Küche und Felix Klees Puppentheater – Kinderzimmer … Draußen sind nahe und ferne Wege: von Jean Paul und Alexander von Humboldt und von mir selbst unterwegs.“

Die Betrachtenden von Jungs Bildwelten begeben sich mit auf die Reise und werden selbst zu Forschenden. Auf den ersten Blick scheint die Sache recht übersichtlich. Eine Serie von 2018 beispielsweise. Einzelne Motive sind leicht erkennbar: Menschen, Vögel, gefüllte Schalen und Tassen, mitunter Bücher, Linien, Schraffuren. Doch dann beginnt das Kopfkino – angefeuert von den Bildtiteln, die essenzieller Bestandteil der Arbeiten sind – und die einzelnen Elemente treten auf vielfältige Weise und verschlungenen Pfaden zueinander in Beziehung. „Alexander von Humboldt zwischen Zink und Silber“, heißt da etwa ein Werk – Aquarell, Zeichnung und Collage zugleich. „Alexander von Humboldt über Fruchtsäure und Laugensalz“ ein anderes. Wohin die Forschungsreise die Betrachtenden führt, lässt Jung offen. Aber dass da beim Reisen etwas Aufregendes passiert, spürt man sofort.

Joachim Jung: Zwischen drinnen und draußen, Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz, bis 28. August

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