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Tarifreform beim Münchner Nahverkehr:Was sich beim MVV alles ändert

MVV-Tarifreform: Ein Ticketautomat der MVG

Durch die MVV-Tarifreform zahlen Vielfahrer tendenziell künftig weniger, Einzeltickets hingegen werden teurer.

(Foto: Amelie Geiger/dpa)

Am kommenden Sonntag stellt der MVV sein Tarifsystem um. Für wen wird es billiger? Was ändert sich für Jugendliche und Senioren? Wo tauscht man alte Tickets um? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Am 15. Dezember 2019 ändert sich so einiges im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV). Nach jahrelanger Diskussion reformiert der Verbund seine Tarifstruktur. Dadurch wird vieles einfacher werden, wenn auch nicht gänzlich einfach. Das räumt auch MVV-Chef Bernd Rosenbusch ein. Günstiger sollen die Preise vor allem für regelmäßige Nutzer werden, Gelegenheitskunden zahlen dafür mehr. Das soll ein Anreiz sein, den öffentlichen Nahverkehr häufiger zu nutzen. Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen:

Was ändert sich grundsätzlich?

Bisher mussten sich die Nutzer von Zeitkarten an 16 "Ringen" orientieren, Nutzer von Einzeltickets an vier "Zonen" und Kunden mit Tageskarten, Isarcard 9 Uhr oder Isarcard 60 an "Räumen" - diese Unterscheidung fällt künftig weg. Es gibt fortan für alle nur noch sieben Tarifzonen. Diese sind in die Zone M und die Zonen 1 bis 6 aufgeteilt. Die Zone M umfasst das komplette Stadtgebiet München und einige umliegende Gemeinden, innerhalb der Stadt München gibt es keine Tarifgrenzen mehr. Die Zonen 1 bis 6 umfassen alle Landkreise im MVV-Gebiet. Nutzer von Zeitkarten können auch eine Tarifzone einzeln kaufen.

Wer profitiert von der Tarifreform?

Für die meisten Kunden mit Monatskarten wird es billiger, zum Teil deutlich. Im Schnitt sinken die Preise um sieben Prozent. Außerdem bieten die neuen Zonen einen größeren Radius als die bisherigen Ringe. Wer bisher in der Stadt mit einer Monatskarte für die Ringe 1 und 2 unterwegs war, kann künftig für den gleichen Preis von 55,20 Euro (43,50 im Abo) die komplette M-Zone nutzen, also in ganz München fahren.

Auch Pendler aus den Landkreisen zahlen oft weniger. Etwa 800 Haltestellen im Umland werden laut MVV künftig besser gestellt. Viele Halte liegen in zwei Zonen, was Fahrten günstiger macht - das wird auf den Plänen angezeigt. Der Bahnhof Allach zum Beispiel liegt in den Zonen M und 1. Wer von dort zum Hauptbahnhof fährt, bezahlt nur die Zone M. Wer von Allach nach Altomünster will, zahlt die Zonen 1 bis 4. Diese Übergangszonen machen das neue System zwar ein wenig komplizierter, sind aber ein Zugeständnis an viele Pendler. Menschen mit geringem Einkommen können nun im gesamten Verbundraum das Sozialticket, die Isarcard S, beantragen. Vorher war dies nur in Stadt und Landkreis München möglich.

Gibt es auch Verlierer der Reform?

Die gibt es. Betroffen sind vor allem Kunden, die nur äußere Ringe genutzt haben, ohne mit ihrer Monatskarte in die Münchner Innenstadt fahren zu können. Wer etwa nur die Ringe 3 bis 5 nutzte, zahlte bisher 66,60 monatlich und muss künftig 88,90 zahlen. Dafür gilt ihr Ticket nun auch für die gesamte Zone M. Dies wurde bereits als "Zwangsbeglückung" kritisiert. Nach Angaben des MVV werden etwa 2000 Zeitkarten teurer - von insgesamt mehr als 550 000 Zeitkarten. Auch Gelegenheitsfahrer und Nutzer von Tages- und Wochenkarten müssen mehr bezahlen.

Viele Pendler aus dem Landkreis München, die durch die Reform schlechter gestellt werden, weil sie die M-Zone zusätzlich nehmen müssen, können aber einen finanziellen Ausgleich beantragen - ob bei den Gemeinden oder im Landratsamt, ist noch unklar. Dies gilt für Besitzer einer Jahreskarte für die Geltungsbereiche M+1 sowie M+2. Die Differenz zum M-Ticket wird rückwirkend erstattet, sprich: Alle Bewohner des Landkreises können für 522 Euro im Jahr nach München fahren, nicht nur jene, die in den Gemeinden wohnen, die der neuen M-Zone angehören. Die Erstattung kann für alle Zeitkarten jeweils zum Jahresende beantragt werden. Voraussetzung ist, dass man seinen Erstwohnsitz im Landkreis München und ein MVV-Jahresabo abgeschlossen hat. Die Regelung gilt zunächst für zwei Jahre. Hierfür wird der Landkreis etwa 5,7 Millionen Euro pro Jahr ausgeben.

Was ändert sich bei den Seniorentickets?

Das Alter für die Seniorentickets wird von 60 auf 65 angehoben. Die neue Isarcard 65 gilt allerdings ganztägig und ohne Sperrzeit, also nicht mehr erst ab neun Uhr morgens. Für Kunden unter 65 Jahre, die bereits die alte Isarcard 60 im Abo nutzen, gibt es eine Übergangsregelung bis zum Erreichen der neuen Altersgrenze. Vom 1. Januar 2020 an werden diese Abos zu den neuen Geltungsbereichen und Preisen als Isarcard 65 weitergeführt. In diesem Fall gilt dann aber weiterhin die bisherige Sperrzeitregelung.

Was passiert mit laufenden Abos?

Wer bereits ein Abo hat, muss sich nicht sorgen, dass seine Tickets ungültig werden oder eine Nachzahlung ansteht. Den Abonnenten werden vom 1. Januar 2020 an die neuen Preise abgebucht. Sinkt dabei der Abo-Preis, wird die Ersparnis erstattet. Bei einer Erhöhung erfolgt bis zum Ende der Laufzeit des Abos keine Nachberechnung. Die Abonnenten werden laut MVV angeschrieben und über die Neuerungen informiert. Die Kunden erhalten künftig Chipkarten anstelle der Papier-Tickets. Der Vorteil: Wer einen anderen Tarif benötigt, kann diesen auf der Karte umstellen.

Welche Tickets bleiben gültig, welche nicht?

Fahrrad-Tageskarten, Wochen- und Monatskarten, die vor dem Start der Tarifreform gekauft wurden, sollten zunächst bis zu ihrem Ablaufdatum im alten Geltungsbereich gültig bleiben. Nun hat sich MVV umentschieden, sie gelten nun in den neuen Zonen. Beispiel: Ein Abo-Ticket für die Ringe 1-2 ist ab dem 15. bis zum 31. Dezember 2019 in der Zone M gültig. Ab dem 1. Januar muss man für Fahrten in der Zone M das neu zugesandte Ticket verwenden.

Die Einzelfahrkarten Kind und Kurzstrecke sowie Streifenkarten können bis zum 31. März 2020 aufgebraucht oder bei den Kundencentern im MVV umgetauscht werden. Ebenso ungültig werden Einzelfahrkarten, Single-Tageskarten, Gruppen-Tageskarten und Kinder-Tageskarten.

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Wer solche Fahrscheine besitzt, kann sie bei den Kundencentern im MVV in Fahrkarten des neuen Tarifs umtauschen oder sich das Geld bis 31. März 2020 erstatten lassen. Hierzu will der MVV noch mal im kommenden Februar informieren. Von April 2020 an fällt für Erstattungen eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro an.

Bleibt die Streifenkarte erhalten?

Ja, und ihr Preis bleibt mit 14 Euro für zehn Streifen dieses Jahr stabil. Mit einer Streifenkarte zu fahren, ist somit um 15 Prozent billiger, als mit einem Einzelticket, das nach der Reform 3,30 Euro (für die M-Zone oder für zwei Zonen außerhalb) kosten wird. Davon sollen Kunden profitieren, die den MVV zwar regelmäßig nutzen, für die sich eine Zeitkarte aber nicht rentieren würde. Für eine Fahrt in der Zone M müssen Fahrgäste - wie bisher im alten Innenraum - zwei Streifen entwerten. Für jede weitere Zone fällt dann jeweils nur ein zusätzlicher Streifen an. Vom Marienplatz nach Garching werden zum Beispiel künftig drei Streifen fällig statt wie bisher vier.

Zu beachten ist aber: Fahrgäste, die außerhalb der Zone M einsteigen, müssen für eine oder zwei Zonen mindestens zwei Streifen entwerten. Für jede weitere Zone wird dann jeweils ein zusätzlicher Streifen fällig.Für Kurzstrecken ist wie bisher nur ein Streifen zu entwerten. Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren kommen mit einem Streifen überall hin. Für die Nutzer des U21-Angebots gibt es künftig ein neues Angebot: eine eigene U21-Streifenkarte. Die kostet 7,70 Euro für zehn Streifen. Bisher reichte es, bei einer regulären Streifenkarte die Hälfte der eigentlich nötigen Streifen zu entwerten. Dies ist künftig nicht mehr möglich, weil mit den neuen Zonen nun auch drei, fünf oder sieben Streifen fällig werden. Um weiterhin den Rabatt zu gewährleisten, führt der MVV nun dieses zusätzliche, im Kaufpreis verbilligte Ticket ein. Gestempelt werden müssen künftig mindestens zwei Streifen.

Was müssen Kunden wissen, die nur gelegentlich mit dem MVV fahren?

Wer mit einer Einzelfahrkarte-, Streifen- oder Tageskarte unterwegs ist, muss mindestens die Zone M oder zwei Zonen außerhalb bezahlen. Auch in Zukunft lohnt sich der Kauf einer Tageskarte in München bereits ab drei Fahrten am Tag. Tageskarten können künftig zonengenau gekauft werden, die bisherigen Geltungsbereiche, wie etwa Außenraum, entfallen. Gleichzeitig werden die Tageskarten teurer. Die heutigen gerade bei Touristen gefragten Drei-Tages-Tickets für den Innenraum werden abgeschafft. Als Alternative steht laut MVV mit der Isarcard-Wochenkarte für die Zone M ein günstiges Angebot zur Verfügung. Dieses Ticket kostet 17,10 Euro.

Gibt es weiterhin sogenannte Anschlusstickets für Zeitkarteninhaber?

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Ja, sie werden aber an die neue Tariflogik angepasst. MVV-Kunden können bislang zum Beispiel ihre bestehende Isarcard für die Münchner Innenstadt für eine Fahrt zum Flughafen um elf Ringe erweitern. Künftig kaufen sie ein Anschlussticket für fünf Zonen außerhalb der M-Zone.

Was passiert mit den Auszubildenden- und Semestertickets?

Wer ein Auszubildenden-Ticket hat, muss wegen der neuen Zonen-Einteilung beim MVV eine neue Kundenkarte beantragen, die alten werden am 31. Dezember ungültig. Am Semesterticket ändert sich nichts.

Wo gibt es Infos über die neuen Preise?

Unter tarifcheck.mvv-muenchen.de stellt der MVV einen Rechner zur Verfügung, mit dem sich sämtliche Preise nach Haltestellen genau ausrechnen lassen - je nachdem, welches Ticket man benötigt. Ansonsten ist die umfangreiche Preisliste unter mvv-muenchen.de abrufbar.

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