Nahverkehr:MVV beschwert sich bei Bahn über unpünktliche Münchner S-Bahn

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Nahverkehr: Fast zehn Prozent aller Münchner S-Bahnen waren im November unpünktlich. Das ist ein wirklich mieser Wert.

Fast zehn Prozent aller Münchner S-Bahnen waren im November unpünktlich. Das ist ein wirklich mieser Wert.

(Foto: Florian Peljak)

Die Pünktlichkeit ist zuletzt auf den schlechtesten Wert seit mindestens zehn Jahren gefallen. Oberbürgermeister Reiter bezeichnet die Probleme des Betreibers Deutsche Bahn als fatal.

Von Andreas Schubert

Wem es morgens auf dem Weg zur Arbeit langweilig wird, der findet im Streckenagenten der S-Bahn München tagtäglich eine neue spannende Lektüre. Seien es Weichen-, Stellwerk-, Signal-, Fahrzeug- oder Türstörungen, durchtrennte Kabel bei Bauarbeiten, Ausfälle des Stellwerks am Ostbahnhof oder Stammstreckensperrungen und Personalengpässe bei DB Netz: Die Fahrgäste kennen das seit Jahren. Doch in den vergangenen Monaten hat sich die Zuverlässigkeit der S-Bahn noch verschlechtert. Die Pünktlichkeitswerte sind so schlecht wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Einen wirklich miesen Wert von 90,1 Prozent gab es im November, die Jahresstatistik hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Auftrag des Freistaats den S-Bahn- und Regionalzugverkehr kontrolliert, noch nicht veröffentlicht.

Obwohl S-Bahn-Chef Heiko Büttner erst vor Kurzem beteuert hat, man tue alles, um besser zu werden, reicht es dem Münchner Tarif- und Verkehrsverbund (MVV) nun mit der Unzuverlässigkeit. Die Gesellschafter - das sind der Freistaat, die Stadt München und die Landkreise im MVV-Gebiet - haben am Mittwoch einen Brandbrief an die Bahnvorstände Richard Lutz und Ronald Pofalla verschickt und bitten sie nach München zu einem Gespräch, um die Probleme in den Griff zu bekommen.

Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) teilt mit, in letzter Zeit erreichten das Ministerium vermehrt Fahrgastbeschwerden, dass die S-Bahnen ständig zu spät seien. "Auch, dass Fahrgäste bei Regen und Schnee an zugigen Haltestellen warten müssen, ist nicht hinnehmbar", so Schreyer. "Gerade jetzt geht es darum, das coronabedingt beeinträchtigte Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in den öffentlichen Verkehr zurückzugewinnen." Die darauf abzielenden Anstrengungen des Freistaats, der Landeshauptstadt, der Landkreise und Gemeinden würden durch die aktuelle Situation bei der S-Bahn München torpediert.

"Die Fahrgäste sind die zahlreichen Verspätungen und Ausfälle leid."

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sieht die von der Stadt angestrebte Verkehrswende in Gefahr. "Die Fahrgäste sind die zahlreichen Verspätungen und Ausfälle leid und wenden sich von der S-Bahn ab", sagt er. "Dies ist besonders auch deshalb fatal, weil es unsere Bemühungen zur Stärkung des Umweltverbundes und zur Verlagerung des Verkehrs weg von der Straße konterkariert." Das verlorene Vertrauen der Fahrgäste lasse sich nur schwer zurückgewinnen. "Der DB Vorstand muss jetzt endlich handeln", so Reiter.

Der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU), Sprecher der MVV-Verbundlandkreise, sieht die Pendler aus dem Umland an ihrer Belastungsgrenze. "Will man die Dinge beim Namen nennen, muss man leider sagen, dass die Bahninfrastruktur im Großraum München mit der Fahrgastentwicklung überhaupt nicht Schritt gehalten hat und der notwendige Ausbau in den letzten Jahrzehnten verschlafen wurde", sagt Niedergesäß. "Wenn in den kommenden Jahren nicht zusätzliche Massen vom öffentlichen Verkehr entnervter und enttäuschter Pendler die Einfallstraßen nach München endgültig verstopfen sollen, muss die Deutsche Bahn dringend und umgehend gegensteuern!"

Laut BEG hat sich im Netz bei der Instandhaltung einiges angestaut, das es nun abzuarbeiten gilt, weshalb sich die Bauarbeiten häufen. Das Bauvolumen, sagt Wolfgang Oeser, der Leiter Qualitätsmanagement bei der BEG, werde weiter auf hohem Niveau bleiben. Doch Störungen im Bauablauf und Baustellenmanagement verschärfen nach Angaben des bayerischen Verkehrsministeriums zusätzlich die Situation. "Wir wollen ja, dass für eine verbesserte Infrastruktur viel gebaut wird", sagt Ministerin Schreyer. "Allerdings darf das nicht zu einem Vertrauensverlust in das System führen."

Die Bahn will Komponenten wie Türtechnik und Bordrechner in den Zügen erneuern und die Wartungsintervalle bei der Infrastruktur verkürzen. Bis die zweite S-Bahn-Stammstrecke Entlastung bringt, dauert es aber noch eine Weile. Frühestens 2028 kann sie in Betrieb gehen. Vorher soll zumindest das anfällige Stellwerk am Ostbahnhof ersetzt werden, die Bahn arbeitet bereits daran. Im Mai 2023 soll die neue Technik einsatzbereit sein.

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