In München steht im Nahverkehr seit 3.30 Uhr vieles still. Wie angekündigt wird die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bestreikt. Die Gewerkschaft Verdi hatte dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Betroffen sind Busse, U-Bahnen und Tram-Linien. Die S-Bahn, die Regionalzüge und die MVV-Regionalbuslinien werden nicht bestreikt. Das ist die aktuelle Lage in München:
Beim Bus ist laut MVG ein stark eingeschränkter Betrieb möglich, da die privaten Busunternehmen nicht bestreikt werden. Die Busse fahren unregelmäßig auf allen Linien. Derzeit alle 20 bis 30 Minuten sind die Fahrzeuge der Linien X30, X35, X36, X80, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58/68, 59, 60, 62, 63, 132, 135, 142, 143, 145, 150, 151, 153, 154, 157, 160, 161, 162, 164, 168, 174, 176, 180, 181, 182 unterwegs.
Auf den folgenden Linien kommen Busse in größeren Abständen, teilweise nur alle 40 Minuten oder stündlich: 100, 130, 134, 136, 139, 140, 141, 144, 149, 155, 158, 159, 163, 165, 166, 167, 170, 171, 172, 173, 175, 177, 178, 179, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197, 198, 199.
Bei der Tram fährt nur die am stärksten nachgefragte Linie 20 (Karlsplatz/Stachus – Moosach Bahnhof). Ihr Betrieb ist zunächst bis circa 20 Uhr sichergestellt, sie fährt alle zehn Minuten. Alle weiteren Linien fallen aus.
Allerdings waren am Montagmorgen doch einige Straßenbahnen unterwegs – ohne Fahrgäste. Deren Einsatz war notwendig, um die Fahrleitungen eisfrei zu fahren. Diese könnten bei Bedarf auch am Abend eingesetzt werden, teilt die MVG mit.
Bei der U-Bahn blieb der Linienbetrieb laut MVG „aus Sicherheitsgründen“ zunächst eingestellt. Die MVG ließ daher zunächst offen, ob der Betrieb zu einem späteren Zeitpunkt aufgenommen werden könnte, da dies von der Anzahl des verfügbaren Personals sowohl in der Leitstelle als auch im Fahrdienst abhänge und kann erst kurzfristig entschieden werden könne. Am frühen Nachmittag die Entscheidung: An diesem Montag fährt bis in die Nacht hinein gegen 3.30 Uhr keine U-Bahn mehr.


Die MVG empfiehlt, am Streiktag auf andere Verkehrsmittel auszuweichen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder wenn möglich Home-Office einzuplanen. Das Unternehmen verweist zudem auf seine App MVGO und seine Website für aktuelle Informationen. Auch über Anzeigen und Ansagen an Bahnhöfen und Haltestellen werde informiert.
Warum wird gestreikt?
Gestreikt wird bundesweit. Betroffen sind nahezu alle 16 Bundesländer, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Verdi fordert für die Beschäftigten im bayerischen Nahverkehr – der Tarifvertrag wird zwischen den Partnern in jedem Bundesland separat verhandelt – eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, zudem 668,75 Euro mehr im Monat, und auch die Sonntagszuschläge sollen ansteigen. „Eine deutliche Gehaltserhöhung ist in dieser Zeit kein Luxus, sondern existenziell“, sagt Gewerkschafterin Wagner. „Wer in München Bus oder U-Bahn fährt, muss sich das Leben in dieser Stadt auch leisten können.“
Der Kommunale Arbeitgeberverband bezeichnet die Forderungen der Gewerkschaft als „realitätsfern“ und verweist dabei insbesondere auf die finanziell angespannte Haushaltssituation der Städte und Gemeinden. Die Forderungen würden das wirtschaftlich Leistbare jedes Unternehmens bei Weitem übersteigen, so der KAV Bayern. Stattdessen haben die Arbeitgeber den Beschäftigten in der ersten Runde eine Erhöhung der Tarifgehälter um mindestens fünf Prozent in zwei Schritten vorgeschlagen, zudem eine Anhebung der Ausbildungsgehälter um insgesamt 150 Euro. Die Arbeitgeber schlagen dabei eine Laufzeit bis Ende 2027 vor.

Verdi stimmt zu, dass die Kommunen finanziell enorm unter Druck stehen. „Aber die Lösung kann nicht sein, dass die Beschäftigten das ausbaden“, sagt Gewerkschafterin Wagner. Bund und Land müssten für den öffentlichen Nahverkehr mehr Geld in die Hand nehmen.
Verdi geht davon aus, dass mit dem Streik ein starkes Signal in Richtung Arbeitgeber gesendet wird. Ein Sprecher der Gewerkschaft sagt, dass bei der MVG etwa 60 Prozent der Beschäftigten Gewerkschaftsmitglieder seien. Bis Januar 2024 galt für die Mitarbeiter des Unternehmens ein eigener Haustarifvertrag; damals erzwangen die Gewerkschaften aber einen Beitritt zum Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N) Bayern, der unter anderem eine bessere Altersvorsorge und mehr Urlaubstage garantiert als das alte Modell.

