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MVG:Taubenjagd im U-Bahnhof Harras

Lokführerstreik - - München

Die MVG sieht Tauben in U-Bahnhöfen als Gefahr für den Zugverkehr.

(Foto: dpa)

Die MVG sieht in den Vögeln eine Gefahr für den Zugverkehr - und lässt sie zuweilen abschießen.

Von Andreas Schubert

Tauben sind sehr anpassungsfähige Tiere und gelten als intelligent. Doch über ihre Hinterlassenschaften ärgern sich viele Menschen. Nicht zuletzt deshalb sind die Vögel als "Ratten der Lüfte" verschrien, und während die einen in ihnen potenziell gefährliche Überträger von Krankheitserregern sehen, sagen andere, dass von Tauben nicht mehr Gefahr ausgehe als von anderen Tieren. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sieht in Tauben allerdings ein Risiko ganz anderer Art, weshalb sie die Tauben in U-Bahnhöfen zuweilen abschießen lässt. Zuletzt empörten sich Tierschützer der Organisation Peta im April, als am Harras Tauben gejagt wurden, und erstatteten Anzeige.

Die MVG begründete diese Jagd damit, dass von den Vögeln aber eine Gefahr für den Zugverkehr "wegen Fahrgastirritationen, ausgelöst durch herumfliegende Tauben am Bahnsteig" ausgehe sowie eine "Gefahr für den Zugverkehr wegen durch den Tunnel fliegende Tauben" und schließlich "Beschädigung von Sicherheitseinrichtungen (zum Beispiel Linienlaser der Brandmeldeanlagen) durch Taubenkot." Derartige Viechereien wollte die MVG nicht hinnehmen und ließ sich vom Kreisverwaltungsreferat den Abschuss genehmigen. Tauben gelten zwar per se nicht als Schädlinge und dürfen deshalb nicht einfach so gejagt werden. Dazu braucht es schon eine spezielle Genehmigung, die es nur dann gebe, wenn wirklich nichts anderes mehr helfe, sagt die MVG.

Man habe in der Vergangenheit schon alles Mögliche versucht, beteuert das Verkehrsunternehmen in einer Antwort auf eine Anfrage des früheren ÖDP-Stadtrats Johann Sauerer. Man habe "Taubenvergrämungen" am Candidplatz vorgenommen, Krähenattrappen in Fröttmaning angebracht, die Tauben versucht, mit Raubvogelrufen oder Akustikwellen an der Münchner Freiheit zu verscheuchen. All dies scheint am Harras nichts gebracht zu haben. Und so teilt die MVG mit: "Bei Akutvorkommen von Tauben plus gehäufter Fahrgastbeschwerden wird in einer Nachtschicht (in der Betriebsruhe im verschlossenen Bahnhof) in dem betroffenen Bereich die Bejagung durchgeführt."

Dass auch weiterhin Tauben in U-Bahnhöfen abgeschossen werden, ist nicht unwahrscheinlich. "Die SWM/MVG ist in Besitz einer gültigen Genehmigung des KVR. Sofern eine Gefährdungslage erkennbar ist und alle oben beschriebenen Maßnahmen keine Verbesserung der Situation gebracht haben, muss zur Gewährleistung der Sicherheit für die Fahrgäste weiterhin bejagt werden."

© SZ vom 06.07.2020/vewo
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