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Nah- und Fernverkehr:Wie eine App Verkehrsanbieter in ganz Deutschland verknüpfen soll

MRB-Preview

Die neue App "Mobility Inside" geht in ihre Testphase.

(Foto: Imago; Collage: SZ)
  • Eine Anmeldung, ein Ticket, viele Städte. Die "Mobility Inside"- App soll deutschlandweit Verkehrsanbieter gemeinsam auf einer Plattform verknüpfen.
  • Derzeit befindet sich die Anwendung noch in der Testphase. Neben der MVG sind unter anderem die Deutsche Bahn und Verkehrsbetriebe von Stuttgart bis Leipzig involviert.
  • Die MVG selbst wird sich mit einer Einlage von 7,5 Millionen Euro an der noch entstehenden Betreibergesellschaft von Mobility Inside beteiligen.

Eine alte Vision wird zum konkreten Projekt: Wer von München aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einer beliebigen Adresse in Deutschland reisen will, soll dies künftig in nur einem Schritt planen und buchen können. Die neue App "Mobility Inside" geht in ihre Testphase. Mit ihr sollen Kunden neben dem Fern- und Nahverkehr auch Sharing-Dienste nutzen können, also Leihangebote für Autos, Fahrräder und E-Scooter. Federführend bei dem Projekt sind die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV).

Derzeit ist es noch so: Wer von einer Stadt in eine andere öffentlich fährt, braucht stets mehrere Tickets und muss sich nicht selten erst im jeweiligen Tarifsystem zurechtfinden. Dazu ist oft die Installation verschiedener Apps erforderlich, in denen man sich jedes Mal neu anmelden und neu zurechtfinden muss. Die Idee von Mobility Inside: Alles vereint in einer gemeinsamen Plattform. Eine Anmeldung und ein Ticket sollen für alle Angebote gelten. Und das alles zum möglich günstigsten Preis. Der Clou: Dabei kann die App auch Kombinationen aus Sharing-Angeboten und öffentlichem Nahverkehr anbieten, wenn der Fahrgast das will und so am schnellsten ans Ziel kommt.

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Zehn Unternehmen sind an der Testphase beteiligt: Neben MVG und RMV sind das die Deutsche Bahn (DB), die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG, die Dortmunder Stadtwerke, die Stuttgarter Straßenbahnen, die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft, die Rhein-Neckar Verkehr, die Leipziger Verkehrsbetriebe und der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund. Vorerst sollen aus jeder dieser Regionen 300 ausgesuchte Menschen an dem Test teilnehmen.

Für die Umsetzung ist die Berliner Agentur Mobilligence verantwortlich. Laut deren Projektleiter Igor Zajac sollen von 2021 an bereits eine Million Menschen die App nutzen. Wie lange es dauern wird, bis dann wirklich jeder Winkel des Landes mit Mobility Inside erreichbar sein wird, ist offen. Vor Ende der 2020er Jahre ist nach Einschätzung von MVG-Chef Ingo Wortmann damit nicht zu rechnen.

Das Problem: Im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), dessen Präsident Wortmann ist, sind mehr als 800 Verkehrsunternehmen organisiert. Nimmt man kleine Betriebe hinzu, die nicht dem VDV angehören, sind es mehr als 2000. Viele Unternehmen haben ihren Fahrplan und ihr Tarifsystem noch nicht digitalisiert. Dies zu erledigen, ist laut Wortmann die große Herausforderung, die auch ordentlich Geld kosten wird. Er rechnet aber mit einer Förderung des Bundesverkehrsministeriums. Das Projekt diene deshalb auch allgemein dem Anschub der Digitalisierung von Mobilität.

Die MVG selbst wird sich zu Beginn selbst mit einer Einlage von 7,5 Millionen Euro an der - noch zu gründenden - Betreibergesellschaft von Mobility Inside beteiligen. Später soll die Gesellschaft dann auf Provisionsbasis finanziert werden.

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Berlin und Hamburg sind nicht zuletzt wegen der Finanzierung noch skeptisch und wollen erst die Testphase abwarten. Die Deutsche Bahn beteiligt sich, obwohl Kunden mit dem DB Navigator schon heute Tickets für mehrere Nahverkehrsverbünde kaufen können. Der Unterschied zur App der Bahn sei aber, dass Mobility Inside in Deutschland wirklich flächendeckend nutzbar werden soll, sagt Wortmann. Zudem soll die Bedienung der neuen App einfacher sein als die des DB Navigators.

Die Daten der Kunden bleiben bei den jeweiligen Verkehrsbetrieben

Die Daten der Mobility-Inside-Nutzer bleiben alle bei einer einzigen Verkehrsgesellschaft. In München wäre das die MVG, in anderen Städten der jeweilige öffentliche Verkehrsträger. Die neue App funktioniert im Hintergrund, sprich: Man muss sie zwar herunterladen. Die Benutzeroberfläche ist dann die gleiche wie bei der gewohnten MVG-App. "Mit der kommt man dann auch bis Gelsenkirchen", sagt Wortmann. Die Daten gelangten aber nicht an andere Unternehmen, sondern blieben bei der MVG. Auch wegen des Datenschutzes wolle man das Feld nicht der privaten Konkurrenz überlassen, zum Beispiel Google. "Dann liegen die Daten nämlich irgendwo im Silicon Valley", sagt Wortmann.

Er erhofft sich, dass sich mit dem Angebot noch mehr Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr gewinnen lassen. "Wir nutzen gemeinsam die Möglichkeiten der Digitalisierung, um das Bus- und Bahnfahren noch einfacher zu machen", sagt Wortmann.

Für den Kreis der Tester kann man sich derzeit noch unter mobilityinside.de bewerben. Dazu müssen potenzielle Teilnehmer einen Fragebogen zu ihrem Mobilitätsverhalten ausfüllen. Ein paar Tage später bekommen sie dann per E-Mail eine Benachrichtigung, ob sie mitmachen dürfen oder nicht. Der Nachteil: Die App bietet anfangs noch nicht das komplette Fahrkartensortiment und sie läuft vorerst nur auf dem iPhone. Bald soll es aber auch für Android eine Version geben.

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