Öffentlicher Nahverkehr:Kritik an 3-G-Plänen in Bussen und Bahnen

Lesezeit: 2 min

Coronavirus - Bayern - FFP2-Maskenpflicht

Im Münchner Nahverkehr muss man wieder eine FFP2-Maske tragen. Werden die Regeln bald noch strenger?

(Foto: dpa)

Die Verkehrsunternehmen wissen nicht, wie sie die geplante Regelung umsetzen sollen. Es sei "realitätsfern", täglich Millionen Passagiere zu kontrollieren, warnt der Fahrgastverband Pro Bahn.

Von Andreas Schubert

Die Busse und Bahnen in München und im Umland sind zu manchen Tageszeiten beinahe wieder so voll wie vor der Corona-Pandemie. Die Menschen stehen eng an eng, einen Abstand von 1,5 Metern zu halten ist oft nicht möglich. Dennoch stoßen die Pläne von SPD, Grünen und FDP, im Öffentlichen Nahverkehr eine 3-G-Pflicht einzuführen, nicht überall auf Begeisterung. Denn vor allem wird es für die Verkehrsunternehmen schwer sein, zu überprüfen, wer gegen das Coronavirus geimpft ist beziehungsweise davon genesen oder zumindest negativ getestet. Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hält die schnelle Einführung von 3G für nicht machbar. Täglich Millionen Passagiere zu kontrollieren, sei unrealistisch, erklärt der VDV.

Die Münchner Stadtratsfraktion der CSU hat am Dienstag eine Anfrage gestellt, wie sich die 3-G-Pflicht umsetzen lassen könnte und wie viel dies kosten würde. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hatte am Dienstag darauf noch keine Antworten. Man prüfe aktuell "mögliche Szenarien zur Umsetzung", war lediglich zu hören. Dabei sei zu berücksichtigen, dass in einem offenen System mit täglich mehreren Millionen Fahrgästen keine lückenlosen Kontrollen stattfinden könnten. "Gerade im Nahverkehr mit häufigem Fahrgastwechsel und Haltestellen in kurzen Abständen ist dies, wenn überhaupt, nur stichprobenartig möglich", teilt die MVG mit.

Während die Bahngewerkschaft EVG bereits am Montag erklärt hatte, eine Kontrolle sei eigentlich nur mithilfe der Bundespolizei möglich, und die Deutsche Bahn sich prinzipiell offen gezeigt hatte gegenüber 3G, gibt es bei der Münchner S-Bahn bislang noch keine Idee, wie man die Regelung durchsetzen könnte. Ein Sprecher der S-Bahn verwies einmal mehr darauf, dass die Fahrzeuge regelmäßig und intensiv gereinigt würden und man weiterhin auf das zentrale Öffnen und Schließen der Türen setze, wo es technisch möglich sei. Dadurch würden die Bahnen an jedem Halt gut durchlüftet, die Klimaanlagen in den Zügen arbeiteten zudem ausschließlich mit Frischluftzufuhr.

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält die geplante 3-G-Pflicht für "nicht sinnvoll" und "realitätsfern". Andreas Barth, Vorsitzender des Münchner Pro-Bahn-Kreisverbands, spricht gar von "Symbolpolitik". Wie auch der VDV verweist Barth auf Studien vom vergangenen Jahr, die bei Einhaltung der Maskenpflicht nur eine geringe Ansteckungsgefahr in Bussen und Bahnen ausgemacht haben. "Das Risiko besteht eher bei den Veranstaltungen, zu denen man hinfährt", sagte Barth. Sollten Fahrkartenkontrolleure auch noch die 3-G-Pflicht überwachen müssen, kämen sie im Nahverkehr nach Einschätzung Barths kaum mehr dazu, ausreichend viele Passagiere zu kontrollieren.

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