Festival:Ein Hoch auf den Zufall

Das Münchner Institut für Leistungsabfall und Kontemplation feiert im Köşk mit einem Noise- und Performance-Festival seinen 20. Geburtstag nach.

Von Jürgen Moises, München

Laut Nobelpreisträger Daniel Kahneman ist Noise etwas, das unsere Entscheidungen verzerrt. Gemeint sind damit zufällige, nicht vorhersehbare Faktoren, die als "störendes Rauschen" unsere Urteilskraft beeinträchtigen. Noise, so der Kognitionspsychologe, gibt es überall. Und so etwa auch im Köşk im Münchner Westend, in dem vom 28. bis 30. Juli mit einem Noise- und Performance-Festival "2000 Jahre Institut für Leistungsabfall und Kontemplation" gefeiert werden. Wobei die 2000 geflunkert ist. Denn besagtes Institut, das in Wahrheit ein loser Zusammenschluss von Musikern, Künstlern und Schriftstellern ist, besteht "erst" seit 21 Jahren. Im vergangenen Oktober wurde ebenfalls im Köşk dessen 20. Geburtstag mit einer Ausstellung gefeiert. Und danach ist wohl beim Zählen irgendwas verrutscht.

Jedenfalls war im Oktober auch eine Konzertreihe geplant. Die fiel leider aus und hat sich nun unter dem Titel "Mühgehtgegennull" zu einem richtigen Festival gemausert. Mit Noise steht dabei tatsächlich auch das Zufällige und Nicht-Vorhersehbare, Verzerren und Rauschen auf dem Programm. Aber es geht nicht darum, wie man es eliminiert. Im Gegenteil wird ihm mit Hingabe gehuldigt. Den Beginn machen am 28. Juli um 18 Uhr A.R.A., Dafalgan und Rumpeln alias Anton Kaun. Der Münchner Noise- und Video-Künstler hat schon mit Bands wie The Notwist oder Friend Of Gas gearbeitet und ist auch in der freien Theaterszene unterwegs. Dafalgan alias Marcel Ralle hantiert seit 20 Jahren mit Synthesizern und kaputter Elektronik und macht damit Musik und Störgeräusche.

Am 29. Juli tritt der Mediendienst Leistungshölle an, hinter dem sich die Klang-, Video- und Performancekünstler Klaus E. Dietl und Stephanie Müller verbergen. Begleitet werden sie von Fabiola, Dlfluk und Dtlv.Doom. Interessant ist hier vor allem Dlfluk, ein Nachfolge-Projekt von Dawnfall, die in den Neunzigern zu den ersten Münchner Black-Metal-Bands gehörten. Den Abschluss machen Peter Arun Pfaff, Sebastian Giussani, Bloody, TecRoe und Tobias Grewenig. Giussani lebt als Bildhauer und experimenteller Musiker in Augsburg, Grewenig als bildender und Klangkünstler in Köln, und Pfaff kennt man in München als analogen Synthesizer-Bastler und freien Theaterregisseur.

Mühgehtgegennull, Noise- und Performancefestival, 28. bis 30. Juli, Köşk, Schrenkstr. 8, www.koesk-muenchen.de

© SZ/chj
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