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Musikbusiness:Cosby ist eine Band, eine Firma, eine Familie

Robin Karow und Kilian Reischl sind unterschiedlich. Reischl bleibt lieber im Hintergrund, ergreift erst spät im Gespräch das Wort, wägt vorher genau ab, was er sagen will, zumindest macht es so den Anschein. Karow hingegen sucht den Mittelpunkt, übernimmt das Kommando im Gespräch, zögert nicht, Entscheidungen zu treffen. Zum Beispiel in dem Moment, als sie die Möglichkeit bekamen, das Management für die Sängerin Antje Schomaker zu übernehmen. "Das war schon wie ein Sprung ins kalte Wasser", sagt Reischl. Und Karow? Hatte er keine Angst, diese Aufgabe, diese Verantwortung zu übernehmen? "Ich habe niemals gezweifelt, ich habe immer gemacht", sagt er.

Aber kann das alles wirklich funktionieren? Zum einen ist hier die Band Cosby. Alle vier arbeiten jeden Tag im Tonstudio in Unterföhring. Leben hier tagsüber zusammen, frühstücken gemeinsam, kochen gemeinsam, stecken all ihre Energie und Kreativität in ihre gemeinsame Band. Gitarrist Chris Werner etwa filmt alle Videos, Sängerin Marie Kobylka schneidet sie. Alles, was die vier Musiker verdienen, wird wieder in ihre Band investiert - zum Beispiel in aufwendige Musikvideos. Cosby ist eine Band, eine Firma, eine Familie. Und diese Familie hat Zuwachs bekommen. 2016 mit Antje Schomaker, Ende 2017 mit Malik Harris, 21 Jahre alt.

Aber besteht da nicht die Gefahr, dass die Neuen zu sehr im Mittelpunkt stehen? Dass die eigene Band zu kurz kommt, wenn es bei Schomaker und Harris um die große Karriere geht? Dass bei all den Bemühungen für die anderen nicht die eigene Musik auf der Strecke bleibt? "Unsere Freundschaft steht über allem", sagt Robin Karow. Angst, dass jemand zu kurz kommt, hat er nicht. "Wir sind alle an allem beteiligt", sagt Karow, "jeder arbeitet mit, alle stehen unter Strom." Kein Neid, vielmehr die Vorfreude, am Erfolg des anderen beteiligt gewesen zu sein.

Ein Vormittag Ende Juli. Im Garten des Tonstudios ist ein großer Frühstückstisch aufgebaut. Antje Schomaker hat vegane Pancakes mit Heidelbeeren gebacken. Sie kennt sich aus hier, seit sie nach der Schule bei Cosby ein Praktikum gemacht hat. Dass ihre Praktikantin Musikerin ist, wusste die Münchner Band damals schon. Aber erst am letzten Arbeitstag spielte ihnen Antje Schomaker einen ihrer Songs vor. Sie erinnert sich: "Das mit dem Vorspielen haben wir irgendwie nie hinbekommen", sagt sie heute. "Mir ist so etwas auch eher unangenehm. Und ich bin nicht der Mensch, der sich da aufdrängt."

Karow, Reischl und die anderen waren sehr angetan - aber zu einer Zusammenarbeit kam es damals noch nicht, immerhin arbeitete die Sängerin in Hamburg mit Swen Meyer zusammen - ein etablierter Musikproduzent, der mit Tomte oder Kettcar zusammengearbeitet hat. Er sei eine Art Mentor für sie gewesen, aber irgendwie kam Schomaker nicht weiter. Und "da Robin und Kilian schon immer als Freunde und Berater an meiner Seite" waren, nahmen sie nun ihre Songs auf. Und wurden ihre Manager.

"Sie stehen hinter mir, ich schätze ihre Fairness und fühle mich sehr gut repräsentiert", sagt sie. Und: "Ich habe lieber einen Manager, der an mich glaubt und meine persönlichen Werte teilt, als jemanden, der Musikmanagement studiert hat, aber meine Musik nicht versteht und mir sagt, ich soll doch jetzt mal nen Radiohit schreiben."

An diesem Tag wird sie mit den Kollegen von Sony ein Fußballturnier spielen - vorher soll aber noch an zwei Songs gearbeitet werden. Zum Beispiel an dem Lied, das derzeit "Immer noch da" heißt. Es ist eine Art Liebeserklärung an Menschen, die an einen glauben - ganz egal, wie groß oder klein der Erfolg ist. "Es geht um Menschen wie Robin und Kilian, die schon lange an meiner Seite sind und immer noch da sind, wenn der Applaus vergeht", sagt Schomaker.

Auch Malik Harris sitzt an diesem Tag am Frühstückstisch. An sich ist er jeden Tag hier, schläft oft auf einer Couch im Tonstudio, wenn er nicht mehr nach Hause nach Landsberg will. Er sollte Antje Schomaker ein paar Tricks für das Fußballturnier zeigen. Dazu kommt es zwar nicht. Die Sängerin hilft ihrem Kollegen dafür aber beim Aufbau eines Online-Shops. Familie halt.