Musik aus München:Gitarren gegen Bismarck

Musik aus München: Kalas Liebfried lädt die Hörer ein, sich am Klangkunstwerk zu beteiligen.

Kalas Liebfried lädt die Hörer ein, sich am Klangkunstwerk zu beteiligen.

(Foto: Jonas Hoeschl)

Der Münchner Künstler Kalas Liebfried geht musikalisch gegen den Imperialismus des deutschen Reichskanzlers in Stellung.

Von Jürgen Moises

Im Video sieht man Bismarck tatsächlich fallen. Am Boden zerschellt der ehemalige deutsche Reichskanzler in Stücke, dann fügt er sich als 3D-Figur wieder zusammen, um am Schluss als Statue zu explodieren . "Sink The Bismarck" heißt das zum Video gehörende Musikstück, das der Münchner Künstler und Musiker Kalas Liebfried für seine Aktion "Amp Wall Monument Confrontation" komponiert hat.

Diese fand am 12. Juni 2021 an der Otto-von-Bismarck-Statue auf der Boschbrücke vor dem Deutschen Museum statt. Liebfried hatte damals 21 Gitarrenverstärker vor dem Monument gestapelt, die von sieben Gitarristen bespielt wurden. Das Ziel? Auf die imperialistischen, nationalistischen und kolonialistischen Kontexte aufmerksam zu machen, in denen sich Bismarck als Reichsgründer und Gastgeber der Berliner Kongokonferenz bewegt hat.

Im Gegensatz zum Video hat die echte Statue die Konfrontation mit den Gitarrenverstärkern überlebt. Auch die Musik zu Liebfrieds Aktion ist geblieben, denn unter dem gleichnamigen Titel kann man sich das Ganze nun auf Schallplatte anhören. Im November ist "Amp Wall Monument Confrontation" als Kooperation von SVS Records und Para erschienen. Para ist eine "Nicht-Label-Organisation für Klang", die Liebfried mit Anja Lekavski und Jakob Braito betreibt und die an "anderen Organismen" wie Labels, Radiostationen oder Zeitschriften andockt. Mit der Absicht, künstlerische Produktionen jenseits der üblichen Marktwege zu ermöglichen. Wirklich radiotauglich klingt auch die fünfteilige "Ambient Drone Composition" nicht, die auf dem Album durch Remixe von Lamin Fofana, FRKTL, Elsa M'bala, Cedrik Fermont und Jay Glass Dubs gedoppelt ist.

Die schaukelt sich in "It Took The Night To Disbelieve" langsam flirrend hoch. In "Engine Of Future Ruins" rumpelt die Maschine in Form von kratzigen und fiepigen Akkorden vorwärts. In "Imperial Ghosts" wird es ruhig und atmosphärisch, aber nicht ohne Störgeräusche. In "Sink The Bismarck" bekommt das Ganze wieder Dynamik, gedämpfte Akkorde, elektronische Feedbacks überschlagen sich. Und mit "Breathe The Frequency" klingt das Ganze ruhig und ätherisch aus.

In den Remixen bekommen die Stücke durch Hall, Verzerrungen und andere Verfremdungen noch einmal einen neuen, interessanten Dreh. Die Arbeit am Monument geht also weiter. Und wer will, kann sich daran auch selbst beteiligen. Denn außer einem Essay von Damian Lentini liegt der Doppel-LP auch die Partitur bei.

Kalas Liebfried: Amp Wall Monument Confrontation, erhältlich via svsrecords.bandcamp.com

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